Pressemitteilung vom 21.05.2026

Evangelischer Buchpreis für "Schwebende Lasten"

„Trotz eines schweren Lebens verliert Hanna Krause nicht ihre Menschlichkeit“ - Evangelisches Literaturportal zeichnete Autorin Annett Gröschner bei Preisverleihung in Nürnberg aus

Der Evangelische Buchpreis 2026 ging gestern Abend an die Schriftstellerin Annett Gröschner für ihren Roman Schwebende Lasten. Die Preisverleihung fand im Heilig-Geist-Saal in Nürnberg statt. Mit der Auszeichnung würdigte das Evangelisches Literaturportal e.V. ein Werk, das „in besonderer Weise dazu anregt, über sich selbst, das Miteinander und das Leben nachzudenken“.

Im Mittelpunkt des Romans steht Hanna Krause – Blumenbinderin, Kranfahrerin und Zeitzeugin eines deutschen Jahrhunderts. Krieg, Verlust, politische Umbrüche und persönliche Hoffnungen verdichten sich in ihrem Leben zu einer eindrücklichen literarischen Erzählung über Würde und Menschlichkeit.

Kopp: „Literatur stärkt Empathie in Zeiten der Polarisierung“

Christian Kopp, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB), betonte in seiner Begrüßung die gesellschaftliche Bedeutung von Literatur. Bücher wie Schwebende Lasten eröffneten Erfahrungsräume und machten Lebensgeschichten sichtbar, die sonst leicht übersehen würden. Literatur stärke „Empathie in Zeiten der Polarisierung“ und bewahre Erinnerungen, „die sonst verloren gingen“. Besonders beeindruckt habe ihn an Gröschners Roman „die Feinheit dieses Buches“ – das Gespür für Blumen, Farben und die Schönheit kleiner Dinge mitten in einem oft schweren Leben. „Hanna Krause erlebe Schönes und Schlimmes, wie viele Menschen in unserem Land im vergangenen Jahrhundert. „Und doch verliert sie nicht ihre Menschlichkeit“, sagte Kopp.

Landesbischof der Evangelischen Kirche in Württemberg und Vorsitzender des Evangelischen Literaturportals e.V. Ernst-Wilhelm Gohl übergab den Preis an Annett Gröschner und würdigte dabei besonders die genaue Beobachtung eines einfachen Lebens im Roman. Gröschner gelinge es, „das Kleine und Alltägliche im Großen aufleuchten“ zu lassen. Eindrucksvoll verbinde sie persönliches Schicksal und deutsche Geschichte. Mit Schwebende Lasten habe die Autorin den Leserinnen und Lesern „ein großes Geschenk gemacht“.


Gottschalk: „Schwebende Lasten macht ein gewöhnliches Leben unvergesslich“

In ihrer Laudatio beschrieb Katrin Gottschalk, Chefredakteurin der taz, eindrücklich, wie sehr ihr die Hauptfigur Hanna Krause beim Lesen ans Herz gewachsen sei. Der Roman erzähle „ohne große Gesten, ohne Pathos“ und vertraue ganz auf die Würde eines unscheinbaren Lebens.
„Dieses Buch macht ein gewöhnliches Leben unvergesslich – und das ist große Literatur“, sagte Gottschalk. Gerade in der Aufmerksamkeit für das Alltägliche liege die besondere Stärke des Romans. Schwebende Lasten erzähle nicht Geschichte als abstrakte politische Entwicklung, sondern als gelebtes Leben.


Gröschner: „Die Kirche kann ein Hafen sein“

In ihrer Dankesrede sprach Annett Gröschner über ihre persönliche Beziehung zur Kirche und die biografischen Spuren religiöser Orte in ihrem Leben. Es sei für sie zunächst „paradox“ gewesen, den Evangelischen Buchpreis zu erhalten – ihre Romanfigur Hanna habe sich von der Kirche abgewandt, sie selbst sei nicht getauft. Zugleich erinnerte Gröschner an ihre Kindheit in Magdeburg, an die Johanniskirche und an die Erfahrungen ihrer Mutter während der Bombardierung der Stadt.
Kirchen seien für sie immer auch Orte gesellschaftlicher Verantwortung gewesen – etwa beim Kirchenasyl oder während der Friedlichen Revolution in der DDR. „Die Kirche war nie ein sicherer Hafen, aber sie kann ein Hafen sein“, sagte Gröschner.

Der Evangelische Buchpreis wird seit 1979 vergeben. Die vorgeschlagenen Titel stammen nicht von Verlagen oder Autorinnen und Autoren, sondern von Leserinnen und Lesern. Ausgezeichnet werden Bücher, die dazu anregen, „über uns selbst, unser Miteinander und unser Leben mit Gott neu nachzudenken“.

21.05.2026
Nürnberg, Christine Büttner, Pressesprecherin

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