Woche für das Leben

Suizidprävention rückt in den Blickpunkt

Seit 25 Jahren wirbt die "Woche für das Leben" der evangelischen und katholischen Kirche für den Schutz des Lebens. Diesmal steht das Thema Suizid im Vordergrund.

Mit einem ökumenischen Festgottesdienst haben die beiden großen Kirchen am Sonnabend in Hannover ihre bundesweite "Woche für das Leben" eröffnet. Bei der Aktion, die seit 25 Jahren begangen wird, steht diesmal die Suizidprävention im Mittelpunkt. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, forderte zum Auftakt in der Marktkirche mehr Zuwendung für Menschen, die sich das Leben nehmen wollten. Die "radikale Liebe Gottes" gelte auch ihnen und denen, die sich selbst getötet hätten.

"Wie könnte Gott die fallenlassen, die für sich nur noch den Todes-Ausweg gesehen haben, wo er ihre Verzweiflung doch so gut kennt", führte Bedford-Strohm aus. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hob die Angebote der Kirchen für Menschen hervor, die am Leben verzweifelten, vor allem das Engagement der Telefonseelsorge. Laut Statistik nehmen sich jedes Jahr in Deutschland etwa 10.000 Menschen das Leben. Noch deutlich mehr versuchen es.

Kardinal Marx betonte: "Menschen zu begleiten und Leben zu schützen ist eine große Aufgabe für die Kirche." Im Blick auf Suizide hätten die Christen dabei nicht immer den richtigen Ton getroffen. Es gehe darum, verzweifelten Menschen zuzuhören, sie zu verstehen und die Zeichen und Signale für mögliche Todeswünschen wahrzunehmen. "Damit das Schweigen aufhört und die Tabuisierung", sagte Marx. Die Gesellschaft müsse "für das Thema wachwerden".

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Beim ökumenischen Eröffnungsgottesdienst der "Woche für das Leben" in Schwabach  erinnerte die Nürnberger Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern daran, dass die Kirchen viel zur Stigmatisierung des Suizids beigetragen hätten. Bis in die 1970er Jahre seien vielerorts die, die Suizid begangen hatten am Rand des Friedhofs beerdigt worden. Die Begründung sei gewesen, sie hätten sich gegen sich selbst versündigt. "Mit dieser Praxis sind die Kirchen schuldig geworden an den Gestorbenen, an den Angehörigen und ihren Leiden und an Gott und seiner Gnade", sagte die Regionalbischöfin.

Das Programm der Woche für das Leben rücke auch die Menschen in den Blick, die in der Suizidprävention tätig sind. Wenn eine Depression alles schwarz färbe, könne es für die Betroffenen eine Hilfe sein zu wissen, dass es Menschen gebe, "die für mich beten, die für mich da sind und die daran glauben, dass mein Leben wieder hell und fröhlich werden kann".

Als einen Irrweg hat die Bayreuther Regionalbischöfin Dorothea Greiner die langjährige frühere Praxis bezeichnet, Menschen, die sich selbst das Leben genommen hatten, das Begräbnis auf kirchlichen Friedhöfen zu verweigern. "Sie mit Segen beizusetzen ist ein letzter Liebesdienst an ihnen und vor allem an den Hinterbliebenen", sagte die Theologin bei einem ökumenischen Gottesdienst am Freitag in Bayreuth. Zur Eröffnung der "Woche für das Leben 2019" im Kirchenkreis Bayreuth und im Erzbistum Bamberg betonte Greiner, Christen könnten niemandem zur Selbsttötung raten. "Das Gebot 'Du sollst nicht töten!' gilt auch für uns selbst. Wir Christen stärken andere zum Leben. Doch wir verurteilen niemanden, der diesen Schritt gegangen ist."

Mit Blick auf das aktuelle Leitwort der Woche "Leben schützen. Menschen begleiten. Suizide verhindern" verwies Greiner auf die seelischen Schmerzen, unter denen viele Angehörige nach einem Suizid oft lebenslang litten. Zahlreiche Mitarbeitende der Kirchen und aus Diakonie und Caritas leisteten präventiv und nachsorgend Hilfe und Seelsorge für Gefährdete und für Hinterbliebene. "Doch auch als Helfende sind wir keine Helden, sondern brauchen Hilfe und sind gerade dann hilfreich, wenn wir selbst gelernt haben, Hilfe für uns anzunehmen."

Die Aktionswoche wird bis zum 11. Mai in katholischen und evangelischen Kirchengemeinden begangen. Sie steht diesmal unter dem Motto "Leben schützen. Menschen begleiten. Suizide verhindern." Die Aktion wirbt seit 1994 immer zwei Wochen nach Ostern für die Anerkennung der Schutzwürdigkeit und Schutzbedürftigkeit des menschlichen Lebens in allen Phasen.


06.05.2019 / ELKB/epd