Woche für das Leben 2017

Perfektionierung macht nicht glücklich

Regionalbischöfin Dorothea Greiner und Erzbischof Ludwig Schick bei Eröffnung der Woche für das Leben 2017 in Hof

Bei der oberfränkischen Eröffnungsveranstaltung zur "Woche für das Leben" in Hof am Freitag warnten Regionalbischöfin Greiner und Erzbischof Schick vor einer Medizin, die vorrangig auf eine Perfektionierung des Lebens ziele.

Bild: Kirchenkreis Bayreuth

Die evangelische Bayreuther Regionalbischöfin Dorothea Greiner und der katholische Bamberger Erzbischof Ludwig Schick haben dem Wunsch nach "Designerbabys" eine Absage erteilt.

Die Bayreuther Regionalbischöfin Dorothea Greiner und der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick haben am 28. April in Hof die ökumenische „Woche für das Leben“ für Oberfranken eröffnet und dabei Wünsche von Eltern nach „Designerbabys“ in die Schranken gewiesen. „Kinderwunsch-Wunschkind-Designerbaby“ ist das Thema der diesjährigen bundesweiten Aktionswoche, die sich für ein konsequentes Ja zum Leben einsetzt.

Zitat

Perfektionierung des Lebens macht nicht glücklich. Der Wahn der Machbarkeit des Lebens zerstört gerade die Dankbarkeit als Keimzelle des Glücks.

Regionalbischöfin Dorothea Greiner

Regionalbischöfin Greiner wies in ihrer Predigt im ökumenischen Gottesdienst darauf hin, dass immer mehr Eltern von einem Druck berichten, Untersuchungen vornehmen zu lassen, um potentielle Behinderungen auszuschließen. Erlaubte Tests würden zum faktischen Muss. „Nicht immer steht dabei im Vordergrund, was diesen Eltern und dem Kind im Mutterleib zum guten Leben dient.“ so Greiner. Sie zeigte sich dankbar für das, was moderne Medizin zu leisten vermag. Und doch bestehe in der Pränataldiagnostik ein schmaler Grat zwischen helfender Medizin und solcher, die Menschen entmündigt oder Leben mit Behinderung entwertet. „Perfektionierung des Lebens macht nicht glücklich. Der Wahn der Machbarkeit des Lebens zerstört gerade die Dankbarkeit als Keimzelle des Glücks.“

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Erzbischof Schick sagte in seiner Predigt: „Jedes Kind soll bei uns ein Wunschkind sein, denn es ist von Gott ins Leben gerufen und wird von ihm geliebt.“ Das gelte auch für Kinder mit Behinderungen. Wer aufgrund von medizinischen Möglichkeiten in der vorgeburtlichen Diagnostik der Wahnvorstellung vom optimalen „Designerbaby“ anhänge, propagiere die Auffassung, dass der Mensch den Menschen machen könne, und bekenne nicht mehr die christliche Glaubensüberzeugung, dass Gott jeden Menschen ins Dasein rufe. „Alle Menschen sind Wunschkinder Gottes“, so der Erzbischof, der dazu aufrief, „Gott zu vertrauen und ihm das Heft in der Hand zu lassen und nicht selbst Schöpfer spielen zu wollen“. Der Wunsch nach „Designerbabys“ leite eine gefährliche Entwicklung ein, die zu Selektion von lebenswerten und lebensunwerten Menschen führe. „Das dürfen wir nie wieder in Deutschland und nirgendwo zulassen, da müssen wir schon den ersten Anfängen wehren.“

Die „Woche für das Leben“ wird seit mehr als 20 Jahren von der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland gemeinsam veranstaltet. Sie lenkt die Aufmerksamkeit auf die Würde des Menschen und nimmt vor allem Schwache und Schutzbedürftige am Anfang und Ende des Lebens in den Blick. In diesem Jahr befasst sich die Aktionswoche mit dem Spannungsfeld zwischen dem Kinder- und Familienwunsch einerseits und der Vorstellung eines „optimierten Kindes“ andererseits. Daher werden therapeutische Möglichkeiten bei unerfülltem Kinderwunsch, ethische Einschätzung zur Reproduktion und Diagnostik von Krankheiten und Defekten thematisiert.


02.05.2017 / Kirchenkreis Bayreuth