Frauen und Reformation

„Ein Stück Land gewinnen“

Argula von Grumbach

Argula von Grumbach auf einer Portraitmedaille, um 1520.

Bild: Wikipedia / Hans Schwarz - http://www.heiligenlexikon.de/BiographienA/Argula_von_Grumbach.html

Nicht nur Männer wie Luther oder Melanchthon waren bedeutsam für die Reformation. Auch oder gerade Frauen spielten für die kirchliche Erneuerungsbewegung eine wichtige Rolle.

Zum Beispiel Argula von Grumbach, die 1492 geboren wurde. „Argula von Grumbach war eine Verfechterin der lutherischen Lehre in Bayern, vielleicht war ihr Geburtsjahr bereits Programm für die Entdeckung der neuen lutherischen Glaubenswelt“, erläutert ELKB-Gleichstellungsbeauftragte Dr. Johanna Beyer. Von Grumbach war Tochter des Reichsfreiherrn Bernhardin von Stauff.

Jedoch ruhte sie sich weder auf ihren adeligen Vernetzungen noch auf ihrer Rolle als spätere Ehefrau des fränkischen Ritters Friedrich von Grumbach und vierfache Mutter aus. Sondern sie war eine wache, kirchenpolitisch interessierte Persönlichkeit, die die Auseinandersetzungen der Reformation aufmerksam beobachtete.

Collage mit Argula von Grumbach,© ELKB

Bild: ELKB

"Mutig und weise": Interview mit einer starken Frau

"Mutig und weise": Unter diesem Titel hat die Münchner Historikerin Dr. Rita Huber-Sperl ein fiktives Interview mit Argula von Grumbach zusammengestellt. Gesprochen wird das Interview von Katrin Machel und Uwe Birnstein.

Nicht nur in Form eines regen Briefwechsels, den sie mit Luther führte. Nicht nur als Verfechterin der Reformation, die als „auflagenstärkste Flugblattschreiberin im 16. Jahrhundert“ inspiriert vom freiheitlichen Gedankengut Luthers ihre Glaubensüberzeugung unbeirrt verbreitete. Sondern die die Reformation auch erweiterte, indem sie geschlechtsspezifische Ungleichheiten thematisierte, sagt die evangelische Münchner Pfarrerin und Historikerin Dagmar Knecht. „Angela von Grumbach war eine frühe Feministin“, so Knecht. „Sie ist dafür eingetreten, dass Frauen und Männer in gleicher Weise von Gott sprechen können. Und dass sie das auch sollen.“

Für ihren Einsatz hat sie persönliche Nachteile in Kauf genommen, etwa „ungeachtet der Tatsache, dass ihr Ehemann dem ‚alten Glauben‘ treu blieb“, unterstreicht Beyer. „Auch die ökonomische Bedrohung, die ihren Ehemann erreichte, weil sie sich zum lutherischen Glauben bekannte und die Professoren der Ingolstädter Universität herausforderte, schien sie nicht zu schrecken. Die Ablehnung ihrer Verwandtschaft ertrug sie und die Not, die ihr Engagement für die Reformation mit sich brachte.“

Lebensläufe und Wirkweisen wie diese machten deutlich, so Dr. Beyer, „wie vielfältig Frauen die Chancen der Aufbruchszeit ‚Reformation‘ genutzt haben. Der Bildungsauftrag der Reformation eröffnete Frauen ein Gestaltungsfeld, das sie heute noch - im familiären wie im Kindertagesstätten und Grundschulbereich - dominieren.

Vielleicht nicht zuletzt ausgehend von diesem konstruktiven Aspekt betrachten viele Menschen Argula von Grumbach heute als äußerst willkommene historische Figur. Zum Beispiel in Dietfurt an der Altmühl, einer Stadt im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz in Bayern, wo Argula von Grumbachs Ehemann bis 1523 herzoglicher Statthalter war.

 

Pfarrerin Knecht war in Dietfurt von 1998 bis 2011 im Einsatz, „und ich habe immer wieder erlebt, wie aus den einstigen Querelen und Gemeinheiten gegenüber den evangelischen Flüchtlingen inzwischen ein sehr gutes und geschwisterliches Miteinander geworden ist. Und die – nach wie vor überwiegend katholischen- Dietfurterinnen und Dietfurter sind heute sehr stolz auf die berühmte Bürgerin ihrer Stadt.“

Ganz in der Nähe der evangelischen Friedenskirche gibt es eine Argula-von-Grumbach-Straße. „Und das ist nicht nur ein Symbol“, sagt Knecht, „es trifft die Stimmung der Menschen: Man feiert nur gute zehn Kilometer entfernt das Tilly-Fest in Breitenbrunn (Graf Tilly bekämpfte die Reformation) und ehrt gleichzeitig Argula von Grumbach als prominente Reformatorin.“

Die Kämpfe von damals seien nicht vergessen, so Knecht, „aber vorbei. Heute leben katholische und evangelische Christinnen und Christen dort in gegenseitigem Respekt und gestalten gemeinsam das gesellschaftliche Leben. Ich meine schon, dass Argula von Grumbach dazu eine Menge beigetragen hat.“


16.01.2015 / Almut Steinecke
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