Gedenkort an das Attentat in München

Der Gedenkort in München informiert über die zwölf Opfer der Geiselnahme von München am 5. September 1972 während der Olympischen Sommerspiele in München. Er trägt den symbolischen Namen „Einschnitt“.

Bild: Rufus46

50 Jahre Olympia-Attentat

Setzt Euch überall für Frieden ein!

Mit einer Gedenkfeier wurde am 5. September auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck an den 50. Jahrestag des Olympia-Attentats von 1972 erinnert. Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Regioanlbischof Christian Kopp zu diesem Gedenktag.

„Das Gedenken zum 50. Jahrestag des Attentats auf die israelische Olympiamannschaft ist zuallererst Anlass zur Trauer über den sinnlosen Tod von Menschen, deren Angehörige bis heute den Schmerz des Verlustes ihrer Lieben spüren", sagte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm anlässlich der in Fürstenfeldbruck stattfindenden zentralen Gedenkveranstaltung, zu der Bundesinnenministerin Nancy Faeser, der bayerische Ministerpräsident Markus Söder sowie der Fürstenfeldbrucker Landrat Thomas Karmasin eingeladen hatten. "Es ist Anlass, sich allen Haltungen und Ideologien entgegenzustellen, die Gewalt als Mittel der Durchsetzung ihrer Ziele propagieren. Aber es ist auch Anlass, sich allen Formen von Antisemitismus heute entgegenzustellen, die Hass und Gewalt gegenüber Menschen schüren, allein weil sie Juden sind. Angesichts der langen Geschichte des christlichen Antijudaismus muss es auch für uns als Kirchen Anlass kritischer Selbstreflexion sein.“

Christian Kopp: Den Angehörige der Opfer wurde zu wenig Beachtung geschenkt

Der Münchner Regioanlbischof Christian Kopp war 1972 ein Grundschüler. Trotzdem kann er sich noch gut an die Zeit erinnern. Bayern-evangelisch.de hat ihn dazu befragt. 

Herr Kopp, am 5.9. jährt sich das Olympia-Attentat zum 50. Mal. Haben Sie irgendwelche Erinnerungen daran?  Regionalbischof Christian Kopp: Ich war damals sieben Jahre alt. Meine Welt bestand aus Freunden und Freundinnen und aus Spielen und Sport. Ich erinnere mich an die Euphorie, mit der meine Familie den Spielen gefolgt ist. Besonders an einen amerikanischen Schwimmer, der jedes seiner Rennen gewonnen hat, Mark Spitz. Und an eine 16-jährige Jugendliche, Ulrike Meyfarth, die den Weltrekord im Hochsprung geschafft hat. Und natürlich an das fürchterliche Attentat.

Wenn wir heute, 50 Jahre später dran erinnern, welche Themen sind Ihnen dann besonders wichtig?  Regionalbischof Christian Kopp: Sport kann Menschen ganz eng verbinden. Ein Fußball ist ein Ball, der mit dem Fuß bewegt wird. Das ist überall in der Welt so. Schnell rennen kann theoretisch jeder Mensch - praktisch sieht es anders aus. Sport kann für viel Verständigung unter Menschen sorgen - allerdings auch für viel Streit. Der Erfolg von München 1972 hatte ganz stark auch eine Imageseite und eine städtebauliche Wirkung. Auf dem Weg in die Berge habe ich schon als Kind die Veränderungen am neuen Olympiagelände mitbekommen - die Architektur steht heute noch nach 50 Jahren für das moderne, an Zukunft und Technik orientierte München. Es waren bis zum Attentat in meiner Erinnerung heitere Spiele, die die Landeshauptstadt München und auch Deutschland in einem sehr positiven Licht gezeigt haben. Zwei Jahre später war dann mit der Fußballweltmeisterschaft der nächste Schritt gemacht.

