Innere Mission München

Eindrücklich und anrührend

Screenshot aus Anna Tillack 'Die Bettler aus der Walachei' BR

Ein Bild aus der preisgekrönten Dokumentation "Die Bettler aus der Walachei – Bedürftige oder organisierte Bande?" von Anna Tillack.

Bild: BR/AnnaTillack "Die Bettler aus der Walachei"

Die Preisträgerinnen des Karl-Buchrucker-Preises 2020 der Inneren Mission München befassen sich in herausragender Weise mit sozialen Themen wie Bettlerbanden, Nächstenliebe und Flüchtlingsdramen.

Der Karl-Buchrucker-Preis der Inneren Mission München geht in diesem Jahr an Anna Tillack für ihre im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlte Dokumentation "Die Bettler aus der Walachei – Bedürftige oder organisierte Bande?" In der 43 Minuten langen Sendung porträtiert die Journalistin Bettler aus Rumänien, die in München ihr Glück versuchen. Zudem schildert sie eindrücklich die Situation in ihrem Heimatland, wo sie in unvorstellbarer Armut in Behausungen leben ohne Strom, Wasseranschluss und Kanalisation.

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Jurymitglied Herlinde Koelbl, international bekannte Fotografin und Filmemacherin, lobte das Werk der 34-Jährigen als durchgehend grandios: "Da passt einfach alles – eine dramatische Geschichte, eine fundierte Recherche, ein prägnanter Text und hervorragende Bilder!" Angesichts der prekären Situation in dem Roma-Dorf müsse man sich allerdings fragen, wie lange Rumänien bereits Mitglied in der EU sei. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.

Der Themenpreis geht an die 42-jährige freie Journalistin Katrin Blum aus Berlin für ihre im "SZ-Magazin" veröffentlichte Reportage "Aus den Augen". Die Autorin protokolliert darin eine Hobby-Basketballmannschaft, die nach vielen Jahren endlich einmal einen ihrer früheren Mitspieler besuchen, der nach drei Schlaganfällen jetzt schwerstbehindert im Pflegeheim lebt. Blum schildert diese schwere, schöne Reise der zehn Freunde mit akribisch genauen Nahaufnahmen und gießt diese in eine anrührende Geschichte, so das Urteil der Jury. Zu dem diesjährigen Motto des Themenpreises, "Nächstenliebe 4.0", passe diese "wunderbare Geschichte der Menschlichkeit" hervorragend, lobte Jurorin Johanna Haberer. Die Autorin, eine Absolventin der Deutschen Journalistenschule, zeige exemplarisch, "wie sich der Blick verändert, je näher man den Menschen kommt." Persönliche Begegnungen seien trotz Handy und Social Media wichtiger denn je.


 

Karl Buchrucker, Gründer Innere Mission München

Der Karl-Buchrucker-Preis der Inneren Mission erinnert an den Gründer des kirchlichen Sozialunternehmens Innere Mission.

Bild: Innere Mission München

Den Nachwuchspreis erhält die 28-jährige Journalistin Franziska Grillmeier für ihren in der Süddeutschen Zeitung erschienenen Text "Der verlorene Sohn". Die freie Journalistin und Absolventin der "Zeitenspiegel" Reportageschule in Reutlingen schildert den bewegenden Kampf einer Mutter, die ihren in Griechenland inhaftierten Sohn aus dem Gefängnis holen will. Sein Vergehen: Er hatte geholfen, Flüchtlinge zu retten, deren Boot zu kentern drohte. Juror Uli Brenner, früher Leiter der Deutschen Journalistenschule, bezeichnete das Stück als "journalistisch hervorragend geschrieben". Auch wenn der Ort der Handlung sehr weit weg von München sei, schildere die Autorin das derzeitige europäische Dilemma eindrücklich und zeige auf, wie brüchig gängige Vorstellungen von Recht und Gesetz angesichts des weltweiten Flüchtlingsdramas werden.

Themenpreis und Nachwuchspreis sind mit jeweils 3.000 Euro dotiert. Insgesamt gingen bei der Inneren Mission dieses Jahr 47 Bewerbungen aus den Bereichen Hörfunk, Fernsehen, Print und neue Medien ein. Die Preisverleihung findet am 23. März im Studio 1 des Bayerischen Rundfunks statt.

Hintergrund: Karl-Buchrucker-Preis

Der Karl-Buchrucker-Preis der Inneren Mission erinnert an den Gründer des kirchlichen Sozialunternehmens und wird in diesem Jahr zum zwanzigsten Mal vergeben. Ziel des Preises ist es, durch die Auszeichnung von Beiträgen, die sich in herausragender Weise mit diakonischen oder sozialen Themen befassen, den Stellenwert diakonischer Arbeit in der Öffentlichkeit zu fördern. Schirmherr des Preises war bis zu seinem Tod Bundespräsident a.D. Prof. Dr. Roman Herzog


18.02.2020 / Innere Mission München