Solidarität ohne Grenzen: Positionierung zur zivilen Seenotrettung .

Solidarität ohne Grenzen: Positionierung zur zivilen Seenotrettung.

Bild: GettyImages

Landesjugendkonvent 2026 in Pappenheim

„Fromm und politisch“

Die Evangelische Jugend in Bayern setzt ein Zeichen für Demokratie, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung beim Landesjugendkonvent 2026 in Pappenheim und verabschiedet richtungsweisende Beschlüsse.

Rund 120 junge Ehrenamtliche aus Bayern versammelten sich am Wochenende im Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum Pappenheim zum Landesjugendkonvent der Evangelischen Jugend in Bayern (EJB). Das höchste Gremium Ehrenamtlicher in der EJB diskutierte unter dem Motto „What would Jesus* do? Kirche und Krawall“ über die Zukunft der evangelischen Jugendarbeit. Am Ende verabschiedeten sie 14 Beschlüsse, die weit über den Kirchenraum hinausreichen. Der Konvent zeigt: „Junge Menschen in der EJB warten nicht auf andere. Sie verbinden Glauben mit politischer Verantwortung, setzen klare Zeichen für Demokratie, Menschenwürde und Nachhaltigkeit – und entwickeln neue Beteiligungsformen für die Zukunft. Fromm und politisch ist für uns kein Widerspruch“, sagt Jana Meyer (Neustadt/Aisch), Vorsitzende des Leitenden Kreises der EJB. 

Im Mittelpunkt standen Keynotes, Gespräche und Workshops, die erkundeten, wie christlicher Glaube und politisches Handeln heute zusammengehören – und was „fromm und politisch“ konkret bedeutet. „Ich bin überzeugt, dass Glaube keine Privatsache ist, sondern eine Kraftquelle für unser Engagement“, sagt Amelie Endl (Freising), stellvertretende Vorsitzende des Leitenden Kreises der EJB. Glaube prägt unser Menschenbild, unsere Werte und unsere Vorstellung von Gerechtigkeit. „Deshalb müssen wir Verantwortung übernehmen, als Kirche in der Gesellschaft – jeden Tag und jede:r Einzelne“, so Endl. Was das im Alltag bedeutet, beschrieben die EJB-Referent:innen Benjamin Greim und Victoria Altschäffl: Wer wirklich zuhört – auch Streitenden –, wer Erschöpfung kennt und trotzdem weitersucht, wer aus dem Glauben Mut schöpft statt Gewissheit: Der lebt den Einklang von „fromm und politisch“. Die EJB versteht sich als Ort, an dem diese Haltung gelebt und eingeübt wird: in Jugendgruppen, Freizeiten und überall dort, wo junge Menschen gemeinsam suchen, streiten und hoffen. 

Klare Haltung gegen Menschenfeindlichkeit 
Mit dem Beschluss „Christlich. Demokratisch. Menschenfreundlich.“ setzt der Konvent ein unmissverständliches politisches Signal. Angesichts des Erstarkens rechtsextremer Kräfte – sichtbar bei den bayerischen Kommunalwahlen 2026 – fordert die EJB von der Bayerischen Staatsregierung: keine Kooperationen mit Parteien, die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit vertreten, konsequente Demokratieförderung und Unterstützung für demokratische Jugendverbände und zivilgesellschaftliche Akteur:innen. Der Beschluss verdeutlicht: Evangelische Jugend sieht Erinnerungsarbeit, Demokratie-Bildung und zivilgesellschaftliches Engagement nicht als Zusatz, sondern als Kernauftrag. Gelebte Nächstenliebe fordert Haltung – auch gegenüber politischen Entwicklungen, die die Menschenwürde infrage stellen. 

Solidarität ohne Grenzen: Positionierung zur zivilen Seenotrettung 
Ein ebenso starkes politisches Signal setzt die EJB als Bündnispartnerin von United4Rescue mit vier Forderungen: Pflicht zur Seenotrettung, keine Kriminalisierung der Helfenden, faire Asylverfahren und sichere Häfen für Gerettete. Der Konvent ruft Privatpersonen und Organisationen auf, United4Rescue zu unterstützen – finanziell oder als Bündnispartner. Denn, so die Delegierten: „Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt.“ Nächstenliebe endet nicht an Europas Grenzen. Seit Jahresbeginn 2026 sind laut Internationaler Organisation für Migration fast 1.000 Menschen im Mittelmeer gestorben. Vor diesem Hintergrund kritisiert die EJB die Entscheidung von CDU/CSU und SPD, die staatliche Förderung der zivilen Seenotrettung einzustellen – obwohl dadurch über 175.000 Menschen gerettet wurden.

Ein historischer Moment: Letzte Tagung in bisheriger Form Nach 74Landesjugendkonventen war 2026 voraussichtlich die letzte Gremiensitzung in der Form, die seit 1952 in der EJB-Ordnung verankert ist. Im Zuge des EJB-Prozesses wird die evangelische Jugendarbeit angesichts gesellschaftlicher Veränderungen und den Herausforderungen einer attraktiven sowie zeitgemäßen Jugendarbeit grundlegend auf allen Ebenen weiterentwickelt. Ab Januar 2027 soll eine neue Struktur den veränderten Anforderungen gerecht werden. Der traditionelle Termin bleibt: Vom 7. bis 9. Mai 2027 ist eine neue Vernetzungs- und Jugendbildungsveranstaltung geplant, die jungen Ehrenamtlichen Raum für Austausch, Qualifizierung und Engagement bieten soll.

20.05.2026
ejb

Mehr zum Thema

weitere Informationen zum Artikel als Downloads oder Links