Christian Schmidt predigt in Reimen

Wenn die Kanzel zur Bütt wird

Drei Lindauer Moschtköpf auf einem Faschingsumzug

Ob die Lindauer Moschtköpf oder die Fastnacht in Franken - in Bayern gibt es die unterschiedlichsten Faschingstraditionen. Auch in manchen Kirchengemeinden hat der Faschingssonntag eine ganz besondere Prägung.

Bild: pixabay/Efraimstochter

An Faschingssonntag geht es in vielen bayerischen Kirchen fröhlich zu. Etwa in Nürnberg: Dort predigt der ehemalige Ansbach-Würzburger Regionalbischof Christian Schmidt wieder in fränkischen Reimen.

Für Schmidt, der auch Träger der Auszeichnung  "Frankenwürfel" der drei fränkischen Regierungsbezirke ist, wird am Sonntag 16. Februar (10.30 Uhr) in der Wolfgangskapelle der Nürnberger Egidienkirche die Kanzel zur Bütt. Bayern-evangelisch.de befragte ihn über Fasching, Lachen und seine Themen zur Fastnacht 2020.

Was ist für Sie als Kirchenmann das Besondere an Fasching?
Christian Schmidt:  Varietas delectat - Abwechslung erfreut. Unser Leben braucht Rhythmen. Deshalb ist es z.B. schön, dass es Fastenzeiten gibt. Das ganze Jahr Faschingskrapfen - da kann man sich gar nicht mehr auf etwas Besonderes freuen. Und: Ausgelassensein hat seine Zeit, Besinnlichkeit hat ihre Zeit ... . Nach dem Fasching kann man die Fastenzeit viel bewusster erleben.

Was lässt sich in Reimen leichter sagen als in Prosa?
Christian Schmidt: Reimen ist auch so etwas wie Spielen mit der Sprache; es kann Sprache witzig machen; gelungene Reime erfreuen dsas Gemüt. Und wenn Kritisches in dieser Form augenzwinkernd rüberkommt, wird es leichter angenommen ...

Fasnacht und fränkisch...
Christian Schmidt: Die "Fränkische Fasnacht" aus Veitshöchheim ist etwas relativ Junges. Zu den klassischen Fasnachtsgebieten gehört Franken meines Wissens nicht gerade, wenn es auch immer Faschingsinseln gab, wie z.B. das Dorf Schopfloch, oder in der Geschichte das "Schembartlaufen" in Nürnberg. Aber warum nicht vor der großen Fastenzeit, der Passionszeit, noch einmal etwas Heiter-Fröhlich-Kritisches bringen, auch in der Kirche.

Wird in der Kirche zu wenig gelacht?
Christian Schmidt: Ich denke, etwas mehr Humor, Heiterkeit und Lachen könnte der Kirche nicht schaden. Das Leben ist ernst genug, und das Evangelium ist eine Frohbotschaft und keine Drohbotschaft ...

Könnten Sie sich vorstellen, eine Ihrer Predigten auch bei einer Karnevalsversammlung zu halten?
Christian Schmidt: Jeder Ort und jeder Veranstaltungstypus erfordert etwas Eigenes, das muss man berücksichtigen. Insofern würde ich bei einer Karnevalsveranstaltung sicher noch mal anders reden als im Gotteshaus und beim Gottesdienst. Aber aus meinem Glauben würde ich deswegen kein Hehl machen.

Welche Themen wollen Sie in diesem Jahr ansprechen?
Christian Schmidt: Diesmal nehme ich etwas auf, was jedem Menschen bekannt ist und auch zu schaffen macht, nämlich das "Sich-Ärgern". Und das Evangelium bietet wunderbare Mittel dagegen...


07.02.2020 / ELKB