Gruppenfoto vor dem Festgottesdienst

Mit einem großen Festgottesdienst mit vielen Beteiligten feierte die Augustana-Hochschule ihr 75-jähriges Bestehen

Bild: Weitz/Wagner

75 Jahre Augustana-Hochschule

Ein "Kraftort der Landeskirche"

Mit Festakt, Ball und Festgottesdienst hat die Augustana-Hochschule Neuendettelsau ihr 75jähriges Jubiläum gefeiert.

Beim Festakt am Freitagabend gratulierte Oberkirchenrat Stefan Reimers der Hochschule zu ihrem Geburtstag und dankte für die hervorragende Zusammenarbeit. Die Augustana sei ein „Kraftort der Landeskirche“, an dem „mitten in der Krise“ Neues entstehe. Peter Dabrock, Sprecher des Fachbereichs Evangelische Theologie der FAU Erlangen-Nürnberg, schloss sich den Glückwünschen an. Forschung und Lehre an der Augustana seien von Teamspirit und gemeinschaftlichem Leben geprägt. Dabrock lud zu weiterer und engerer Zusammenarbeit ein.

Augustana-Hochschule

Bild: Augustana

Bild: Augustana

Die Augustana-Hochschule (im Bild: Bibliothek)  wurde am 10. Dezember 1947 eröffnet, zunächst in Räumen der Diakonie Neuendettelsau und des ehemaligen Zisterzienserklosters Heilsbronn. Ab 1955 zog die Hochschule auf das Gelände der ehemaligen Munitionsfabrik der Wehrmacht, der „Muna“. Der Gründungsrektor Georg Merz wollte eine wissenschaftlich-theologische Ausbildung in Unabhängigkeit von staatlichen Stellen und im Kontext von Gottesdienst, Diakonie und Mission. Wichtig war ihm die geistliche und akademische Lebensgemeinschaft von Studierenden und Dozierenden.
Die Augustana-Hochschule ist eine der beiden verbliebenen Kirchlichen Hochschulen in Deutschland (neben der KiHo Wuppertal). Das Kollegium besteht aus 8 Professor*innen und 11 weiteren Dozierenden. Zum Wintersemester waren 138 Studierende immatrikuliert.

Mehr

Weniger

Wolfgang Huber: Die Krise der Kirche ist eine "Resonanzkrise"   

Der ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber erinnerte in seinem Festvortrag daran, dass die Augustana als Antwort auf eine Krise, den Nationalsozialismus und den damit verbundenen Missbrauch von Glaube und Religion, entstanden sei. Die die Kirchen momentan beschäftigenden Krisen seien keine Frage der Systemrelevanz und auch nicht allein eine Folge der Säkularisierung, sondern eine „Resonanzkrise“ und damit verbunden eine Vertrauenskrise. Enttäuschungen müssten aufgearbeitet werden. Statt Resignation sei Innovation gefragt, um auf das Auseinanderdriften der gesellschaftlichen Gruppen zu reagieren. Im Mittelpunkt der Reformbestrebungen müsse der Gottesdienst stehen, da hier nicht nur die „bewirkende“, sondern insbesondere die „bezeugende Kirche“ deutlich werde. Der Samstagabend stand ganz im Zeichen des studentisch organisierten Augustana-Balls. Dem Motto „Es war einmal…“ angemessen waren die Vorlesungsräume zu märchenhaften Festsälen umgestaltet worden.

Am Festgottesdienst in St Laurentius am 2. Adventssonntag nahmen auch internationale Gäste aus den Partnerhochschulen teil.In seiner Predigt über das 2. Kapitel des Hohenliedes betonte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, angesichts der Bedrohungen unserer Zeit sei die darin gepriesene Lust am Leben ein hoffnungsvoller und adventlicher Impuls für die „Arbeit für eine bessere Welt“. Neuendettelsau sei ein idealer Ort für die zur Bewältigung der Herausforderungen dringend nötige Bildung. Hier würden junge Menschen in einer Atmosphäre der tätigen Nächstenliebe und eines universalen Horizonts für den Pfarrberuf ausgebildet. Durch die Nähe zu Diakonie und Mission EineWelt sei ein akademischer Elfenbeinturm keine Option. Die „lebenszugewandten Worte“ des Hohenliedes seien eine Quelle der Kraft und der Hoffnung.

Neuer Rektor eingeführt

In dem Gottesdienst führte Oberkirchenrat Stefan Reimers den neuen Rektor der Hochschule, Christoph Asmuth, in sein Amt ein. Die Besetzung des Rektorenamtes durch einen Professor für Philosophie sei Symbol der Interdisziplinarität auch über die Theologie hinaus, die für heutige Theologie lebenswichtig sei.

Gleichzeitig fand in Kooperation mit Mission EineWelt eine internationale Konsultation zum Thema „Theologie Interkulturell. Zur Zukunft akademischer Theologie an kirchlichen Hochschulen“ statt. Zudem wurde die Jubiläumsfestschrift „Theologische Aufbrüche. Perspektiven für Theologie und Kirche im 21. Jahrhundert“ vorgestellt. In aller Fragmentarität – so die Herausgeber – werde hier an der notwendigen Verständigung von Theologie und Kirche gearbeitet.

07.12.2022
Janning Hoenen /ELKB