Woche der Brüderlichkeit

Angst überwinden - Brücken bauen

Woche der Brüderlichkeit

Die Buber-Rosenzweig-Medaille wird während der Zentralen Eröffnungsfeier der Woche der Brüderlichkeit am 11. März 2018 im Ruhrfestspielhaus zu Recklinghausen überreicht.

Bild: WdB

Die bundesweite "Woche der Brüderlichkeit" wurde, in Recklinghausen eröffnet. Auch in Bayern sind zahlreiche Veranstaltungen in der Woche der Brüderlichkeit geplant. 

Die Aktionswoche der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit steht unter dem Titel "Angst überwinden - Brücken bauen". "Das Motto greift die aktuellen, begründeten und diffusen Bedrohungen und Ängste in der Gesellschaft auf, geht ihnen nach, hinterfragt sie und stellt beispielhaft Modelle vor, durch die Angst überwunden, Brücken gebaut und Begegnungen vorangetrieben werden können," erklärt der  Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.

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Seit 1952 veranstalten die Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit im März jeden Jahres die Woche der Brüderlichkeit. Heute sind es mehr als 80 Gesellschaften, verteilt über die gesamte Republik einschließlich der neuen Länder, in denen sich gut 20.000 Mitglieder, Freunde und Förderer für ein besseres Verständnis zwischen Christen und Juden einsetzen. Im Rahmen der "Woche der Brüderlichkeit" vom 11. bis 18. März, werden bundesweit Lesungen, Diskussionsrunden, Filme, Konzerte, Gottesdienste und Vorträge veranstaltet Auch in Bayern sind zahlreiche geplant: 

Augsburg

Montag, 12. März, Haus St.Ulrich​, 19.30 Uhr
Trialog: Brücken bauen – drei Religionen stellen Projekte vor
Ängste begrenzen uns in unseren Möglichkeiten und hindern uns daran, nach Verständigung zu suchen. Wie gut, dass es Menschen gibt, die den Mut haben, aufeinander zuzugehen und Brücken des Friedens zu bauen. In diesem Jahr soll dem Engagement junger Menschen Raum geben und ihre Form des Trialogs entdecken: mit Steve Malki (muslimisch), Marlis Glaser (jüdisch) und Jens Beiner (christlich).

Dienstag, 13. März, Jüdisches Kulturmuseum, 19.30 Uhr
Untergetaucht – Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940-1945
Berlin 1942: Die Verhaftung durch die Gestapo steht unmittelbar bevor. Die junge Marie Jalowicz will leben und taucht unter. Der authentische Bericht einer außergewöhnlichen jungen Frau, deren unbedingter Lebenswille sich durch nichts brechen ließ. Lesung mit dem Historiker und langjährigen Direktor des Berliner Centrum Judaicum Hermann Simon.

Sonntag, 18. März, 15.30 Uhr christlich-jüdische Gemeinschaftsfeier im Augsburger Dom,
17.00 Uhr Festakt im Goldenen Saal des Rathauses​

Feierliche Schlussveranstaltung
Festredner: Dr. h.c. Nikolaus Schneider
Musikalische Gestaltung: Stefanie Knauer

München

Sonntag, 11. März, NS-Dokumentationszentrum München, 14.00 Uhr
Einblicke
Gründungsdirektor Prof. Dr.-Ing. Winfried Nerdinger gibt grundliegende Einblicke in das NS-Dokumentationszentrum sowie in die Dauerausstellung und führt durch die Sonderausstellung »Nie wieder. Schon wieder. Immer noch. Rechtsextremismus in Deutschland seit 1945«

Montag, 12. März, 18.30 Uhr
Vernissage: Ilana Lewitan: Lebensgeschichten Malerei und Cubes
Einführung: Christian Ude, Altoberbürgermeister München. Jochen Meister, Kunsthistoriker, Pinakothek der Moderne. 
Im Anschluss um 19.30 Uhr: Referent: Louis Lewitan, Dipl. Psychologe, Coach und Stress-Experte München.
Angst hilft zu überleben. Sie hält uns wach, sie schärft die Sinne für Gefahren und Risiken und macht uns erfinderisch. Doch Angst kann auch lähmen, in Aggression und Hass umschlagen. So schüren Populisten und Nationalisten die Angst vor Migranten, vor Muslimen und Juden, vor Erneuerungen und der Zukunft. Wie lässt sich der globale Trend umkehren? Trifft die Analyse von Voltaire zu, dass Fanatismus eine unheilbare Krankheit ist? Oder ist ein respektvoller Dialog mit voreingenommenen Menschen auf Augenhöhe doch möglich? Wie könnte eine solche Begegnung aussehen?

Dienstag, 13. März, 19.00 Uhr
»Wo Sie sind ist Deutschland!«
Der Maler und Kunsthistoriker Wolfgang Born (1893–1949) als Freund Thomas Manns
Vortrag des Literaturwissenschaftler Dr. Dirk Heißerer
Dr. Wolfgang Born (1983-1949) aus einer jüdischen Gelehrtenfamilie in Breslau, Halbbruder des Physikers und Nobelpreisträgers Max Born, war als bildender Künstler, Kunsthistoriker und Kunstkritiker in München und Wien tätig, bevor er nach Amerika emigrierte. Der Briefwechsel mit Thomas Mann, Literatur-Nobelpreisträger von 1929, dreht sich um eine bislang unbekannte Serie von Aquarellen (1916) als Vorläufer der Lithographienmappe „Der Tod in Venedig“ (1921), und setzt sich im jeweiligen Exil zwischen Wien, Zürich und Amerika fort.

