Sohn von Martin Niemöller ist gestorben

Ein gefragter Zeitzeuge

Björn Menisng (li) mit Heinz Hermann Niemöller und der Martin-Niemöller-Friedenstaube, KZ-Gedenkstätte Dachau, Sommer 2010

Ist im Alter von 96 Jahren verstorben: Heinz Hermann Niemöller (re) hier mit dem Beauftragten für evangelische Gedenkstättenarbeit, Björn Mensing und der Martin-Niemöller-Friedenstaube

Bild: Versöhnungskirche

Heinz Hermann Niemöller, Sohn des evangelischen Theologen und NS-Widerstandskämpfers Martin Niemöller, ist tot. Er starb bereits vor einer Woche im Alter von 96 Jahren.

Wie Björn Mensing, Pfarrer der evangelischen Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau mitteilte, sei Niemöller nach mehrwöchigem Leiden im Kreis seiner Familie in Gauting (Landkreis Starnberg) verstorben. Wegen der Corona-Krise könnten an der Bestattung nur die engsten Angehörigen teilnehmen. Später solle eine öffentliche Gedenkfeier stattfinden, kündigte Mensing an.
 

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Heinz Hermann Niemöller wurde am 6. Januar 1924 in Elberfeld, das heute zu Wuppertal gehört, geboren. Er wuchs in einem nationalprotestantischen Elternhaus mit sechs Geschwistern auf, wie Mensing in seinem Nachruf weiter schreibt. Sein Vater Martin war 1919 aus dem Militärdienst ausgeschieden, wo er unter anderem U-Boot-Kommandant war. 1924 wurde er zum Pfarrer ordiniert. Während der NS-Zeit avancierte der einstige NSDAP-Wähler zu einem der profiliertesten kirchlichen Gegner des Regimes, wurde für mehrere Jahre in den KZs Sachsenhausen und Dachau inhaftiert und begleitete später die Politik der Bundesrepublik beispielsweise in Fragen der militärischen Aufrüstung kritisch.

Sein Sohn Heinz Hermann Niemöller wurde 1942 als Infanterist in den Zweiten Weltkrieg eingezogen. Als Soldat durfte er laut Mensing seinen Vater im KZ Dachau besuchen. Nach dem Krieg studierte er Medizin und ging für einige Jahre in die USA. In den 1960er Jahren kehrte er nach Deutschland zurück, 1969 wurde Niemöller Chefarzt und Leiter des Instituts für Pathologie am Klinikum München-Pasing. Mit seiner Frau und den drei Kindern lebte er in Gauting. Im Ruhestand wurde er ein gefragter Zeitzeuge mit Blick auf seinen 1984 verstorbenen Vater. Regelmäßig gab er auch Orgelkonzerte in der Dachauer Versöhnungskirche auf dem ehemaligen KZ-Gelände.


02.04.2020 / epd