Geistliches Wort zu Pfingsten

Atemberaubende Geschichte einer Verwandlung

Wort zu Pfingsten

Der lang ersehnte Fühsommer bring frisches Grün in die Natur.

Bild: istock_oyooo

Pfingsten ist mit der außergewöhnlichen Geschichte einer Verwandlung verknüpft, was sie heute für Christen bedeutet, erklärt Regionalbischöfin Gisela Bornowski in ihrem Wort zu Pfingsten.

Für viele Menschen hat das Pfingstfest kein Gesicht. Mit Weihnachten ist es anders: Das Kind in der Krippe kann man anschauen. Da können wir uns etwas vorstellen und wenigstens ansatzweise begreifen. An Ostern wird es schon schwieriger. Christus ist auferstanden von den Toten. Er ist seinen Freunden begegnet. Aber mit Pfingsten verbinden viele "nur" große Verkehrsstaus, frisches Grün auf Wiesen und in Wäldern und die ersehnten ersten Frühsommertage. Was uns Christen dieses Fest bedeutet, bleibt für viele im Nebel. Pfingsten hat kein Gesicht, es ist nicht begreif-bar und nicht an-schau-lich.

Dabei ist Pfingsten mit der atemberaubenden Geschichte einer Verwandlung verknüpft. Ohne sie würde übrigens auch Weihnachten und Ostern verloren gehen, und ohne sie würde es heute weder Christen noch eine Kirche geben.

Die Apostelgeschichte des Lukas erzählt wie Freunde, Jünger, Sympathisanten Jesu, Männer und Frauen in Jerusalem nach Ostern ängstlich beieinander waren und sich einsperrten. Sie erinnerten sich, beteten und versuchten sich auf das Geschehene einen Reim zu machen. Das gelang ihnen mehr schlecht als recht. Doch dann geschah es. Der Geist Gottes kommt mit Brausen und Feuerzungen auf sie. So berichtet es die Apostelgeschichte des Lukas. Die Verwandlung beginnt. Die sich in ihre Erinnerung zurückgezogenen Jünger treten an die Öffentlichkeit. Die Verunsicherten und Ängstlichen fassen neuen Mut. Sie überwinden ihre Sprachlosigkeit und finden Worte, die über alle sprachlichen Grenzen hinweg verstanden werden und viele Herzen erreichen. Gott schenkt seinen Geist. So vergegenwärtigt ER sich selbst. ER tritt in Aktion. Die Jünger entdecken, Weihnachten und Ostern ist nicht einfach vergangen, es ragt vielmehr in ihr Leben hinein, hat etwas mit ihnen selbst zu tun. Das begeistert sie und setzt sie in Bewegung. Es ist die Initialzündung für das, was später als Kirche bezeichnet wird. In einem Lied, das sich an Psalm 104 anlehnt, heißt es: "Sende deinen Geist aus und alles wird neu."
 

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Wenn Christen Pfingsten feiern, dann ist das auch heute ihre Bitte. Es ist die Bitte, dass Gott sich durch seinen Geist bei uns vergegenwärtigt und dadurch alles neu wird. Es ist die Bitte, dass die alten Worte der Heiligen Schrift für uns bedeutungsvoll werden und uns in Bewegung setzen.

Verkehrsstau, frisches Grün, erste Frühsommertage - das sind die Bilder, die vielen für Pfingsten in den Sinn kommen. Vielleicht sind sie gar nicht so verkehrt und können zu einem Sinnbild werden. "Sende deinen Geist aus und alles wird neu:"
- Wo wir selbst gleichsam im Stau stehen und sich nichts mehr bewegt, wo wir in unseren Kirchen und in unserer Gesellschaft uns nur gegenseitig blockieren, kann wieder etwas in Fluss kommen.
- Wie frisches Grün in der Natur aufbricht, so kann neues Leben in unsere Beziehungen kommen, ins Miteinander von Alt und Jung, den verschiedenen Konfessionen, von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kultur.
- Wie uns die ersehnten Frühsommertage neuen Schwung verleihen, können wir auch in unseren Kirchen und in unserer Gesellschaft beschwingt aufbrechen und Neues wagen.

Zur Person

Regionalbischöfin Gisela Bornowski, Bild: © (c) Kirchenkreis Ansbach-Würzburg

Gisela Bornowski

ist Oberkirchenrätin und Regionalbischöfin im Kirchenkreis Ansbach-Würzburg.


01.06.2017 / Gisela Bornowski/epd