Partnerkirche Papua-Neuguinea

Ein Zeichen der weltweiten Verbundenheit

Kurzfilm von Thorsten Krafft, Mitarbeiter in Übersee von Mission EineWelt, über die Arbeit der Evangelisch-Lutherische Kirche von Papua-Neuguinea im Bereich der medizinischen Versorgung.

Besuch bei der ältesten bayerischen Partnerkirche: Mission EineWelt-Direktor Hanns Hoerschelmann über die Partnerschaft mit Papua-Neuguinea und das Ziel der 10-tägigen Besuchsreise.

Die Partnerschaft zwischen der bayerischen Landeskirche (ELKB) und der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Papua-Neuguinea (ELC-PNG) besteht seit 133 Jahren und ist somit die älteste weltweite Beziehung der ELKB. Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und der Direktor des Partnerschafts-Centrums Mission EineWelt, Dr. Hanns Hoerschelmann, besuchen aktuell die Partnerkirche in Papua-Neuguinea. Wir haben den Direktor Hanns Hoerschelmann, vorab zur Partnerschaft und zur geplanten Reise befragt.

bayern-evangelisch.de: Was ist das Ziel Ihrer Reise?

Hanns Hoerschelmann: Ausgangspunkt der Reise war die Einladung von Bischof Dr. Jack Urame an Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm im Rahmen der Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages auf der Synode in Amberg im Herbst 2017. Das, was in diesem Papier in Buchstaben ausgedrückt ist, soll mit eigenen Augen und in Begegnungen erlebt werden. Deshalb stehen Begegnungen in Gemeinden, Gespräche mit Studierenden an theologischen Seminaren oder mit Mitarbeitenden von Mission EineWelt im Vordergrund. Daneben geht es aber auch um einen Austausch auf kirchenleitender Ebene. Bischof Dr. Urame wird unsere Delegation die ganze Zeit begleiten. Der Besuch ist aber auch eine Wertschätzung der Menschen in Papua-Neuguinea. Gefragt, was den Menschen dort an der Partnerschaft mit Bayern wichtig ist, wurde mir einmal geantwortet: Dass Menschen auf der anderen Seite der Erdkugel an uns denken, gibt uns Lebensmut und kraft.

Zitat

Die weltweiten Beziehungen unserer Landeskirche mit ihren vielen persönlichen Begegnungen sind weit mehr als nur ein Nebenschauplatz kirchlicher, ja gesellschaftlicher Arbeit. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass die so gepriesene „Willkommenskultur“, auf die wir ja so stolz sind, ihre Grundlage zu einem nicht unwesentlichen Teil in dieser Arbeit hat. Wer selbst in einer Kirchenpartnerschaft engagiert ist, der ist es gewohnt, sich auf das Fremde einzulassen.

Direktor Hanns Hoerschelmann, Centrum Mission EineWelt

bayern-evangelisch.de: Welche Ausrichtung hat die Partnerschaft mit Papua-Neuguinea?

Hanns Hoerschelmann: Die Partnerschaft reicht von der Ankunft des ersten Missionars, Johann Flierl im Jahr 1886, bis hin zur Unterzeichnung einer gemeinsamen Partnerschaftsvereinbarung im Jahr 2017. Diese beiden Pole machen die Entwicklung dieser Partnerschaft von einem einseitigen Abhängigkeitsverhältnis hin zu einem gleichberechtigten Miteinander deutlich. Diese Partnerschaft ist ausgerichtet auf die Verwirklichung der von Gott geschenkten Communio, das bedeutet Gemeinschaft in dieser Welt. Sie ist Zeichen der weltweiten Verbundenheit von Christinnen und Christen, im Gegensatz zu einer im politischen Rahmen immer weiter zunehmenden Isolierung und Selbstbezogenheit.

Mehr zum Thema

bayern-evangelisch.de: Wie wird die Partnerschaft gelebt?

Hanns Hoerschelmann: Zur Zeit gibt es 29 Partnerschaften zwischen der ELKB und der ELC-PNG auf Gemeinde- und Dekanatsebene. Diese leben vor allem vom persönlichen Austausch und von Begegnungen. 2018 haben allein 8 Partnerschaftsreisen in beide Richtungen stattgefunden. Daneben gibt es regelmäßige Begegnungen in Bereich der Jugendarbeit.

Eine andere Ebene, auf der die Partnerschaft durch Begegnungen gelebt wird, ist die des Personalaustausches. Zur Zeit arbeiten 18 Personen, entsandt über Mission EineWelt - dem Centrum für Partnerschaft, Entwicklung und Mission der ELKB - in Papua-Neuguinea. Neben Theologinnen und Theologen sind dies Diakone (2), Verwaltungsangestellte (2), Ärzte (4), Entwicklungshelfer (2) sowie Piloten (1).   

