Aktuell sind 600 Relpäds in der ELKB im aktiven Dienst, davon ca. 480 im Religionsunterricht an Grund-, Mittel-, Förder- und Berufsschulen
Bild: ELKB
Religionspädagogik
„Wir.bilden.mehr. als.Kirche“
Auf instagram erzählt die Religionspädagogin Sara Dippold, was sie an ihrem Beruf reizt: „Im Religionsunterricht kann ich einen Raum schaffen, in dem Kinder und Jugendliche zur Ruhe finden und in dem wir gemeinsam den Fragen des Lebens auf die Spur kommen, für die es im Schulalltag sonst keinen Ort gibt.“
Die Ausbildung zur Religionspädagogin, zum Religionspädagogen begann 1972 in zwei Studiengängen, seit 1981 nur noch in München und seit dem Umzug 1998 in Nürnberg an der Ev. Hochschule. Seither haben weit über 1500 junge Menschen das Studium abgeschlossen. Aktuell sind 600 Relpäds in der ELKB im aktiven Dienst, davon ca. 480 im Religionsunterricht an Grund-, Mittel-, Förder- und Berufsschulen. Wenn nötig auch an weiterführenden Schulen oder Fachschulen. Der andere Teil arbeitet in der kirchlichen Bildungsarbeit: Etwa in Bildungswerken, der Wirkstatt, dem RPZ, in Gemeinde- und Jugendarbeit, auf lokaler und regionaler Ebene, in Schulreferaten, in Krankenhaus- und Gefängnisseelsorge und in vielen weiteren Bereichen unserer Landeskirche.
Dieses Jubiläum nehmen die Relpäds als Anlass, auf ihre eigene bewegte Geschichte, auch im Miteinander der kirchlichen Berufsgruppen, zurückzublicken – dankbar, aber auch kritisch. Zur großen Jubiläumsfeier am 20. November sind darum auch alle eingeladen, die sich mit Relpäds verbunden wissen.
Der Tag steht unter dem Motto: „Wir.bilden.mehr.als.Kirche“ und beginnt mit einem Fortbildungsteil, der auf aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen in Kirche, Religion und Gesellschaft eingeht, dabei soll ebenso die Perspektive in die Zukunft bedacht werden. Am frühen Nachmittag findet ein großer Festakt statt, der auch auf die Geschichte dieser fünf Jahrzehnte eingeht und die Arbeit der Berufsgruppe würdigt. Dazu soll es eine kleine Ausstellung mit Bildern, Texten und Artefakten aus diesen 50 Jahren geben. Den Abschluss der Tages bildet ein festlich-kreativer Gottesdienst in der Reformations-Gedächtniskirche, unweit des ECN, der von einem Team vorbereitet wird und an dem auch Landesbischof Christian Kopp mitwirkt.
"Immer noch gibt es Interesse an dieser Aufgabe"
Interview mit Volker Linhard, Religionspädagoge seit über 30 Jahren an unterschiedlichen Schularten, meist Grund- und Mittelschule, sowie an Förderzentren.
Welche Berufe gibt es eigentlich, die Religionsunterricht ereilen?
Ich habe Religionspädagoginnen (wir selbst nennen uns Relpäds) im Praxisjahr und im Vorbereitungsdienst begleitet, junge Menschen im Vikariat für den Pfarrberuf, Katechetinnen und auch Lehramtsanwärterinnen im staatlichen Bereich.
Braucht man dazu eine besondere Qualifikation?
Neben reflektierter Berufserfahrung ist es sicher hilfreich. Viele meine Kolleg*innen haben Weiterbildungen etwa in den Bereichen Coaching, Klinik- oder Schulseelsorge, Biblioodrama oder geistliche Begleitung gemacht. Ich selbst habe vor 15 Jahren berufsbegleitend ein Masterstudium in der Erwachsenenbildung absolviert
Das heißt, Relpäds arbeiten nicht nur in der Schule?
Unser vierjähriges Studium an der Evangelischen Hochschule in Nürnberg und der zweijährige Vorbereitungsdienst sind in zwei Bereiche gesplittet: Religionspädagogik und Kirchliche Bildungsarbeit. Von daher arbeiten Kolleg*innen zum Beispiel in der Jugendarbeit, in Bildungswerken, in Seelsorge, in der Wirkstatt, leiten Schulreferate oder sind berufsgruppenübergreifend auf Pfarrstellen eingesetzt.
Aber jetzt zum 50-jährigen Jubiläum. Wie fing das ganze eigentlich an?
Es wurden Ende der 60er Jahre Fachhochschulen gegründet, sie sollten die akademische Landschaft um praxisorientierte Studiengänge erweitern. Im Jahr 1972 begann das Studium der Relpäds in Neuendetttelsau und in München. 1976 traten die ersten ihren Dienst an. Die Studiengänge wurden nach einigen Jahren in München zusammengelegt, es sollte auch in Südbayern eine evangelische Ausbildungsstätte geben. Als 1998 die Evangelische Hochschule in Nürnberg ins Leben gerufen wurde, war die Religionspädagogik neben der Sozialen Arbeit und den Pflegewissenschaften ein Gründungsmitglied.
Was bewegt junge Menschen heute noch, diesen Beruf zu ergreifen?
Die Studierendenzahlen haben sich leider auf einem niedrigen Niveau eingependelt, ähnlich wie beim Pfarramt. Aber immer noch gibt es Interesse an dieser Aufgabe. Auf instagram unter @religionspaedagogik_in_bayern erzählen Relpäds, was sie an diesem Beruf reizt. Da ist von Vielfalt der Aufgaben und großer Abwechslung die Rede, von Arbeit mit unterschiedlichen Zielgruppen, vom Nachdenken über Gott und die Welt, dem Umsetzen kreativer Ideen, von lebendigem Glauben oder vom Erzählen biblischer Geschichten. Es gibt unzählige Motivationen.
Was ist denn nun für das Jubiläum geplant?
Es wird am 20. November eine große Veranstaltung unter dem Motto „Wir.bilden.mehr.als.Kirche“ im neuen Evangelischen Campus Nürnberg geben: Am Vormittag Fortbildungsangebote zu aktuellen Entwicklungen in Bezug auf Religion und Gesellschaft und am Nachmittag einen Festakt mit Vertreter*innen von Staat und Kirche. Dabei soll in einer kleinen Ausstellung die Geschichte unseres Berufsbildes lebendig werden. Den Abschluss bildet ein festlicher Gottesdienst, an dem auch unser Landesbischof Christian Kopp mitwirkt. Und das alles wird mit viel Musik und kreativen Ideen aufgelockert sein.
19.05.2026
ELKB