Ist die Bibel noch aktuell?

Uralt und doch immer neu

Bibel und Laptop

Das Neue stützt das Alte: die Bibel gibt es selbstvertändlich auch online zu genießen.

Bild: iStockPhoto / Paul Calbar

Viele Leute denken: "Die Bibel ist ein uraltes Buch. Was geht sie uns heute noch an?" Es stimmt, die Texte der Bibel sind 2000 bis 3000 Jahre alt. Und doch ist die Bibel keineswegs veraltet.

Bis heute ist das „Buch der Bücher“ ein Bestseller auf dem Buchmarkt. Sie wurde in mehr Sprachen übersetzt als irgendein anderes Werk der Weltliteratur. Und nach wie vor fasziniert sie Menschen – überall auf der Welt. Denn die entscheidenden Fragen, die uns bewegen, sind über die Jahrtausende hin dieselben geblieben.

Thema: Geschichte Gottes mit den Menschen

Menschen der Bibel erleben Freude und Leid, Hoffnung und Enttäuschungen, großes Vertrauen und quälende Zweifel. Sie fragen nach der Herkunft von Unrecht, Leid und Tod und nach den eigenen Grenzen, suchen nach dem Ziel ihres Lebens und stehen staunend vor den Schönheiten und Wundern unserer Welt, hinter denen sie die Macht des Schöpfers am Werk sehen, der dies alles ins Leben gerufen hat und erhält.

Informationen zum Thema Biblische Redewendungen

Biblische Redewendungen

Viele Redewendungen, die wir noch heute benutzen, stammen ursprünglich aus der Bibel. Folgende Sprichwörter sind bekannt – aber hätten Sie gewusst, woher?

Wer andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. (Sprüche 26,27)
Hochmut kommt vor dem Fall. (Sprüche 16,18)
Der Mensch denkt, und Gott lenkt! (Sprüche 16,9)

Auch „etwas ausposaunen“ (Mt 6,2), „ein Dorn im Auge“ (Num 33,55), „im Dunkeln tappen“ (Dtn 28,29), „mit Füßen treten“ (1 Sam 2,29), „auf Herz und Nieren prüfen“ (Psalm 7,10), „Gift und Galle“ (Dtn 32,33), „auf keinen grünen Zweig kommen“ (Ijob 15,32), „Jugendsünden“ (Ps 25,7), „Brief und Siegel“ (Jer 32,44), „Wolf im Schafspelz“ (Mt 7,15) und „die Haare zu Berge stehen“ (Hiob 4,15) sind biblischen Ursprungs.

Die Geschichte Gottes mit diesen Menschen – das ist das Thema der Bibel. Und was Gott für sie damals war, das will und kann er auch für uns heute sein, wenn wir uns auf ihn einlassen: ein fester Halt und die Mitte unseres Lebens.

Die Bibel kann uns helfen, Gottes Spuren in unserem eigenen Leben zu entdecken. Sie kann für uns zu einem Lebensbuch werden, zum Buch der Bücher, in dem wir – wie die Menschen von damals – Gott begegnen.

Wort Gottes – wieso?

Judentum und Christentum nennen die Bibel auch „Wort Gottes“, „Heilige Schrift“ oder „vom heiligen Geist durchdrungen“.

Das führt manchmal zu dem Missverständnis, Gott habe die Bibel sozusagen Wort für Wort „diktiert“. Die Bibel selbst zeichnet hier jedoch ein ganz anderes Bild.

So erzählt zum Beispiel der Anfang des Lukasevangeliums ganz offen von dem komplizierten und offensichtlich nicht immer im gewünschten Maß zuverlässigen Prozess der Weitergabe der Botschaft Jesu, der den Verfasser des Evangeliums dazu gebracht hat, „all diesen Überlieferungen bis hin zu den ersten Anfängen“ selbst „sorgfältig nachzugehen“, um sie sodann "in der rechten Ordnung und Abfolge niederzuschreiben“ (Lukas 1,3). Was ist es also, das die Bibel zum „Wort Gottes“, zur „Heiligen Schrift“ macht?

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Biblische Redewendungen: Was bedeutet eigentlich...

"Das ist ja ein Tohuwabohu!"

"Tohu wa bohu" heißt auf Hebräisch "wüst und leer". So sah die Erde nach der ersten Schöpfungserzählung anfangs aus. (Genesis/1.Mose 1,2)

"Von Pontius zu Pilatus gehen"

Jesus wird im Prozess von Pontius Pilatus, der zunächst keinen Anlass sieht, Jesus zu verurteilen, zu Herodes als dem für Jesus zuständigen Landesfürst geschickt. Dieser sandte ihn aber wieder zu Pilatus zurück. (Lukas 23)

Es gibt Erfahrungen, die wie Fenster sind, in denen unsere „normale“ Lebenswirklichkeit plötzlich ganz anders erscheint als zuvor, in denen sie auf einmal durchsichtig wird auf einen Grund, der sie trägt, auf einen Sinn, der unverlierbar ist: auf die Hand Gottes, in der die Welt und alles Leben stehen.

Solche Erfahrungen sind nicht nur angenehm. Viele Menschen haben Gottes Nähe gerade in Zeiten der Not erfahren – mitunter auch solche, die zuvor mit der Botschaft der Bibel gar nicht viel anfangen konnten. Die Bibel erzählt an vielen Stellen von solchen Erfahrungen – und mehr noch: Wer sich intensiv auf ihre Botschaft einlässt, kann selbst die Erfahrung machen, dass hier Gott zu ihm, zu ihr spricht. Dann werden die Worte der Bibel zum erlösenden Wort, das aus Ängsten und Zweifeln befreit, zum Sinn stiftenden Wort, das dem Leben Halt gibt. So gesehen ist die Bibel Gottes Wort, ist sie Heilige Schrift. Aber dieses Wort wird hörbar und erfahrbar in Menschenworten.

Die Augen für Gottes Wirken öffnen

Einige biblische Autoren betonen ausdrücklich, dass das, was sie zu sagen haben, eine Botschaft ist, die Gott ihnen aufgetragen hat. Dies gilt natürlich besonders für die Propheten, wenn etwa der Prophet Ezechiel im Bericht von seiner Berufung erzählt, wie Gott ihm befahl:

„Du Mensch, geh nun zu den Leuten von Israel und verkünde ihnen die Worte, die ich dir sage“ (Ezechiel 3,4).

Aber auch, wenn es – wie in großen Teilen des Alten Testaments – um scheinbar ganz weltliche Geschichte geht, wurde sie aufgeschrieben, weil Menschen in ihr das Wirken Gottes erkannten und weil die Erzählung davon anderen die Augen für Gottes Wirken auch in ihrem Leben öffnen kann.

Quelle: Kompass Bibel – Gute Nachricht mit Spätschriften, © 2002 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart Bibel bestellen
Einheitsübersetzung mit farbigem Bild- und Informationsteil, © 2006 Katholisches Bibelwerk, Stuttgart Bibel bestellen


13.06.2014 / Anne Lüters