Zur Bahnhofsmission kann jeder Mensch kommen, der Hilfe sucht.

Zur Bahnhofsmission kann jeder Mensch kommen, der Hilfe sucht.

Bild: iStock-JesusFernandez32

Bahnhofsmissionen in Bayern

"Über eine Million Hilfeleistungen“

Am 18. April soll mit dem bundesweiten „Tag der Bahnhofsmission“ auf das Hilfsangebot aufmerksam gemacht werden. Unter dem Motto „Menschlichkeit gibt Halt“ laden auch bayerische Standorte dazu ein.

Immer mehr Menschen suchen Hilfe bei den bayerischen Bahnhofsmissionen und immer häufiger sind sie gesundheitlich belastet. Die zwölf Einrichtungen im Freistaat verzeichneten 2025 einen deutlichen Anstieg: Mehr als 1.000.000 Hilfeleistungen bei rund 620.000 Kontakten, rund zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Die Bahnhofsmission in München war mit rund 330.000 Kontakten erneut die größte und am stärksten frequentierte Anlaufstelle im Freistaat.

Die aktuellen Zahlen zeigen: Der Unterstützungsbedarf wächst – und wird zugleich komplexer. Viele Gäste sind mehrfach belastet; ihr Leben ist geprägt von Armut und Mangel, Krankheit und sozialer Isolation. „Immer mehr Menschen sind auf niedrigschwellige Hilfe angewiesen – und die Problemlagen werden vielschichtiger und für viele existenzieller“, sagen Michelle Agler (IN VIA Bayern) und Harald Keiser (Diakonisches Werk Bayern) von der Arbeitsgemeinschaft der kirchlichen Bahnhofsmissionen im Freistaat.

Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung in der gesundheitlichen Situation der Hilfesuchenden. Bayernweit lag der Anteil von Menschen mit psychischen Auffälligkeiten im Jahr 2025 bei rund 23 Prozent; das sind vier Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Während die Gesamtzahlen stabil erscheinen, hat die Zahl körperlich erkrankter Menschen in einzelnen Bahnhofsmissionen deutlich zugenommen - in Würzburg beispielsweise um 50 Prozent. Das Würzburger Leitungsteam mit Michael Lindner-Jung und Johanna Anken betont: „Viele unserer Gäste sind gesundheitlich stark belastet und gleichzeitig kaum noch an medizinische Versorgung angebunden. Es wird immer schwieriger, passende Hilfe zu organisieren.“

Und die Leiterin der Bahnhofsmission in Nürnberg ergänzt, „Es wird zunehmend sichtbar, wie stark Menschen von Krankheit gezeichnet sind und wie schwierig ihre Lebenssituationen geworden sind“, so Anita Dorsch, „wir versuchen zu helfen, wo wir können. Aber unsere Kapazitäten sind erschöpft.“

Ein Großteil der täglichen Arbeit in den Bahnhofsmissionen wird von Ehrenamtlichen getragen. Sie leisten täglich schnelle und unbürokratische Hilfe, hören zu, stabilisieren in Krisen und vermitteln in weiterführende Angebote oder unterstützen Reisende am Bahnsteig.

Die Anforderungen steigen dabei weiter: Rund 86 Prozent der Gäste leben in besonders schwierigen Lebenslagen. Entsprechend nehmen auch aufwendige Hilfen wie Weitervermittlungen, materielle Unterstützung und Kriseninterventionen zu. Auch die Nachfrage nach Notverpflegung ist hoch.

Zugleich verändert sich das Ehrenamt selbst: Viele Menschen engagieren sich heute flexibler, kürzer oder projektbezogen. Das erhöht den Aufwand für die Begleitung vor Ort deutlich. „Gerade angesichts der wachsenden Herausforderungen ist es wichtig, eine Überforderung der Mitarbeitenden zu vermeiden. Ehrenamt ist nicht kostenlos – es braucht Zeit, Begleitung und verlässliche Strukturen“, betont Michelle Agler.

Eine fundamentale Rolle spielt dabei die professionelle Ehrenamtskoordination im Hauptamt: Sie gewinnt Freiwillige, organisiert Einarbeitung und Schulungen und ist verlässliche Ansprechstelle im Alltag. Seit 2024 konnten dank der finanziellen Förderung durch den Freistaat Bayern an einigen Standorten entsprechende Stellen geschaffen oder andernorts zusätzliche Stunden bereitgestellt werden. Diese Ansätze zeigen Wirkung, müssen jedoch langfristig gesichert und weiter ausgebaut werden.

Auf die Situation machen die Bahnhofsmissionen am 18. April mit dem bundesweiten „Tag der Bahnhofsmission“ aufmerksam. Unter dem Motto „Menschlichkeit gibt Halt“ laden auch bayerische Standorte dazu ein, ihre Arbeit kennenzulernen.

„Gerade angesichts der wachsenden Notlagen zeigt sich, wie wichtig Orte sind, an denen Menschen unkompliziert Hilfe und Zuwendung erfahren“, sagt Harald Keiser von der Diakonie Bayern.

So bittet Passau zu einem offenen Vormittag mit Kaffee und Kuchen, während die Bahnhofsmission in Nürnberg mit einem Infostand im Hauptbahnhof vertreten ist. Die Bahnhofsmission München begeht den Aktionstag eine Woche später am 25. April nachmittags mit Kaffee und Kuchen.

Bereits am 23. und 24. April lädt in München die „Wanderbank“ zur Begegnung an Gleis 11 ein. In Schweinfurt stehen am 28. April eine Spendenaktion und ein ökumenischer Gottesdienst am Bahnsteig im Mittelpunkt. Nähere Informationen gibt es in den Bahnhofsmissionen vor Ort.

17.04.2026
Diakonie Bayern

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