Predigt zur Jahreslosung

Frieden braucht Bewegung

Jahreslosung im Verlag am Birnbach - Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen

"Suche Frieden und und jage ihm nach" - das Motiv von Stefanie Bahlinger aus Mössingen zur Jahreslosung 2019 im Verlag am Birnbach.

Bild: Jahreslosung im Verlag am Birnbach - Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen

Den Standpunkt verlassen, neue Perspektiven einnehmen, aufeinander zugehen: Die Friedensarbeit brauche Bewegung und Dynamik, so die Ständige Vertreterin Susanne Breit-Keßler in ihrer Neujahrspredigt.

"Suche Frieden und jage ihm nach" – dieses Wort aus Psalm 34 Vers 15 ist die Jahreslosung für 2019. Die Ständige Vertreterin des Landesbischofs, Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, stellte die Jahreslosung ins Zentrum ihrer Predigt im Neujahrsgottesdienst in der Münchner Matthäuskirche.  Sie riet den Gottesdienstbesuchern in Meinungsverschiedenheiten und Streitfällen zu Bewegung: „Wenn er oder sie beharrt auf der eigenen Position, dann ist eine Lösung längst nicht in Sicht. Denn dann ist keinerlei Bewegung, keine Dynamik zu spüren - nur eisige Härte, Verbissenheit, Sturköpfigkeit.“ In vielen Situationen käme es darauf an, eben nicht auf sich selbst hocken zu bleiben. Sondern den eigenen Standpunkt auch einmal zu verlassen, sich und die Sache, um die es geht, aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Mehr zum Thema

Susanne Breit-Keßler: „Man muss den Kopf neigen, um gut zuzuhören, die Augen aufmachen, um zu sehen, wie es dem Gegenüber geht. Die verschränkten Arme öffnen, um Weite zu signalisieren. Man muss im konkreten und übertragenen Sinn aufeinander zugehen.“ Das gelte auch für viele erbitterte gesellschaftliche und politische Auseinandersetzungen. „Frieden einzuhalten, ihn neu zu schaffen, das braucht Bewegung. Es verlangt Dynamik“, unterstrich die Ständige Vertreterin.

 

Friedensarbeit gegen Hasst und Fanatismus

Wie zwei Menschen immer wieder an ihrer Beziehung arbeiten sollten, müssten auch ganze Gesellschaften, Völker und Nationen an ihrer Beziehung zueinander und am Frieden arbeiten. „Frieden ist Arbeit und Prozess, er fällt nicht einfach vom Himmel. Wir müssen ihm nachjagen“, forderte die Ständige Vertreterin auf. Dieses Nachjagen sei auch deshalb nötig, damit Menschen nicht zu irrationalen Fanatikern oder eiskalten Pragmatikern werden, „denn der große Satan dieser Zeit seien Hass und Fanatismus“. Dazu bräuchte es viel Empathie, Einfühlungsvermögen, einen klaren Blick auf echte Probleme und den festen Willen, sie zu lösen, so Breit-Keßler.

Auch eine Religion trage immer die Gefahr in sich, die eigene Religion und ihre Wahrheit mit Absolutheit zu vertreten. Dann, wenn Anhänger die eigene Auffassung mit Gewalt durchsetzen wollen, statt zu glauben, was sie für richtig halten, und anderen ihren Glauben zu lassen. Niemand habe immer recht, niemand habe die Wahrheit für sich allein gepachtet, betonte die Ständige Vertreterin.  Auch das Christentum habe schon gewaltige Schuld auf sich geladen. Ein Religionsfrieden sollte eigentlich selbstverständlich sein.

Frieden neu erobern

Frieden schaffen und erhalten habe nichts mit der Vermeidung von Konflikten zu tun oder mit der Unfähigkeit, sich ihnen zu stellen. Susanne Breit-Keßler: „Frieden – das ist Arbeit. Frieden braucht Kraft, Liebe und Besonnenheit.“ Sie rief die Gottesdienstbesucher auf, in der Friedensarbeit bei sich anzufangen und appellierte: „Suche Frieden und jage ihm nach. Es braucht Leidenschaft, Eros auch für den Frieden, um ihn zu erhalten oder neu, ja, zu erobern“.



 


 


01.01.2019 / ELKB