Es hat im Vorfeld des Jahrestags Unstimmigkeiten gegeben wegen Forderungen nach Ersatzleistungen – wie haben Sie das erlebt? 
Regionalbischof Christian Kopp: Es ist aus meiner Sicht betrüblich, dass 50 Jahre nach dem Attentat so etwas wie Schuldeingeständnis und Kompensation für Verluste immer noch Thema ist. Da wurde den Angehörigen der Opfer wohl einfach zu wenig Aufmerksamkeit gegeben und vermutlich auch zu wenig klar gemacht, dass 1972 manche Fehler gemacht wurden. Gleichzeitig tue ich mir mit Geldkompensationsleistungen - und dann auch noch nach 50 Jahren - immer etwas schwer. Können Euros den Verlust eines Menschen weniger schmerzlich machen

München hat 50 Jahre nach den Olympischen Spielen zu den European Championships eingeladen. Sie haben selbst einen Gottesdienst anlässlich der Meisterschaften gehalten – welche Botschaft ging von den Championships aus? 
Regionalbischof Christian Kopp: München hat das jetzt im August gemerkt - Sport verbindet. Wer auf den Straßen oder den Sportorten der Championships unterwegs war, hat das gespürt. Menschen, die miteinander verbunden sind und etwa beim Laufen durch die Stadt oder beim Beachvolleyball auf dem Königsplatz mitfiebern, schlagen sich nicht und führen keine Kriege. Beim Gottesdienst haben wir das Motiv des Olympiazeltdaches mit der alten Sehnsucht nach Frieden verbunden. Wir wünschen uns, dass diese Dächer für immer eine Erinnerung an die Bedeutung des Friedens für alle Menschen sind.

Wozu mahnt dieser Jahrestag heute? 
Regionalbischof Christian Kopp: Das eine ist: Leute macht Sport - es tut Körper und Seele gut und verbindet euch Menschen untereinander. Sport sorgt für Verbindungen. Diese spätmoderne Gesellschaft braucht viel verbindende Kräfte und Energien, weil so viel auseinander geht. Und das andere: Setzt euch alle miteinander überall für Frieden und Interessenausgleich ein. Und werdet da nicht müde.

Wie kann die Kirche dazu beitragen?
Regionalbischof Christian Kopp: Beim Sport haben wir manchmal etwas Nachholbedarf, weil wir sehr kopf- und wortorientiert daherkommen. Ich unterstütze alle in der Kirche, die Körper und Seele, Body and Soul miteinander verbinden. Beim Interessenausgleich sind wir gut unterwegs. Nahezu alle kirchlichen Handlungsfelder - ob etwa in der Bildung oder in der Seelsorge - haben als verbindendes Thema, wie der oder die Einzelne zu seinem oder ihrem Recht kommt und eben auch die Interessen aller nicht zu kurz kommen. Meine Oma hat das immer sehr prägnant sagen können: Leben und leben lassen. Das steht unsichtbar über jeder Kirchentüre.

Regionalbischof Kopp, Bild: © ELKB / Rost

Bild: ELKB / Rost

Christian Kopp

Oberkirchenrat Christian Kopp ist Regionalbischof im Kirchenkreis München und Oberbayern.

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Vor 50 Jahren hatten palästinensische Terroristen die israelische Olympiamannschaft überfallen und Geiseln genommen. Eine Befreiungsaktion auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck scheiterte. Elf Israelis, fünf Palästinenser und ein bayerischer Polizist kamen ums Leben.

Gedenken in Dachau

Schon am Vortag erinnerte die Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau mit einem Gedenkgottesdienst an die elf israelischen Opfer des palästinensischen Terroranschlags auf die israelische Olympiamannschaft in München am 5./6. September 1972. Dr. Björn Mensing, Pfarrer an der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau trug Kurzbiographien der Opfer vortragen – einige der Männer hatten den Holocaust selbst überlebt oder stammten aus Familien von NS-Verfolgten – und entzündete für jedes Opfer eine Kerze. Zum Abschluss wurden die Kerzen von der Versöhnungskirche in die benachbarte Jüdische Gedenkstätte getragen.

Mensing berichtete, dass dass die israelische Olympiamannschaft wenige Tage vor dem Terroranschlag die KZ-Gedenkstätte Dachau besucht hatte. Am Vortag der offiziellen Eröffnung der Spiele hatte eine israelische Delegation an der großen christlich-jüdischen Gedenkfeier am Internationalen Mahnmal teilgenommen , die von jüdischen, katholischen und evangelischen Vertretern gestaltet wurden. 

04.09.2022
ELKB