In Kommunen und Landkreisen in ganz Bayern gestalten engagierte Kooperationspartner ein vielfältiges Programm für Menschen jeden Alters.
Bild: BVV
Lange Nacht der Demokratie
Von Parcours bis Orgelmusik
Am 2. Oktober findet in Bayern zum fünften Mal die Lange Nacht der Demokratie statt – und das Interesse wächst deutlich: Mehr als 60 Kommunen beteiligen sich in diesem Jahr, fast doppelt so viele wie vor zwei Jahren mit 35 Kommunen, wie der Bayerische Volkshochschulverband (BVV) mitteilt. Am Vorabend des Tags der Deutschen Einheit sollen demokratische Werte in vielfältigen Formaten erlebbar werden: in Gesprächen, Diskussionen, Kulturveranstaltungen und Mitmachaktionen, bei denen sich zahlreiche Einrichtungen einbringen. Der BVV leitet die Lange Nacht in diesem Jahr, Schirmherrin ist die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU).
"In einer Demokratie zu leben, ist keine Selbstverständlichkeit", betont der BVV – sie zu bewahren sei eine Aufgabe für alle. Ziel der Langen Nacht ist es, Demokratie von einer abstrakten Regierungsform zu einer konkreten, erlebbaren Idee werden zu lassen. Häufige Themen bei den Veranstaltungen sind Desinformation und Faktenchecks sowie Gesprächsführung und Diskussionskultur. Angesprochen werden dabei sowohl Kinder und Jugendliche als auch Erwachsene.
Auch die bayerische Landeskirche ist mit dabei: Landesbischof Christian Kopp nimmt am 2. Oktober um 19 Uhr in der Kirche Zum Guten Hirten in Altötting (Eichendorffstr. 2) an einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Langen Nacht der Demokratie teil. Gemeinsam mit Prof. Dr. Behrens, Holger Gottschalk und Rana Husein aus der 13. Klasse des Karlmann-Gymnasiums Altötting diskutiert er über Demokratie und ihre Bedeutung im Alltag.
Die BVV-Website listet die teilnehmenden Kommunen aus allen Regierungsbezirken auf – von Aichach-Friedberg bis zum Würmtal. Im Münchner Olympiadorf etwa vermittelt die Journalistin Margarete Moulin im Vortrag "Nie wieder sprachlos" das Handwerkszeug für konstruktive Debatten. Im Bildungszentrum "Einstein 28" geht der Jurist Georg M. Oswald der Frage nach, was der Verfassungsgrundsatz "Die Würde des Menschen ist unantastbar" heute bedeutet.
In Nürnberg schlüpfen die Teilnehmenden beim Wettbewerb "INXIT-EU – Ready für die EU?" im ehemaligen Kaufhof-Gebäude in die Rolle eines fiktiven Landes, das der EU beitreten möchte. Im dortigen Bildungszentrum lässt sich zudem die Methode "Betzavta" (hebräisch für Miteinander) ausprobieren, die Demokratie als gelebte Gemeinschaft begreift. Im Haus Eckstein zeigt die philippinische Menschenrechtlerin Jonnah Morado, wie ihre Organisation IDEALS mithilfe von Künstlicher Intelligenz Desinformation entgegenwirkt.
Im Augsburger Rathaus erwartet die Besuchenden ein Programm mit rund 40 Angeboten – darunter gemeinsames Singen, ein Streitgespräch über die Zukunft der Städte und ein Poetry-Slam. Hinzu kommen rund ein Dutzend Speedvorträge, etwa zum Thema "Was hat Minecraft mit Demokratie zu tun?", sowie Mitmachaktionen wie ein Escape Game.
In Regensburg verwandelt sich das Thon-Dittmer-Palais unter dem Motto "DEMOCRAZY" in einen Erlebnispark der Demokratie: Per Quiz können die Besuchenden herausfinden, welcher Demokratietyp sie sind, und erhalten passend dazu eine Routenempfehlung durch Aktionen, Gespräche, Spiele und Filme.
Nicht nur in Großstädten ist viel geboten – auch kleinere Gemeinden planen teils umfangreiche Programme. So veranstaltet Marktheidenfeld (Kreis Main-Spessart) einen Demokratieparcours, einen Vortrag über Hannah Arendt und ein Bilderbuchkino. In der Laurentiuskirche gibt es zudem eine Plakataktion zu Bibel und Grundgesetz sowie Orgelmusik mit Demokratieliedern.
Seit 2018 ist die Lange Nacht der Demokratie, die im Zweijahresrhythmus unter dem Dach der Stiftung Wertebündnis Bayern stattfindet, als bayernweites Projekt etabliert. In den vergangenen beiden Jahren wurde sie erstmals auch in anderen Bundesländern durchgeführt. In diesem Jahr sind neben Bayern auch Baden-Württemberg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen mit dabei.
30.09.2026
epd