Pressemitteilung vom 28.02.2018

Mehrheit in Bayern für den Religionsunterricht

Landeskirche veröffentlicht Ergebnisse einer repräsentativen Emnid-Umfrage

Bei einer repräsentativen Umfrage unter der bayerischen Bevölkerung haben sich mit 65 Prozent Zweidrittel der Befragten für den Religionsunterricht als ordentliches Schulfach ausgesprochen. „Dieses Ergebnis zeigt, dass der Religionsunterricht im Bewusstsein einer Mehrheit der bayerischen Bevölkerung fest verankert ist“, sagte Oberkirchenrat Detlev Bierbaum am Mittwoch, 28. Februar in München bei der Vorstellung der Ergebnisse der Umfrage. Sie wurde vom Meinungsforschungsinstitut Kantar Emnid im Auftrag der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern durchgeführt.

Mehr als drei Viertel der Befürworter (76 Prozent) begründen ihre Meinung damit, dass jeder das Recht auf religiöse Bildung habe. 72 Prozent sehen im Religionsunterricht einen Vermittler wichtiger Werte. 58 Prozent verweisen auf fehlende religiöse Bildung zuhause als Grund für die Notwendigkeit des Religionsunterrichts, 56 Prozent sehen in ihm eine Hilfe, die Welt besser zu verstehen.

Rund ein Viertel aller Befragten sind der Meinung, Religion solle kein ordentliches Schulfach sein. Ihr Hauptargument:  Religion sei Privatsache.

Ein hoher Zustimmungswert ergab sich bei den evangelischen Befragten: 80 Prozent von ihnen befürworteten den Religionsunterricht als ordentliches Schulfach.

In den Umfrageergebnissen kämen auch hohe Erwartungen an den Religionsunterricht zum Ausdruck, so Bierbaum weiter. Für die Kirche ergebe sich daraus die Verpflichtung, den Religionsunterricht vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen wie der Globalisierung, der Digitalisierung oder der Forderung nach Inklusion weiter zu entwickeln.  „Angesichts der weltanschaulichen Pluralität bedarf es eines Religionsunterrichts, der noch stärker dialogisch, konfessions- und religionssensibel angelegt ist“. Über 340.000 Schülerinnen und Schüler nehmen wöchentlich am evangelischen Religionsunterricht in Bayern teil. 12 Prozent davon gehören keiner oder einer anderen Konfession an. Es gehe darum, „den vielen Schülerinnen und Schülern in Bayern auch in Zukunft einen qualitativ hochwertigen Unterricht anzubieten, der es ihnen ermöglicht, im Blick auf Glaubensfragen sprachfähig zu sein“, so Bierbaum.

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Diesem Ziel dient auch das vom Landeskirchenrat beschlossene Projekt „Religionsunterricht 2026“, in dessen Rahmen die Emnid-Umfrage durchgeführt wurde. In dem Projekt werden auf der Basis einer aktuellen Bestandsaufnahme der Lage des Religionsunterrichtes strategische Grundlagen für dessen Weiterentwicklung ausgearbeitet. Die Ergebnisse des Projektes sollen der Öffentlichkeit im Herbst dieses Jahres vorgestellt werden.

Die bayerische Bevölkerung wurde von Emnid auch danach befragt, welchen Beitrag der Religionsunterricht zum Bildungsauftrag der Schule leistet. Ein großer Teil aller Befragten unterstrich dessen Bedeutung für die Allgemeinbildung (84 Prozent, davon 48 Prozent „sehr stark“ oder „eher stark“). Für jeweils 80 Prozent trägt er - zumindest teilweise – zu Toleranz und Verständigung bei und regt Schülerinnen und Schüler an, über Gott und den eigenen Glauben nachzudenken.

Für fast genauso viele Befragte hilft der Religionsunterricht, andere Religionen und Weltanschauungen besser zu verstehen sowie ein Bewusstsein für Mitmenschlichkeit und die Umwelt zu entwickeln (78 Prozent bzw. 77 Prozent). Drei Viertel sind der Meinung, dass er Schülerinnen und Schülern hilft, mit existenziellen Lebensfragen wie Leid und Tod umzugehen sowie Sinn und Orientierung im Leben zu finden (75 Prozent bzw. 74 Prozent).

Ist Religion bei den einzelnen Befragten spontan beliebter als andere Fächer gewesen? Oder begeisterten sie während ihrer Schulzeit eher versetzungsrelevante Fächer? Bei dieser Fragestellung hat der Religionsunterricht weniger gut abgeschnitten: Während hier Biologie (59 Prozent), Geschichte (55 Prozent) sowie Deutsch (54 Prozent) und Sport (54 Prozent) die Spitzenplätze belegen, bilden Religion (38 Prozent) und Physik (32 Prozent) die Schlusslichter.

Um die Meinungen zum Religionsunterricht an der Schule einordnen zu können, wurden auch die persönlichen Einstellungen der Befragten zu Religion und Religionsgemeinschaften untersucht. Mit 76 Prozent betrachtet sich die große Mehrheit aller Befragten als zumindest ein wenig religiös. 20 Prozent stufen sich als sehr bzw. ziemlich religiös ein, während nahezu die Hälfte angibt, wenig oder gar nicht religiös zu sein (49 Prozent).

Wie steht es mit der Verbundenheit der Bayern mit der Kirche? Die etwa 80 Prozent der Befragten, die einer Kirche oder Religionsgemeinschaft angehören, antworteten zurückhaltend auf diese Frage. Nur 29 Prozent von ihnen gaben an, sehr bzw. ziemlich mit ihrer Kirche verbunden zu sein, während 39 Prozent sagten, dass dies kaum oder überhaupt nicht der Fall sei. Die übrigen Befragten, die einer Kirche oder Religionsgemeinschaft angehören (31 Prozent), meinten, „etwas“ mit dieser verbunden zu sein.

Etwa 19 Prozent der Befragten gaben an, aktuell keiner Religionsgemeinschaft anzugehören.

Die repräsentative Befragung in Bayern wurde von Emnid (Bielefeld) zwischen 12. Oktober und 3. November 2017 durchgeführt.  Die Stichprobe umfasste 1000 Telefoninterviews.

Der Religionsunterricht ist gemäß Grundgesetz und bayerischer Verfassung ordentliches Lehrfach. Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes wird er in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt. Insgesamt geben 3800 staatliche und 2240 kirchliche Lehrkräfte in Bayern Religionsunterricht.


28.02.2018 / München, Johannes Minkus, Pressesprecher