Dokumentarfilm am Buß- und Bettag

Zigeunerstück

Jugendliche Schauspielerinnen und Schauspieler auf der Bühne der Münchner Kammerspiele

Jugendliche Roma bei der Premiere von ImpRoma im April 2015 in den Kammerspielen München. Die Dokumentation über das Stück wird jetzt in München gezeigt.

Bild: Tamara Wenger

2015 begeisterten junge Sinti und Roma mit ihrem Theaterstück "ImpRoma" zahlreiche Zuschauer. Nun wird der Dokumentarfilm über dieses außergewöhnliche Projekt am Buß- und Bettag in München gezeigt.

Am Anfang stand der Plan, Sinti- und Roma-Kindern eine Bühne in der Mitte der Gesellschaft zu geben. Initiiert von dem Münchner Sinto Alexander Adler entstand ein Theaterprojekt mit 15 jugendlichen Schauspielerinnen und Schauspielern, die aus ihrem Alltag improvisierten.

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Zusammen mit Andreas Wolf vom fastfood theater entwickelten sie ihre eigene Impro-Bühnenshow - und wurden zu Protagonisten ihrer eigenen Geschichten. Sie erzählten von Zusammenhalt, Mut, Vertrauen, geheimen Wünschen, Ängsten und Ausgrenzung, von coolen Sachen und Erfahrungen, die einen zur Verzweiflung bringen. Mit ImpRoma war es Regisseur, Schauspielerinnen und Schauspielern, Organisatorinnen und Förderern, zu denen auch die Bayerische Landeskirche zählte, gelungen, die aktuelle Lebensrealität deutscher Sinti und Roma stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Selbstbewusst eroberten die jungen Akteure selbst die Bühne der Münchner Kammerspiele. Spontan spielten sie mit den Vorgaben des Publikums und machten die Zuschauer neugierig auf ihre Welt - unterhaltsam und unbefangen.

Informationen zum Thema

„Zigeunerstück – Sinti- und Roma-Kinder proben den Auf…tritt“.

Filmvorführung mit Diskussion

Mittwoch 16. November 2016, 19.00 Uhr

Ort NS-Dokumentationszentrum München, Auditorium

Eintritt frei

Der Filmemacher Claus Strigel begleitete das Projekt von den Anfängen bis zur Aufführung. Sein Dokumentarfilm "Zigeunerstück - Sinti- und Roma-Kinder proben den Auf…tritt“" erzählt von der achtmonatigen Abenteuerreise, deren Ausgang bis zum Tag der Premiere völlig offen war. So kam z.B. nach einem gemeinsamen Besuch der KZ-Gedenkstätte Dachau ein unerwarteter Prozess in Gang: „Aber wir sind doch keine Asozialen!?“, stellte die 9-jährige Sintiza Lorena fest. Dass das Mahnmal nicht der Morde an Sinti und Roma gedenkt, hat die Kinder nachhaltig verletzt und der weiteren Improarbeit eine völlig neue Tiefe gegeben. Plötzlich war ein Bewusstsein für die eigene Identität und ein neues Selbstbewusstsein erwacht.

Im Rahmen des Begleitprogramms zur Sonderausstellung "Die Verfolgung der Sinti und Roma in München und Bayern 1933–1945" zeigt das NS-Dokumentationszentrum München den Film am Buß- und Bettag um 19 Uhr im Auditorium. Im Anschluss stehen Produzent Claus Strigel sowie Kinder und Jugendliche, die bei dem Projekt mitgewirkt haben, für Fragen zur Verfügung. Moderation: Alexander Adler (Projektleiter).


11.11.2016 / ELKB