Augsburger Friedensgespräche

Ausstrahlungskraft der Kirchen

Bedford-Strohm und Marx bei Augsburger Friedensgesprächen

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Kardinal Reinhard Marx betonten bei den Augsburger Friedensgesprächen: Die Kirchen seien sehr wohl relevant und hätten zudem ein „ganz starkes altes Orientierungswissen".

Bild: epd-bild/zoepf

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Kardinal Reinhard Marx tauschten sich bei Augsburger Friedensgesprächen über Themen wie Kirchenaustritte, Frieden und Glaubwürdigkeitsverlust der Kirchen aus.

Die beiden großen Kirchen werden nach Ansicht ihrer obersten Repräsentanten trotz Krisen und Mitgliederschwund auch in Zukunft eine bedeutende Rolle in der Gesellschaft und für den Frieden haben. „Die Ausstrahlungskraft der Kirchen hängt nicht an der Zahl ihrer Mitglieder“, sagte der bayerische Landesbischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, am 8. Januar in Augsburg. Die Kirchen hätten einen wichtigen Auftrag, auch wenn Religionen heutzutage teilweise missbraucht würden, betonte der Münchner Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Die beiden Spitzenvertreter der christlichen Kirchen in Deutschland diskutierten bei den Augsburger Friedensgesprächen über Themen wie Kirchenaustritte, Frieden und Glaubwürdigkeitsverlust.

Bedford-Strohm: die Botschaft des Evangeliums leben und dafür kämpfen

„Es liegt in der DNA der Kirchen, sich für Versöhnung einzusetzen“, betonte Bedford-Strohm. „Wenn du mit Begeisterung und Überzeugung für deine Sache eintrittst, dann interessieren sich die Menschen, dann kommen sie und haben Respekt, auch wenn sie nicht gleich Mitglieder werden“, sagte der EKD-Ratsvorsitzende. Zugleich warb er dafür, „die Botschaft des Evangeliums zu leben und dafür zu kämpfen“, mahnte aber auch: „Lasst uns nicht verliebt sein in den Untergang.“

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„Christliches Leben ist auch für eine zukünftige moderne Gesellschaft wichtig, egal wie sich die Kirchenmitgliedschaft entwickelt“, betonte Kardinal Marx. Auch wenn die Bindung an die Kirchen schwinde und die Distanz zu ihr in den vergangenen Jahrzehnten größer geworden sei, würden die Menschen weiterhin an der Botschaft Jesu interessiert sein. „Es ist doch nicht so, als sei morgen Schluss“, sagte Marx.

Die Kirchen seien sehr wohl relevant und hätten zudem ein „ganz starkes altes Orientierungswissen in der Bibel anzubieten“, betonten beide Kirchenvertreter. Marx forderte deshalb eine neue Evangelisierung und einen neuen Blick auf Jesus Christus. „Die Bibel muss immer wieder neu gelesen und unser Leben durch diese Quellen immer wieder neu entdeckt werden“, unterstrich der Münchner Kardinal. Allerdings habe er manches Mal auch Zweifel, wenn Religion zum Teil des Problems werde, wenn sie zu Nationalismus und Abgrenzung missbraucht werde. Dann müsse man auch mal klar sagen: „Stoppt die Religion, wenn sie gegen die Menschen gerichtet wird.“

Jesus steht für radikale Liebe

Bedford-Strohm erinnerte an die gemeinsamen Feierlichkeiten zum 500. Reformationsjubiläum im Jahr 2017 und dass beide großen Kirchen verstanden hätten, worum es Martin Luther gegangen sei, nämlich „die Liebe neu zu entdecken“, betonte der Ratsvorsitzende. Deshalb sei es ihm auch lieber, wenn seine Kirche für deren Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung kritisiert werde, „als dass sie Menschen gegeneinander aufbringt“.

Jesus stehe für radikale Liebe, und dies habe Auswirkungen darauf, wie sich Menschen begegneten, betonten die beiden obersten Kirchenrepräsentanten. „Und deshalb ist es unser Job als Kirche, dies wieder in den Vordergrund zu stellen“, sagte Bedford-Strohm. „Die Kirche muss sich immer wieder verändern“, betonte Kardinal Marx auch im Hinblick auf die Rolle und Verantwortung der Frauen in der katholischen Kirche. Es sei allerdings utopisch zu meinen, das sich da etwas in Kürze ändere. „Das ist ein weltkirchliches Thema“, sagte Marx. Es sei aber etwas in Bewegung, und er könne sich nicht vorstellen, „dass in 50 Jahren noch alles so ist wie heute“, betonte der Kardinal.


13.01.2020 / EKD/epd