Pressemitteilung vom 14.09.2026
„Demokratie lebt vom Mitmachen und Zuhören“
Zum Internationalen Tag der Demokratie am Dienstag, 15. September 2026, ruft Christian Kopp, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB), dazu auf, den Blick nicht nur auf die Gefährdungen der Demokratie zu richten, sondern auch auf das, was sie stark macht: Menschen, die Verantwortung übernehmen, sich einbringen, zuhören und das gesellschaftliche Miteinander gestalten.
„Demokratie lebt vom Mitmachen und Zuhören. Sie lebt davon, dass alle eine Stimme haben und gehört werden. Und sie lebt von Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen – in politischen Ämtern genauso wie im Alltag, in der Familie, in der Nachbarschaft, im Verein und in der Kirche“, sagt Kopp.
Angesichts eines wachsenden Vertrauensverlusts in demokratische Institutionen und zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung sei es wichtig, auch die Geschichten gelingenden Miteinanders zu erzählen. „Demokratie ist oft mühsam. Sie verlangt Gespräche, Kompromisse und die Bereitschaft, andere Positionen auszuhalten. Nicht jeder kann alles bekommen, damit alle etwas bekommen. Genau darin liegt ihre Stärke: Es geht nur gemeinsam“, so der Landesbischof.
Freiheit ist Geschenk und Verantwortung
Für Christinnen und Christen hat das Engagement für die Demokratie nach Ansicht Kopps seinen Grund im Glauben. „Gott schenkt jedem Menschen Freiheit. Wir haben diese Verantwortung diese Freiheit so zu gestalten, dass sie auch für alle zur Geltung kommt“, sagt Kopp.
Diese Verantwortung kann man nicht delegieren, betont Kopp: „Demokratie, das sind wir alle. Deshalb kann keiner sagen: Was ich mache, bewirkt sowieso nichts. Jede und jeder kann etwas beitragen.”
Dazu brauche unsere Freiheit aber einen schützenden Rahmen: „Die unverlierbare Würde jedes Menschen, die Gleichheit und Teilhabe aller und den Respekt vor der Freiheit des anderen.“ Wo Menschen ausgegrenzt werden oder ihnen gesellschaftliche Teilhabe verwehrt wird, sei deshalb nicht allein ihre Freiheit betroffen. „Wo dieser Freiraum Menschen genommen wird, ist er für alle bedroht. Demokratie schützt die Freiheit nicht nur der Mehrheit, sondern gerade auch derjenigen, die Schutz brauchen.“
Demokratie braucht Orte der Begegnung
Demokratische Kultur entsteht für Kopp nicht allein in Parlamenten und Rathäusern. Sie wächst überall dort, wo Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Überzeugungen und Lebensgeschichten zusammenkommen, miteinander sprechen und Verantwortung füreinander übernehmen.
Die ELKB schafft dafür an vielen Orten in Bayern Räume. In rund 1.500 Kirchengemeinden kommen Menschen unterschiedlicher Generationen und Lebenssituationen zusammen. Ihre Kirchenvorstände werden von den
Gemeindegliedern gewählt und gestalten und verantworten das Gemeindeleben vor Ort. „Kirchen und Gemeindezentren sind Orte, an denen Menschen einander begegnen können, die sich sonst vielleicht nie treffen würden. Hier können wir zuhören, widersprechen, miteinander ringen und trotzdem miteinander verbunden bleiben“, sagt Kopp. „Solche Räume brauchen wir in einer Demokratie.“
In rund 1.430 evangelischen und diakonischen Kindertageseinrichtungen wachsen mehr als 100.000 Kinder unterschiedlicher Herkunft und Kultur gemeinsam auf. Dort erfahren sie von klein auf, dass Unterschiede zum Zusammenleben gehören, dass die eigene Stimme zählt und dass es darauf ankommt, auch anderen zuzuhören und sie zu respektieren.
Auch der evangelische Religionsunterricht erreicht in Bayern mehr als 300.000 Schülerinnen und Schüler. Er schafft Raum für Fragen nach Werten, Verantwortung und dem Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft. Schülerinnen und Schüler lernen, eigene Überzeugungen zu entwickeln, andere Perspektiven wahrzunehmen und über unterschiedliche Positionen ins Gespräch zu kommen.
Rund 152.000 Menschen engagieren sich ehrenamtlich in Kirchengemeinden und gemeindlicher Diakonie. Sie übernehmen Verantwortung für andere und tragen dazu bei, dass Gemeinschaft und Zusammenhalt vor Ort entstehen. Damit leben sie etwas, worauf die Demokratie angewiesen ist: die Erfahrung, dass das eigene Handeln zählt und gemeinsames Handeln etwas bewirken kann.
Manchmal brauchen Menschen jemanden, der ihnen im Alltag beisteht und den Rücken stärkt. Rund 200.000 Mal im Jahr finden Menschen in Bayern bei der von evangelischer und katholischer Kirche getragenen TelefonSeelsorge ein offenes Ohr. Auch so werden sie gestärkt, ihre eigene Stimme in das Gespräch der Demokratie einzubringen.
„Schützen wir den Freiraum, den Demokratie uns gibt“
Der Landesbischof warnt zugleich vor politischen Heilsversprechen und vermeintlich einfachen Antworten auf komplexe gesellschaftliche Herausforderungen. Demokratie bedeute häufig kleinteilige und mühsame Aushandlung. Gerade dadurch ermögliche sie aber, unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse zu berücksichtigen.
„Bleiben wir im Gespräch, auch wenn die Meinungen weit auseinandergehen. Setzen wir uns für diejenigen ein, die zu oft überhört werden. Stellen wir das gemeinsame Wohl in den Mittelpunkt und verhindern wir, dass soziale Schichten und Milieus immer weiter auseinanderdriften“, appelliert Kopp.
Der Internationale Tag der Demokratie sei deshalb auch eine Einladung, im eigenen Umfeld nach Möglichkeiten zum Engagement zu suchen. „Überall in Bayern gibt es Orte, an denen Menschen sich einbringen und Freiheit, Menschenwürde, Gleichheit, Teilhabe und sozialen Ausgleich verantwortlich leben können. Demokratie ist nichts, was andere für uns erledigen. Sie lebt davon, dass wir sie gemeinsam gestalten.“
14.09.2026
München, Christine Büttner, Pressesprecherin