Seenotrettung im Mittelmeer

"Wir setzen damit ein klares Zeichen"

Logo der EKD

Die evangelische Kirche belässt es beim Thema Seenotrettung nicht bei politischen Appellen. Gemeinsam mit anderen Organisationen will sie ein eigenes Schiff ins Mittelmeer schicken, um Menschen vor dem Ertrinken zu retten.

Bild: EKD

Die evangelische Kirche will gemeinsam mit anderen Organisationen ein eigenes Schiff zur Rettung von Menschen aus Seenot ins Mittelmeer schicken.

Dass dort weiterhin Menschen ertrinken, sei etwas, das man nicht hinnehmen könne, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, am Donnerstag in Berlin. Er kündigte an, dass ein Verein gegründet werden soll, der ein eigenes Schiff kauft. Zum dahinter stehenden Bündnis gehören nach Angaben des Bischofs zahlreiche Institutionen und Organisationen, auch Kirchengemeinden und Sportvereine. Bedford-Strohm rechnet mit einem hohen sechsstelligen bis niedrigen siebenstelligen Betrag für Kauf und Umbau des Schiffes.

Informationen zum Thema Rettungsschiff - Kontakte

EKD und Seenotrettung

Sie haben Fragen und Anmerkungen zum Engagement der Evangelischen Kirche in Deutschland für die Seenotrettung? Dann wenden Sie sich gerne an das Servicetelefon der EKD: 0 800 – 50 40 602

Oder Sie schreiben eine Email an info@ekd.de. Auf der Homepage der EKD finden Sie bereits Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Seenotrettung:https://www.ekd.de/faqs-zur-seenotrettung-495888.htm

 

Die Idee, ein eigenes Schiff zu entsenden, wird innerhalb der evangelischen Kirche seit dem Kirchentag im Juni in Dortmund diskutiert. Eine Resolution der dortigen Teilnehmer hatte die EKD aufgefordert, mit einer eigenen Rettungsmission ein Zeichen zu setzen. "Wir setzen damit ein klares Zeichen", sagte Bedford-Strohm nun. Das Schiff sei Teil des diakonischen Auftrags der Kirche. Den Beschluss für die Gründung des Vereins hat der Rat der EKD nach Bedford-Strohms Worten am vergangenen Freitag gefasst. In dem Gremium habe es eine große Einigkeit zu der Frage gegeben, sagte er.

Egal aus welchen Gründen Menschen in Lebensgefahr sind, bestehe die Pflicht zu helfen, sagte Bedford-Strohm: "Not hat keine Nationalität." Kritikern, die der Auffassung sind, die evangelische Kirche handele damit nicht verantwortlich, sondern "gesinnungsethisch", hielt der bayerische Landesbischof entgegen: "Barmherzigkeit und Verantwortung können nicht gegeneinander ausgespielt werden." Er betonte aber, die Kirche sei in dieser Situation kein politischer, sondern ein "diakonischer Akteur".

Anzahl der beteiligten Organisationen ist noch unklar

Bedford-Strohm präsentierte den Beschluss für ein eigenes Schiff gemeinsam mit Vertretern von "Ärzte ohne Grenzen", der Organisation "Seebrücke" und dem Potsdamer Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD). Die brandenburgische Hauptstadt gehört zum Bündnis "Städte Sicherer Häfen", die als Kommunen anbieten, zusätzliche Flüchtlinge aufzunehmen, auch Gerettete aus dem Mittelmeer. Der deutsche Verteilmechanismus erlaubt das nicht. Schubert appellierte an Seehofer, das zu ändern.

Welche Organisationen - möglicherweise auch andere Religionsgemeinschaften - genau den Verein mitgründen werden, blieb am Donnerstag noch offen. Unklar ist auch noch, wer welchen Anteil an den Kosten trägt. Die Evangelisch-reformierte Kirche hatte bereits vor längerer Zeit angekündigt, 15.000 Euro für ein kirchliches Seenotrettungsschiff spenden zu wollen.


13.09.2019 / epd