Bibel für Einsteiger

Bibel lesen ja – aber wie?

aufgeschlagene Bibel

Ein Zugang zum Buch der Bücher lässt sich mit ein wenig Hilfestellung finden.

Bild: iStockPhoto / aurorat

„Schon fünf Mal habe ich versucht, die Bibel zu lesen, aber immer habe ich es wieder abgebrochen.“ Sven ist frustriert. Doch mit etwas Hilfestellung lässt sich ein Zugang zum Buch der Bücher finden.

Die Bibel ist keine leichte Kost. Das erfuhren schon die Menschen zur Zeit der ersten Christen. „Verstehst du, was du liest?“, fragt Philippus einen bibellesenden Äthiopier, und dieser gibt freimütig zurück: „Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet?“ Doch nachdem er seine Erklärung erhalten hat, zieht er fröhlich davon.

Heute ist es nicht anders: Die vielen Gesetzestexte, die oft altertümliche Sprache, manch grausame Erzählung erschweren die Bibellektüre. Es empfiehlt sich nicht unbedingt, die Bibel von vorn bis hinten durchzulesen. Aber wer sich einmal durch das Anfangsdickicht gekämpft hat, kann etwas von der Kraft dieser alten Worte entdecken, auch heute noch.

Wie anfangen?

Hilfreich ist es, das eigene Interesse an der Bibel zu klären.

Bei den Evangelien beginnen

Wer etwas über Jesus Christus und die Ursprünge des Christentums erfahren möchte, beginnt am besten bei den Evangelien im Neuen Testament (Matthäus-, Markus, Lukas und Johannesevangelium).

Kraft schöpfen gleich zu Beginn

Kraftvolle Texte über die Entstehung der Welt, die Frage nach der Schuld und über die große Flut stehen ganz am Beginn der Bibel.

In Familiengeschichten eintauchen

Familiengeschichten – aus fremder Kultur aber ganz aktuell - sind im ersten Buch Mose, ab Kapitel 12 niedergeschrieben. Abraham und Sarah, Jakob und Esau sowie die kunstvolle Erzählung von Josef und seinen Brüdern sind hier niedergeschrieben.

Das Volk Israel kennenlernen

Wer etwas über die Anfänge des Volkes Israel und seinen Glauben erfahren möchte, lese am besten das 2. Buch Mose. Die weitere Geschichte Israels ist in den Samuelbüchern zu lesen. In den Prophetenbüchern (Jeremia, aber auch die ersten Kapitel bei Jesaja) setzt sich die Geschichte fort.

Kritik reflektieren, Trost finden

Ein klarer Blick für Missstände, harte Sozialkritik (beispielsweise Amos) und tröstliche Worte (ab Jesaja 40) finden sich bei den Propheten.

Liebeslyrik genießen

Eine Sammlung wunderbarer Liebeslyrik bietet das Hohelied.

Hilfe zum Beten finden

Wer Hilfe zum Beten sucht, wird in den Psalmen die richtigen Worte finden.

Evangelische Erkenntnisse haben

Evangelische Erkenntnisse und scharfsinnige Theologie, die auch Martin Luther inspirierte, sind in den Briefen des Apostels Paulus, besonders im Römerbrief zu lesen.

Fragend lesen

Auch die richtigen Fragen helfen, sich die Bibel zu erschließen. Ein Stift und ein Blatt für Notizen neben der Bibel können dabei hilfreich sein. Martin Luther empfahl folgende Fragen:

  • Was steht geschrieben?
  • Wofür habe ich zu danken?
  • Was muss ich bekennen?
  • Worum darf ich bitten?

Fragen heute könnten sein:

  • Was sagt der Text über Gott?
  • Wie wird der Mensch gesehen?
  • Wo berührt der Text mein Leben?
  • Wo geht es mir ähnlich?
  • Wo stellt mich der Text in Frage?
  • Welche Folgen hat das Gelesene für mich?

Bibellesepläne und Losungen

Bibellesepläne, Konkordanzen und Studienbibeln könnten hilfreiche Begleiter bei den ersten Schritten sein. Auch die Herrnhuter Losungen erleichtern den Einstieg: Mit einem alttestamentlichen Vers für jeden Tag, ergänzt durch ein Wort aus dem Neuen Testament und einem kurzes Gebet oder einen Liedvers, begleiten sie durch den Tag und geben Kraft und Orientierung.

Neben dem täglichen Losungswort bieten die Hefte aus Herrenhut außerdem die tägliche fortlaufende Bibellese der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen. Die Verse sind auch digital erhältlich.

Gemeinsam in der Bibel lesen

Vielen Christen ist es eine Hilfe, gemeinsam die Bibel zu lesen und nach der Bedeutung der Schrift für ihr Leben zu fragen. Als Einstieg bewährt hat sich das „Bibelteilen“, eine Methode, die sich in sieben Schritten dem Bibeltext nähert:

  • Sich öffnen für die Gegenwart Gottes mit einem Gebet oder einem Lied.
  • Lesen. Der Bibelabschnitt wird reihum und versweise laut vorgelesen
  • Vertiefen. Persönlich ansprechende Wendungen des Abschnittes werden durcheinander und durchaus auch mehrmals, noch einmal laut und unkommentiert vorgelesen.
  • Schweigen. Eine/r liest den ganzen Abschnitt noch einmal vor. In der nachfolgenden Stille lässt jede/r den Text auf sich wirken, bedenkt ihn und bringt ihn mit seinem/ihren Leben in Verbindung.
  • Mitteilen. Aus der Stille heraus teilt sich die Gruppe ihre Gedanken mit. Die TeilnehmerInnen sprechen möglichst persönlich, hören möglichst aufmerksam zu und diskutieren die einzelnen Beiträge nicht.
  • Austauschen. In dem anschließenden Gespräch sucht die Gruppe nach der Bedeutung des Textes für die Gesellschaft, den Einzelnen und die Gemeinde. Konkrete Vorsätze können gefasst werden.
  • Beten. In einem abschließenden Gebet, Lied oder Segenswort bringen die TeilnehmerInnen Dank, Bitte oder Fragen vor Gott

13.06.2014 / Anne Lüters