Bundesweit nehme man derzeit wahr, dass die Nutzungszeiten bei Kitas zurückgehen.

Bundesweit nehme man derzeit wahr, dass die Nutzungszeiten bei Kitas zurückgehen.

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Evangelischer Kita-Verband

Warum Bayerns Kitas plötzlich freie Plätze haben

Jahrelang fehlten Kitaplätze, nun kämpfen manche Einrichtungen mit sinkender Auslastung. Der Evangelische Kita-Verband nennt hohe Beiträge, veränderte Arbeitsmodelle und verlorenes Vertrauen als Ursachen.

Nach Jahren der akuten Knappheit in der Kinderbetreuung entwickelt sich derzeit eine neue Tendenz: Immer wieder haben Kitas Probleme mit einer zu niedrigen Auslastung. "Das kommt überraschend häufig vor", sagte Christiane Münderlein, Vorständin beim Evangelischen Kita-Verband Bayern (evKITA), dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Ursachen dafür seien vielfältig und keineswegs trete diese Entwicklung überall auf. "Freie Plätze und gleichzeitig ungedeckte Betreuungsbedarfe können durchaus nebeneinander bestehen."

Bundesweit nehme man derzeit wahr, dass die Nutzungszeiten bei Kitas zurückgehen. Das sei allein mit den zurückgehenden Geburtenzahlen nicht zu begründen, sagte Münderlein. "Wir beobachten auch Veränderungen aufseiten der Familien." Die finanzielle Belastung spiele dabei durchaus eine Rolle. Hohe Elternbeiträge könnten dazu führen, dass Familien kürzere Betreuungszeiten wählen oder Betreuung stärker innerhalb der Familie organisieren. "Ob dies bereits in größerem Umfang dazu führt, dass Familien ganz auf einen Kitaplatz verzichten, können wir derzeit allerdings nicht belastbar sagen."

Daneben hätten sich Arbeitswelt und Lebensmodelle verändert. Homeoffice und flexiblere Arbeitszeiten ermöglichten manchen Familien kürzere Betreuungszeiten. Gleichzeitig führten wirtschaftliche Unsicherheit, Arbeitsplatzverlust oder reduzierte Erwerbszeiten dazu, dass Betreuungsbedarfe anders ausfallen können. "Auch eine gewisse Retraditionalisierung von Familien- und insbesondere Frauenbildern dürfte eine Rolle spielen - wobei wir auch hier mit vorschnellen Verallgemeinerungen vorsichtig wären", betonte die Vorständin des Verbands, der mehr als 1.500 Einrichtungen in Bayern zusammenschließt.

Ein weiterer Punkt werde aus Sicht Münderleins unterschätzt: Die Jahre des massiven Mangels an Plätzen und Fachkräften hätten bei einem Teil der Eltern Vertrauen gekostet. "Wenn Öffnungszeiten immer wieder eingeschränkt werden mussten, Gruppen kurzfristig geschlossen wurden oder Betreuung für Familien nicht verlässlich planbar war, suchen Eltern nach Alternativen oder organisieren ihre Erwerbsarbeit von vornherein anders." Solches Vertrauen lasse sich nicht automatisch wiederherstellen, nur weil inzwischen mehr Plätze verfügbar sind.

Die evKITA-Vorständin warnte davor, auf sinkende Auslastung vorschnell mit Platzabbau und Personalreduzierungen zu reagieren. Vielmehr eröffne sich nach Jahren des Mangels eine Chance, in die Qualität zu investieren, wie in verlässlichere Öffnungszeiten, bessere Fachkraft-Kind-Relationen oder mehr Zeit für Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf.

Wie sich die bayerische Kita-Reform auswirken wird, könne man bislang nicht einschätzen. Statt Familien- und Krippengeld sowie dem Beitragszuschuss von 100 Euro für Kindergartenkinder soll die staatliche Förderung direkt den Kitas zugutekommen. "Das kann dazu beitragen, den Druck auf die Elternbeiträge zu begrenzen", so Münderlein. Wie sich die Beiträge im Einzelfall entwickeln, hänge jedoch von der Kostenentwicklung, der konkreten Einrichtungsstruktur und den Leistungen der jeweiligen Kommune ab.

27.08.2026
epd

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