Heute ist Bonhoeffer für viele Kirchen und soziale Bewegungen eine Integrationsfigur.

Heute ist Bonhoeffer für viele Kirchen und soziale Bewegungen eine Integrationsfigur.

Bild: ELKB

120. Geburtstag von Dietrich Bonhoeffer

„Von guten Mächten wunderbar geborgen“

Das Jahr 2026 steht im Zeichen eines besonderen Jubiläums: Vor 120 Jahren wurde Dietrich Bonhoeffer geboren – ein Theologe, der weit über die Grenzen kirchlicher Räume hinaus zu einer moralischen Instanz geworden ist.

Am frühen Morgen des 9. April 1945 ist der Arresthof des Konzentrationslagers Flossenbürg durch Scheinwerfer schon hell erleuchtet. Aufseher führen sieben Nazi-Gegner aus ihren Zellen. Unter ihnen ist auch ein Pastor: Dietrich Bonhoeffer (1906-1945). Die Gefangenen hören, was ein NS-Standgericht in der Nacht beschlossen hat: Tod durch den Strang wegen Hochverrats. Adolf Hitler selbst hatte die Hinrichtung angeordnet. Bonhoeffer kann noch kurz beten. Dann muss er seine Kleider ablegen und die Richtstätte besteigen. „Ich sterbe als stummer Zeuge Christi unter seinen Brüdern“, lautet sein letzter geschriebener Satz.

Bonhoeffer wurde nur 39 Jahre alt. Und doch hat kaum ein evangelischer Theologe des 20. Jahrhunderts so tief in Kirche und Gesellschaft hineingewirkt wie er. Straßen und Plätze, Schulen und Kirchen tragen seinen Namen, Kino-Filme erzählen seine Geschichte. Bonhoeffers leidenschaftlicher Protest gegen die Nationalsozialisten, seine aktive Rolle im Widerstand gegen Hitler, seine Bücher und sein Märtyrertod vor 81 Jahren finden weit über die deutschen Grenzen hinaus Beachtung.

Sein Denken, sein mutiger Widerstand gegen den Nationalsozialismus und seine spirituelle Tiefe inspirieren bis heute Christ:innen und engagierte Menschen weltweit. Zum Jubiläum sind zahlreiche Veranstaltungen geplant, die unterschiedliche Facetten seines Lebens und Wirkens beleuchten.

Rund um den 4. Februar 2026, Bonhoeffers Geburtstag, eröffnen mehrere Gedenk- und Bildungsorte Ihre Räume für das Erinnern.

  • In Berlin wird an der Bötzowstraße eine öffentliche Gedenkfeier stattfinden, bei der Anwohnerinnen und Anwohner zusammenkommen, um gemeinsam Blumen niederzulegen und an den mutigen Vertreter der Bekennenden Kirche zu erinnern. Gleichzeitig lädt die Kirchengemeinde zu einer Zoom-Veranstaltung ein, die Bonhoeffers Wirkungszeiten in Barcelona und London in den Mittelpunkt stellt – eine Phase, in der er ökumenisch vernetzt arbeitete und bereits theologisch und politisch klare Positionen entwickelte.
  • In der KZ‑Gedenkstätte Flossenbürg, dem Ort seiner Ermordung im April 1945, wird eine szenische Lesung angeboten, die Bonhoeffers letzte Tage literarisch aufgreift und in eine fiktive nächtliche Begegnung mit Josef Müller übersetzt. Diese Inszenierung regt dazu an, ethische Orientierung, Schuld, Verantwortung und Zivilcourage neu zu bedenken – Themen, die Bonhoeffer selbst existenziell durchbuchstabiert hat.
  • Die Wanderausstellung "Dietrich Bonhoeffer - Leben und Werk" wird an verschiedenen Orten in Deutschland gezeigt. So etwa im Annahof in Augsburg.

2026 wird zu einem Jahr, in dem Bonhoeffers Fragen und Visionen neu lebendig werden: Was bedeutet Widerstand heute? Wie verbindet sich Glauben mit politischer Verantwortung? Und was heißt es, in unsicheren Zeiten angstfrei und hoffnungsvoll zu leben? Die Veranstaltungen zum 120. Geburtstag laden dazu ein, diesen Fragen nachzugehen und Bonhoeffers Erbe als lebendige Herausforderung für Gegenwart und Zukunft zu verstehen.

03.02.2026
Rieke Harmsen/epd