Kirche und Sport

Mit Sport Werte vermitteln

Das Bild zeigt zwei junge Frauen, die gemeinsam auf einem Fußballfest Fußball spielen.

Im Sport sollte keine ausgegrenzt werden - beim Fußballfest "Bunt ist cool" der Evangelischen Jugend ist Vielfalt Programm.

Bild: Wolfgang Noack

Zwei Bereiche: Kirche und Sport. Viele würden sagen: Unterschiedlicher geht es kaum. Was wenige wissen: In der Kirche existiert ein Arbeitskreis, der sich mit diesem Themengebiet auseinander setzt.

Wenn man an Kirche denkt, hat man Begriffe wie Bibel, Verkündigung und Gottesdienst vor Augen Mit dem Sport aber verbinden sie wahrscheinlich die wenigsten. Gibt es überhaupt einen Berührpunkt zwischen den beiden Bereichen, die in der Vorstellung eines Großteils der Bevölkerung scheinbar nicht unterschiedlicher sein könnten? Pfarrer Martin Voß würde diese Fragen mit einem deutlichen „ja“ beantworten. Voß ist nämlich neben seiner Pfarrstelle in Bad Wiessee zurzeit „Sportpfarrer“ der Landeskirche. Bayern-evangelisch.de hat Martin Voß nach den Aufgaben eines Sportpfarrers gefragt.

Her Voß, Sie sind seit Mai 2014 kommissarischer bayerischer Sportpfarrer und sind somit das „Bindungsstück“ zwischen der Kirche und dem Sport. Vielen Personen ist das Amt des Sportpfarrers noch ein unbekanntes Terrain.
Martin Voß: Das Arbeitsfeld Kirche und Sport gibt es in Bayern auf der ökumenischen Ebene ziemlich exakt seit der Olympiade 1972 in München. Dort hat sich der damalige katholische Pfarrer Heinz Summerer um das Olympische Dorf gekümmert. Aus dieser Arbeit heraus hat sich der Arbeitskreis Kirche und Sport in beiden Kirchen entwickelt. Inzwischen gab es bisher drei Pfarrer, die die halbe Stelle des Sportpfarrers bekleidet haben. Dies war in Bayern zuerst etwas Besonderes, dass man diese Arbeit mit einer halben Pfarrstelle ausführt, denn in den meisten anderen Landeskirchen ist dies ein Ehrenamt.

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Was macht ein Sportpfarrer eigentlich genau?
Martin Voß: „ Man muss unterscheiden. Es gibt eine Praktische Ebene, für die der Sportreferent der Evangelischen Jugend zuständig ist. Bei dieser Arbeit werden Veranstaltungen geplant und durchgeführt, wie zum Beispiel der „Konfi-Cup“ und „Bunt ist Cool“. Ich als Sportspfarrer nehme eher eine Sprecherrolle bzw. eine politische Rolle wahr und halte Kontakt zu verschiedenen Arbeitskreisen. Außerdem stehe ich im Kontakt zum Bayerischen Landessportsverband: Dieser hat einen eigenen Unterausschuss, der sich um den Bereich Kirche und Sport kümmert.

Können Sie etwas zu den Sportveranstaltungen „Konfi-Cup“, „Bunt ist Cool“ und anderen, von der Kirche geförderten Sportveranstaltungen erzählen?
Martin Voß: Beim Konfi-Cup und bei Bunt ist Cool steht der Fußball im Vordergrund. Der Konfi-Cup ist flächendeckend in Bayern und wird auch in ganz Deutschland ausgespielt. Aktuelle Konfi- Jahrgänge treten auf Dekanats- und Kirchenkreisebene gegeneinander an. Die Gewinner dieser Turniere werden zu einem bayernweiten Turnier eingeladen. Mittlerweile gibt es auch ein deutschlandweiten Konfi-Cup. Bunt ist cool ist ein Wettkampf, der ein Zeichen gegen Rassismus setzen will und die Integration fördern soll. „Sportissimo“, eine weitere Veranstaltung, kann man sich wie eine kleine Olympiade vorstellen, bei der verschiedene Sportarten ausgetragen werden, und bei der Menschen mit Behinderung teilnehmen. Alle diese Veranstaltungen sollen Werte Vermitteln. Bei Bunt ist cool steht die Integration und der Anti-Rassismus im Vordergrund. Bei Sportissimo soll die Inklusion von körperlichen und geistig benachteiligten Menschen gefördert werden.

Arbeiten sie auch mit anderen bayerischen bzw. nationalen Sporteinrichtungen zusammen?
Martin Voß: Im Bayrischen Sportverband sind fast alle anderen Sportverbände Mitglied bzw. subsumiert. Letztens hatte ich mit meinem katholischen Sportpfarrer- Kollegen eine Andacht beim Verbandsausschuss des BLSV, wo auch alle anderen Sportverbände eingeladen waren. Man hat also auch noch Kontakt zu anderen einzelnen Verbänden. In der Regel läuft aber der Kontakt über den Bayrischen Landessportverband.

Wie sind Sie dazu gekommen, dieses Amt auszuführen bzw. ausführen zu wollen?
Martin Voß: Ich bin selber in diesem Arbeitskreis seit über zwanzig Jahren Mitglied. Als meine Vorgängerin dieses Amt zum 1. Mai 2014 niedergelegt hat, bin ich gebeten worden, als jemand der bei diesem Arbeitskreis langjährig vertreten ist, dieses Amt übergangsmäßig zu bekleiden.

Sie sind neben dem Amt des Sportpfarrers auch noch Pfarrer in der Gemeinde Bad Wiessee, bringen sie Ihren sportlichen Gedanken in Ihrer Heimatgemeinde auch mit ein?
Martin Voß: Meine Heimatgemeinde ist zunächst geprägt durch wohlhabendes, älteres Publikum, da ist der Sport nicht das typische Thema. Ich habe aber einen sehr guten Kontakt zum hiesigen Sportvereinsvorsitzenden, einem ehemaligen Oberkirchenrat der EKHN (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau). Außerdem haben wir sehr sportliche Konfirmanden. Insgesamt ist die Region sehr bekannt für den Sport, da viel Sportprominenz hier in der Gemeinde und im Tegernseer Tal wohnt. Also ist das eine Region die sehr sportbegeistert ist. Eine ehemalige Konfirmandin von mir ist zum Beispiel jetzt eine der führenden Rennradfahrerinnen in Deutschland. Viktoria Regensburg, die Olympiasiegerin im Riesenslalom, wurde in dieser Gemeinde von meinem Vorgänger konfirmiert. Daran sieht man, dass wir in einer sehr sportlichen Region leben.

Sind sie selbst in Ihrer Freizeit sportlich aktiv?
Martin Voß: Ich bin begeistert an allem was Skitechnisch machbar ist, wie Langlauf und Alpin Ski. Im Sommer fahr ich mit meinem Mountain Bike die Aueralm hinauf, also eine Kult Alm wo viele Fahrradfahrer unterwegs sind. Außerdem habe ich früher auch Fußball gespielt.

Zur Person

Das Bild zeigt den Sportpfarrer Martin Voß, Bild: © ELKB

Pfarrer Martin Voß

ist Pfarrer in Bad Wiessee und seit Mai 2014 kommissarischer Sportpfarrer und Sprecher des Arbeitskreises „Kirche und Sport“ in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche in Bayern


03.12.2014 / Steffen Bernhardt