Daneben unterstützt Mission EineWelt die Entsendung im Rahmen eines Süd-Süd-Austausches. Zwei Mitarbeitende aus der Lutherischen Kirche der Philippinen und 4 Ärzte aus Madagaskar sind aktuell in der ELC-PNG tätig. Auf der anderen Seite haben wir auch Mitarbeitende aus der ELC-PNG, die hier in Bayern arbeiten: Im Augenblick ein Austauschpfarrer in Dingolfing im Dekanat Landshut sowie 2 Freiwillige im Rahmen des Süd-Nord-Programms.

bayern-evangelisch.de: Was kann man tun, damit Partnerschaftsarbeit nicht eine Einbahnstraße ist?

Hanns Hoerschelmann: Wichtig ist hier, dass man Partnerschaft nicht primär als den Ausgleich von Defiziten ansieht, sondern die Gaben der jeweils anderen Seite wahr- und ernstnimmt. Dass zum Beispiel Personalaustausch in beide Richtungen stattfindet, ist eine Möglichkeit, eine Einbahnstraße zu verhindern. Zum anderen wird immer deutlicher, dass die globalen Herausforderungen, wie zum Beispiel der Klimaschutz oder die Verschmutzung der Meere, uns gleichermaßen verbinden. Das, was der jeweils eine tut, beeinflusst die Lebensverhältnisse des anderen.

Gottesdienst in Papua-Neuguinea

Die etwa 6.000 Gemeinden der lutherischen Kirche in Papua Neuguinea werden von 860 Pfarrern und 1.000 Evangelisten geleitet.

Bild: Mission EineWelt

bayern-evangelisch.de: Auf was freuen Sie sich besonders?

Hanns Hoerschelmann: Beeindruckend und bewegend sind für mich immer die Begegnungen mit den Menschen vor Ort. Das kann in Gesprächen sein, aber auch im gemeinsamen Feiern von Gottesdiensten oder in Begegnungen am Rande. Zu erleben, wie die Menschen bei allen Schwierigkeiten (im Politischen, Wirtschaftlichen oder Medizinischen) ihren Glauben leben und durch ihn getragen sind, ist eine ermutigende Erfahrung. Daneben bietet natürlich eine gemeinsame Reise immer auch die Möglichkeit, das Erlebte sofort miteinander auszutauschen. Dass unser Landesbischof sich bei seinem vollen Terminkalender für den Besuch so viel Zeit nimmt, ist schon ein großes Geschenk für unsere Partnerkirche, aber auch für uns bei Mission EineWelt sowie die Arbeiten in den weltweiten Beziehungen unserer Landeskirche.

bayern-evangelisch.de: Wie wichtig ist die weltweite Arbeit der Kirche?

Hanns Hoerschelmann: Die weltweiten Beziehungen unserer Landeskirche mit ihren vielen persönlichen Begegnungen sind weit mehr als nur ein Nebenschauplatz kirchlicher, ja gesellschaftlicher Arbeit. Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass die so gepriesene „Willkommenskultur“, auf die wir ja so stolz sind, ihre Grundlage zu einem nicht unwesentlichen Teil in dieser Arbeit hat. Wer selbst in einer Kirchenpartnerschaft engagiert ist, der ist es gewohnt, sich auf das Fremde einzulassen. Ja, dem ist das Fremde nicht mehr so fremd oder man muss keine Angst mehr davor haben. Allein aus diesem Grund ist für uns als Kirche, die wir uns derzeit mit den Räumen beschäftigen, in denen wir unterwegs sind - oder sein wollen -, der weltweite Raum so wichtig. Ja, er ist ein Teil unseres „Kirche-Seins“ an sich.

Bischof Jack Urame Papua-Neuguinea,© Mission EineWelt

Bild: Mission EineWelt

Globale Themen gemeinsam gestalten

Bischof Jack Urame über die Bedeutung dieser Partnerschaft und die weltweiten Herausforderungen. Sein Statement in englischer Sprache.

Die Partnerkirche in Papua-Neuguinea

Die Evangelisch-Lutherische Kirche von Papua-Neuguinea hat 1,2 Mio Mitglieder in 6000 Gemeinden. 700 Pfarrer und mehrere tausend Evangelisten und Älteste arbeiten in den Gemeinden. Seit Beginn der Missionsarbeit im Jahr 1886 waren fast 450 Missionare aus Bayern in Papua-Neuguinea tätig. Zur Zeit arbeiten 22 Personen aus Bayern in der Kirche in Papua-Neuguinea, darunter fünf Pfarrerinnen und Pfarrer, drei Diakoninnen und Diakone, drei Ärztinnen und Ärzte, ein Pilot und ein Pilotenausbilder. Aus der Partnerkirche in Papua-Neuguinea sind derzeit vier Personen in Bayern.

Die wichtigsten Stationen der Besuchsreise sind der Sitz der Kirchenverwaltung in Lae, sowie das Senior-Flierl-Seminar und das Krankenhaus in Finschhafen, dem Ort, an dem 1886 der Neuendettelsauer Johann Flierl als erster bayerischer Missionar in Papua-Neuguinea gelandet war. Wichtige Gesprächspartner werden Premierminister Peter O’Neill, der Bischof der Partnerkirche Dr. Jack Urame und Kirchensekretär Bernhard Kaisom sein.


01.02.2019 / ELKB