Solidarität mit jüdischen MitbürgerInnen

Menschenketten und Gebete

Menschenkette in München

Kein Raum für Antisemitismus: Etwa 2000 Menschen waren in München dem Aufruf des Bündnisses für Toleranz und von Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler gefolgt und bildeten eine Menschenkette rund um die Ohel-Jakob-Synagoge

Bild: ELKB

Mit Menschenketten um Synagogen haben Christen in München, Nürnberg und andernorts ihre Betroffenheit über den Anschlag in Halle und Solidarität zu jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern gezeigt.

In München waren laut Schätzung der Polizei  etwa 2.000 Menschen dem Aufruf des Bündnisses für Toleranz und von Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler gefolgt, mit einer Menschenkette einen symbolischen Schutz um die jüdische Gemeinde zu bilden, die ihren Sabbatgottesdienst in der Ohel-Jakob-Synagoge feierte. Auch Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Landtagspräsidentin Ilse Aigner, der bayerische Justizminister Georg Eisenreich sowie Vertreterinnen anderer Konfessionen nahmen daran teil.

In Nürnberg waren etwa 1.200 Menschen zu einer Kundgebung an der Synagoge der israelitischen Kultusgemeinde gekommen, zu der die Allianz gegen Rechtsextremismus der Metropolregion Nürnberg zusammen mit der Bürgerinitiative für Menschenrechte Mittelfranken aufgerufen hatte. Der Vorsitzende des Rats der Religionen Nürnberg, Stadtdekan Jürgen Körnlein und Regionalbischof Stefan Ark Nitsche beteilgten sich ebenso wie Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und der Nürnberger Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly. Auch in Straubing und Würzburg fanden Menschenketten statt, weitere waren für Bayreuth, Ansbach und Hof geplant.

Zitat

Wir fühlen uns tief verbunden mit unseren jüdischen Schwestern und Brüdern. Aber das ist heute nicht nur eine Gefühlsäußerung. Es ist verbunden mit der Verpflichtung: Wir werden in unserem Alltag aktiv für die Menschenwürde eintreten und überall Kontra geben, wo ganze Menschengruppen wegen ihrer Herkunft, wegen ihrer Hautfarbe oder wegen ihrer Religionszugehörigkeit abgewertet werden. Wir werden die zur Rede stellen, die Rechtsradikalen Deckung geben, auch dann, wenn sie selbst nicht so denken."

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Dass so viele Menschen auf den Jakobsplatz gekommen seien, gebe Hoffnung, betonte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in München. "Wir spüren es heute abend: Juden, Christen, Muslime, Humanisten und Menschen anderer Überzeugungen stehen zusammen in dem Ziel, eine Gesellschaft zu schaffen, in der jeder Mensch in Würde leben kann, in der Menschen ihren Glauben und ihre Überzeugungen frei leben und keine Angst vor Gewalt haben müssen." Der Ausdruck der Trauer und des Erschreckens sei verbunden mit der Selbstverpflichtung, aktiv für Menschenwürde einzutreten und rechtsradikaen Ideen keine Deckung zu geben.  Parteien, die solche Ideen in ihren Reihen duldeten, disqualifizierten sich im demokratischen Diskurs."Wir werden nie zuschauen, wenn solche Einstellungen in unserem Land salonfähig werden." Er danke Gott für das jüdische Leben in Deutschland, so der Landesbischof.

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Es sei kein freudiger Anlass, begüßte die ständige Vetreterin des Landesbischofs, Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler die Anwesenden. "Aber einer, der zeigt, dass Betroffenheitslyrik nicht ausreicht."  Es sei eine Schande, sich sorgen zu müssen, weil jemand in der Öffentlichkeit hebräisch spreche, eine Kippa trage oder nicht in arabischen Airlines fliegen dürfe weil er oder sie Jude oder Jüdin sei, so Breit-Keßler. Mit Zorn erinnerte die Regionalischöfin daran, dass Taten wie die in Halle viel früher anfingen: Hass und Gewalt hätten ihren Ursprung in verbalen Eskalationen in den "vermeintlich sozialen Medien" und in giftigen Worten bei Parlamentsdebatten. "Das ist doch nicht neu - wer will davon wirklich überrascht sein? Schluß damit. Sofort."

 

Zitat

Wenn wir uns sorgen müssen, weil jemand in der Öffentlichkeit hebräisch oder jiddisch spricht, eine Kippa trägt, wenn ... Rapper völlig ungestört ihren brutalen antisemitischen Nonsens öffentlich verbreiten können .... Wenn wir Gottesdienste und Gemeindeleben unserer jüdischen Freunde täglich schützen müssen, dann ist das kein Alarmzeichen. Es ist kein Armutszeugnis. Es ist Schande für unsere Gesellschaft. Und es ist Zeichen für einen vitalen Rechtsterrorismus."

Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler

Die Regionalbischöfin forderte die Anwesenden dazu auf, sichtbar zu machen, wer in der Gesellschaft bedroht sei. "Schicken wir unsere Kinder in jüdische Kindergärten und Schulen. Gehen wir geschlossen am Sabbat als Gäste in den Gottesdienst. Feiern wir mit an Rosch Ha-Schana, ja, an Jom Kippur, Sukkot, Pessach Schawuot.Teilen wir Trauer und Festfreude persönlich und konkret. Seien wir da wie heute."

"Nicht nur Betroffenheitslyrik" - Eindrücke von der Kundgebung auf dem Münchner Jakobsplatz. Video: ELKB Kirche digital


12.10.2019 / ELKB