Der Muttertag ist auch ein Anlass, ehrlich hinzuschauen, wie es Müttern in unserer Gesellschaft wirklich geht.
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Muttertag
Den Muttertag feiern – auch in der Kirche
Am zweiten Sonntag im Mai, dem Sonntag Cantate, nehmen sich viele Pfarrerinnen und Pfarrer bewusst Zeit, um Mütter und alle Menschen zu würdigen, die fürsorglich für andere da sind. Gemeinden laden ein zu Konzerten, Lesungen oder einem besonderen Gottesdienst. In vielen Gemeinden gestalten Kinder den Gottesdienst aktiv mit – mit selbst gebastelten Blumen, Liedern oder kleinen Texten. Manchmal schließt sich ein gemeinsames Frühstück oder ein Beisammensein der Familien an.
Der Blick richtet sich dabei nicht nur auf Mütter im engeren Sinn, sondern auf alle Menschen, die füreinander Verantwortung tragen – und auf Gott selbst, dem die Bibel an vielen Stellen mütterliche Züge zuschreibt: bergend, nährend, tröstend.
Anerkennung und Gerechtigkeit – was Mütter heute brauchen
Dankbarkeit allein reicht nicht. Der Muttertag ist auch ein Anlass, ehrlich hinzuschauen, wie es Müttern in unserer Gesellschaft wirklich geht. Frauen in Deutschland haben im Jahr 2022 pro Woche durchschnittlich rund neun Stunden mehr unbezahlte Arbeit geleistet als Männer – der sogenannte Gender Care Gap lag damit bei 44,3 Prozent. Tatsächlich übernehmen 48 Prozent der Mütter die meiste oder die gesamte Kinderbetreuung. Frauen sind deshalb häufiger in Teilzeit beschäftigt oder unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit – insbesondere nach der Geburt von Kindern oder bei der Pflege von Angehörigen. Dies verstärkt langfristig den Gender Pay Gap. Besonders schwierig ist die Lage für Alleinerziehende: Alleinerziehende und ältere Frauen sind bei den von Armut Betroffenen überproportional vertreten. Jahre, die der Kindererziehung gewidmet werden, sind unbezahlt und werden nicht gleichermaßen als Arbeit gewertet.
Die evangelische Kirche sieht in dieser Realität eine klare gesellschaftliche Aufgabe: Sorgearbeit verdient Anerkennung – nicht nur symbolisch am Muttertag, sondern durch gerechte Strukturen das ganze Jahr über. Das beginnt in Familien und Gemeinden, in Betrieben und in der Politik.
Gottesdienst in Ihrer Gemeinde
Als Begründerin des Muttertags gilt die US-amerikanische Methodistin Anna Jarvis, die am Todestag ihrer Mutter nach dem Gottesdienst Nelken an die Mütter des Ortes verteilte. Diese Geste der Wertschätzung lebt bis heute in vielen Gemeinden weiter. Ihren nächsten Gottesdienst am Muttertag finden Sie unter evangelische-termine.de oder auf der Website Ihrer Kirchengemeinde.
22.04.2026
ELKB