Kritik an Flüchtlingspolitik in Europa

"Es ist erbärmlich"

Die Teilnehmenden des Treffens der der Freisinger Bischofskonferenz und der Kirchenleitung der Landeskirche.

In ihrer Kritik an der Europäischen Flüchtlingspolitig einig: Die Teilnehmenden des Treffens der der Freisinger Bischofskonferenz und der Kirchenleitung der Landeskirche.

Bild: Erzbischöfliches Ordinariat München/Chwalczyk

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Erzbischof Kardinal Reinhard Marx haben die politisch Verantwortlichen zu sofortiger humanitärer Hilfe an der griechisch-türkischen Grenze aufgefordert.

Anstatt humanitäre Lösungen zu finden, bei denen alle Länder Europas Verantwortung übernehmen, hält man sich Männer, Frauen und Kinder, die Schutz suchen, mit Tränengas vom Leib. Es ist erbärmlich, was sich an der türkisch-griechischen Grenze derzeit abspielt“, sagte Bedford-Strohm bei einem Treffen der Freisinger Bischofskonferenz und der Kirchenleitung der Landeskirche in München.

„Es geht nicht um eine unkontrollierte Grenzöffnung, sondern darum, die konkrete Not nicht aus den Augen zu verlieren“, erklärte der Münchner Erzbischof Marx, der Vorsitzender der katholischen bayerischen Bischöfe ist. Bei dem Treffen zeigten sich die Bischöfe besorgt über die Politik des türkischen Präsidenten, der ein zynisches Spiel betreibe, indem er Menschen an die Grenze locke. Dennoch habe die Türkei, ein muslimisches Land, 3,7 Millionen Menschen aufgenommen. Dagegen sei es unverständlich, dass sich das christliche Europa weigere, 5.000 Kinder aufzunehmen.

Bornowski: "Das beschämt mich und macht mich wütend."

Auch weitere Vertreterinnen und Vertreter von Landeskirche und Diakonie kritisierten die europäische Flüchtlingspolitik. So sagte die Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin Gisela Bornowski zum Auftakt der Vesperkirche in Würzburg, die Freundlichkeit Gottes dürfe nicht an der den Grenzen Deutschlands oder Europas Halt machen. "Da müssen wir nach menschenfreundlichen Lösungen suchen, nach Möglichkeiten, Barmherzigkeit zu üben und zu helfen, wo Menschen in Not sind." Die Bereitschaft deutscher Städte, geflüchtete Kinder und Jugendliche aus griechischen Lagern aufzunehmen scheitere "an einer "rigorosen Abschottungspolitik, so Bornowski. "Das beschämt mich und macht mich wütend."

Bammessel: "Gibt es so wenig Barmherzigkeit?

"Menschenskind, was ist nur mit unserem Land los" fragt Michael Bammessel, der Präsident der Diakonie Bayern, in seinem Videoblog. Die Politiker trauten sich nicht, mehr als 1.500 Kinder aufzunehmen, weil sie fürchteten, dass die Stimmung im Land sonst ganz kippe. "Gibt es so wenig Barmherzigkeit in unserem Land?" fragte Bammessel. "Wir sind doch ein christliches Land, dachte ich immer."

Mission EineWelt: "Grenzsicherung darf nicht über Menschenrechte gehen"

Verschiedene kirchliche Verbände haben die Situation für Flüchtlinge an der türkisch-griechischen Grenze als menschliche Katastrophe bezeichnet und schnelle Hilfe für die Menschen gefordert. "Grenzsicherung darf nicht über Menschenrechte gehen", sagte die Direktorin des Partnerschaftszentrums der bayerischen evangelischen Landeskirche, "Mission EineWelt", Gabriele Hoerschelmann. Die rigide Abschottung der EU-Außengrenzen "widerspricht zutiefst unseren christlichen Werten und Überzeugungen". Es sei Eile geboten, erklärte Hoerschelmann. Die Menschen an der türkisch-griechischen Grenze und in den Aufnahmelagern in Griechenland lebten schon viel zu lange unter menschenunwürdigen Bedingungen.

Evangelische Jugend fordert Akuthilfe und sichere Fluchtwege nach Europa

Auch für die Evangelische Jugend Bayern (EJB) und den Bund der Deutschen Katholischen Jugend in Bayern (BDKJ Bayern) ist es nicht akzeptabel, dass Familien und allein reisende Jugendliche bei Kälte und Regen im Grenzgebiet ohne jegliche Perspektive auf eine Einreise nach Europa ausharren müssten. Paula Tiggemann, Vorsitzende der EJB, betonte, es sei nicht hinzunehmen, "dass die türkische Regierung das Leid von verzweifelten Menschen als diplomatisches Druckmittel benutzt".

Die beiden konfessionellen Jugendverbände aus Bayern fordern Akuthilfe und sichere Fluchtwege nach Europa. Die EU-Staaten müssten endlich über Kontingente sprechen und Menschen, darunter viele junge Flüchtlinge, aufnehmen. Es brauche entschiedenes Handeln der Mitgliedsstaaten, die sich den Menschenrechten verpflichtet fühlten. "Junge Menschen wollen ein Europa der Mitmenschlichkeit, Solidarität und Gerechtigkeit. Junge Menschen wollen kein Europa der Abschottung, der nationalistischen und rassistischen Propaganda", stellen die Vorsitzenden der Verbände fest.


10.03.2020 / ELKB/epd