Landesbischof Christian Kopp forderte: „Wir brauchen Public Fitness für unseren Glauben.“
Bild: Thomas Nagel
Lila Nacht & Fest der weltweiten Kirche
Die Kirche, und wie sie sein soll
Die lutherische Kirche als graue Maus, die das, was sie zu bieten hat, zu wenig offensiv, in den Worten von Landesbischof Christian Kopp, mit „zu wenig Bohei“, unters Volk bringt? – Wer am 18. Juli abends im Garten von Mission EineWelt mitten in Neuendettelsau dabei war, konnte sehen, wie attraktive Kirche auch gehen kann, nämlich lila und schön, mit gutem Essen und Musik, und vor allem mit Begegnungen und Miteinander – einfach so. Und dabei waren viele. Wieder einmal war auch bei der mittlerweile zehnten Ausgabe der Lila Nacht der große Innenhof von Mission EineWelt voll mit Menschen verschiedener Herkunft und jeden Alters. Die Band „Die alte Dame und Herr Mond“ aus Nürnberg lieferte die perfekte musikalische Untermalung zwischen dezent und auch mal mitreißend.
Inhaltlich wurde es am 19. Juli beim Fest der weltweiten Kirche. Trotz anfänglich durchwachsenen Wetters mit kurzen Regenschauern kamen über 200 Menschen schon am Morgen zum Open Air Gottesdienst im Garten von Mission EineWelt. In seiner Predigt griff Christian Kopp einen Schreibfehler aus einer E-Mail auf: Aus „Public Witness“ war Public Fitness“ geworden. „Da steckt richtig Kraft drin“, befand er. Und das passt aus seiner Sicht zur christlichen Botschaft. Die sei nämlich „hoch attraktiv“. Konkret: „Es ist einfach ein gutes Leben, das Gott für uns will. Ein Leben, in dem es uns und der ganzen Welt gut geht. Ich bin überzeugt davon, dass diese Botschaft für alle, wirklich alle, egal ob arm oder reich, wichtig ist. Die Liebesbotschaft Jesu macht das Leben besser. Viel besser“, sagte er. Seine Forderung: „Wir brauchen Public Fitness für unseren Glauben.“ Gegenwärtig passiere „so etwas wie die Verdunstung von Religion“. Der christliche Glaube sei nicht mehr präsent im Leben der Menschen. „Das Interesse an Religion geht zurück. Und darum müssen wir Christinnen und Christen davon erzählen, welche Wirkung dieser Glaube in uns hat und für uns. Und wie gut er unserer Gesellschaft tut. Es ist so wichtig, diese Stimme einzubringen, der Menschenwürde, des Respekts vor jedem Leben“, betonte Kopp. „Wir brauchen auch in Zukunft eine Gesellschaft des Mitgefühls, der Empathie.“
Die Band „Die alte Dame und Herr Mond“ aus Nürnberg lieferte die perfekte musikalische Untermalung zwischen dezent und auch mal mitreißend.

Im Podiumsgespräch mit den Freiwilligen Lilly Janitza und Philipp Werner, die für ein Jahr in den Partnerkirchen in Argentinien und Chile mitarbeiten werden, gab der Landesbischof seiner Bewunderung Ausdruck: „Es ist wahnsinnig mutig, dass Ihr das macht.“ Angesichts der aktuellen und noch drohenden Einsparungen im Etat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die auch die Internationalen Freiwilligendienste betreffen, forderte Kopp, die Kirche müsse „immer darum werben“, dass die Förderung und Finanzierung der internationalen Freiwilligenprogramme eine „staatliche Aufgabe“ sei. Gleichzeitig müssten Kirche und Wohlfahrtsverbände überlegen: „Was können wir trotzdem tun?“ Er glaube, dass ein Internationales Freiwilliges Jahr „total wichtig“ sei, versicherte der Landesbischof.
Danach gehörte die Bühne der Band „Cuatro Pueblos“, dem Neuendettelsauer Kinderchor „Ohrwürmer“ und der verschiedenen Gruppen der Ansbacher Schule für Tanz und Persönlichkeitsentwicklung „Dance 14s“. Dazu gab es diverse Infostände und Mitmachangebote.
Zum Abschluss des Festwochenendes wurden die aktuellen Freiwilligen in ihr Freiwilliges Internationales Jahr ausgesendet. Im Jahrgang sind das 14 junge Leute, die in den Partnerkirchen der ELKB in Asien, Afrika und Lateinamerika mitarbeiten werden. Mit dabei waren Freiwillige aus den internationalen Partnerkirchen, die, begleitet von Mission EineWelt, für ein Jahr in Einrichtungen der ELKB mitarbeiten. Sie gaben ihren Pendants aus Deutschland einen Segen mit auf den Weg.
20.07.2026
Thomas Nagel