Diakoniepräsident Michael Bammessel bei seiner Abschiedspredigt

In seiner Abschiedspredigt blickte der scheidende Präsident auch auf die Geschichte der Diakonie zurück.

Bild: Daniel Wagner

Diakoniepräsident verabschiedet

„Diakonie ist die Operation Hoffnung“

Im Rahmen eines Festgottesdienstes in der Nürnberger Sebalduskirche wurde der bisherige Präsident des Diakonischen Werkes Bayern, Michael Bammessel, in den Ruhestand verabschiedet – nach mehr als zehn Jahren an der Spitze des zweigrößten bayerischen Wohlfahrtsverbands.

In seiner Abschiedspredigt bezeichnete Bammessel die Diakonie als „Operation Hoffnung“. Der Grund dieser Hoffnung, so Bammessel weiter, sei das Evangelium: „Die Predigt vom Reich Gottes und die Hilfe für die Menschen gehören bei Jesus, dem eigentlichen Inspirator der Diakonie, unauflöslich zusammen.“

"Diakoniegeschichte ist eine Geschichte des Lernens"

Dies bedeute jedoch nicht, dass bei der Diakonie alles „wunderbar“ sei: „Wenn wir in die Geschichte der Diakonie hineinschauen, z. B. in die frühere Heimerziehung, dann kann man vieles nur beschämt zur Kenntnis nehmen. Oft haben Menschen mit viel gutem Willen – ja! – und mit hohem Einsatz auch viel Verqueres und Belastendes getan. Diakoniegeschichte ist eine Geschichte des Lernens.“ Man brauche darum kein Idealbild der Diakonie zu zeichnen. Aber die Hoffnung des Evangeliums gründe nicht darauf, „dass Menschen so toll sind. Sondern sie beruht auf dem Wissen, dass Gott mit seiner Liebe am Ende stärker sein wird als alles.“ Keine echte Hoffnung habe die Gegenwart unverändert gelassen.

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Seine Amtszeit bezeichnete Bammessel als „vergleichsweise gute Jahre.“ Es habe in vielen Bereichen Verbesserungen gegeben, so seien beispielsweise in der Pflege ein Mindestlohn eingeführt und die Tagespflegen deutlich ausgebaut worden. Dennoch seien weitere Verbesserungen notwendig, um etwa die Belastung des Pflegepersonals abzubauen und Menschen durch den Abbau von Bürokratie einen leichteren Zugang zu Sozialleistungen zu ermöglichen.

In seiner Ansprache zur Entpflichtung des scheidenden Diakoniepräsidenten würdigte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm Michael Bammessel für seine "treue, glaubwürdige und authentische Verkündigung des Evangeliums." Bammessel habe Gottesliebe und Nächstenliebe immer als Einheit gesehen. Dabei habe er immer wieder "deutliche Worte der Anwaltschaft für die Armen gefunden".

Wohlfahrtsverband mit mehr als 90.000 Mitarbeitenden

Der 1956 in Bayreuth geborene Bammessel war seit 1999 Pfarrer an der St. Egidien-Kirche in Nürnberg und Stadtdekan für den Dekanatsbezirk Nürnberg. Im Sommer 2011 wurde er zum Präsidenten der Diakonie in Bayern gewählt. Bammessel studierte in Neuendettelsau, Tübingen und Erlangen Theologie und war nach seinem Vikariat im Dekanat Weiden Pfarrer an verschiedenen Nürnberger Gemeinden, darunter in Gostenhof mit verschiedenen sozialen Herausforderungen. Als Präsident der Diakonie in Bayern vertrat er den zweitgrößten bayerischen Wohlfahrtsverband mit mehr als 3.000 Einrichtungen und über 90.000 Mitarbeitenden.

Zu Gottesdienst und Empfang wurden 300 Gäste aus Politik, Kirche und Gesellschaft erwartet, unter ihnen auch Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf, sowie der Präsident des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland, Pfarrer Ulrich Lilie.

Die Nachfolge von Bammessel tritt im Juni Dr. Sabine Weingärtner an. Die bisherige stellvertretende Leiterin des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (kda Bayern) war im Dezember 2021 als erste Frau in der Geschichte der Diakonie Bayern in das Amt gewählt worden.

04.05.2022
DW Bayern/ELKB

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