Mittwoch, 14. März 2018, 19.30 Uhr
Filmdoku »Moritz Daniel OPPENHEIM« von Isabel Gathof
Süddeutsche Premiere (101 Min., nominiert für den Hessischen Film- und Kinopreis).
Zum ersten Mal widmet sich ein Dokumentarfilm dem „ersten jüdischen Maler des 19. Jahrhunderts“, der mit seinen Genredarstellungen ein jüdisches Selbstbewusstsein in der Kunstgeschichte etablierte und sich stark für den interkonfessionellen Dialog einsetzte - ein Thema, das auch heute aktueller kaum sein könnte.
Nachgespräch mit Isabel Gathof; Prof. Bettina Reitz, Präsidentin der HFF München; Rabbiner Yehuda Aharon Horovitz M.A., Israelitische Kultusgemeinde München (Nachfahre des Hanauer Gemeinderabbiners zu Oppenheims Zeiten) und Dr. Peter Marinković, Vorstandsmitglied GcjZ München und Direktor der Interfilm-Akademie.

Donnerstag, 15. März, 19.00 Uhr
»Dunkelgold« Rolly Brings singt Balladen von Itzik Manger (1901-1969)
Itzik Manger gilt als einer der bedeutendsten jiddisch-schreibenden Lyriker des 20. Jahrhunderts.
Rolly Brings ist ein namhafter Musiker und Interpret von Liedern nach Gedichten von Heinrich Heine u.a.

Freitag, 16. März, 18.30 Uhr
Schabbat-Eröffnung mit traditionellem Abendessen 
Erklärende Worte: Rabbiner Dr. Tom Kučera. Veranstaltungsort: Liberale jüdische Gemeinde München Beth Shalom: Synagoge und Gemeindesaal; Bekanntgabe der Adresse nach verbindlicher Anmeldung, Zusendung der Ausweiskopie und Bezahlung. Herren mit Kopfbedeckung, angemessene Kleidung. Gedeck pro Person: 26,00 Euro inkl. Getränke (begrenzte Teilnehmerzahl)

Sonntag, 18. März, Saal des Alten Rathauses München, 16.30 Uhr
Festliche Schlussveranstaltung 
Begrüßung Ordinariatsdirektorin Dr. Gabriele Rüttiger, Katholische Vorsitzende
Grußworte Emilia Müller, Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und
Integration
Josef Schmid, Bürgermeister der LHSt München
Einführung Prof. Dr. Abi Pitum, Jüdischer Vorsitzender
Festvortrag Barbara Stamm, Präsidentin des Bayerischen Landtags
Dankesworte Kirchenrat Reiner Schübel, Evangelischer Vorsitzender
Musik Musikalische Gestaltung: Duo Folkadu
Im Anschluss lädt der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München zu einem Stehempfang

Franken

9. März bis 18. März, Fürth
16. Internationales Klezmer Festival Fürth
Vor dreißig Jahren hat alles begonnen. 1988 wurde in Fürth erstmals ein Wochenende für Jiddisches Lied initiiert, aus dem sich über die Jahre eines der international renommiertesten Klezmerfestivals entwickelte. Das Fürther Festival steht für Tradition und Innovation und für den Blick über den Tellerrand hinaus, was seit 2016 der Untertitel „& Jewish Music Today“ unterstreicht. Alle Termine und Hinweise finden Sie unter: www.klezmer-festival.de

Sonntag, 11. März, jüdischer Friedhof, Fürth, 11 Uhr 
Wovon die Steine zeugen
Lassen Sie sich beeindrucken von der würdevollen Stimmung auf dem alten jüdischen Friedhof in Fürth. Viele berühmte Rabbiner wie etwas Meschullam Salman Kohn oder wohltätige Mäzene wie der Stifter der ersten Säuglingsklinik in Bayern Alfred Nathan wurden hier begraben. Die alten Grabsteine verraten viel über die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Fürth.

Montag, 12. März, Ottokirche Bamberg, 19 Uhr
Multireligiöse Feier zur Woche der Brüderlichkeit
Ein zentrales Ereignis der Woche der Brüderlichkeit ist in Bamberg traditionell die Multireligiöse Feier mit Gruß- wort der Stadt Bamberg, Schriftlesungen, Gedanken und Musik aus Judentum, Christentum und Islam.

Montag, 12. März, Ansbach, 19.30 Uhr
Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit
mit Grußworten, Vortrag und Musik Eröffnungsveranstaltung zur diesjährigen „Woche der Brüderlichkeit“ unter dem Motto: „Angst überwinden - Brücken bauen“. Die Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit rufen bundesweit zur Gestaltung dieser Woche auf. Grußwort: Oberbürgermeisterin Carda Seidel Einführung: Pfarrer Dr. Johannes Wachowski Vortrag: Landesbischof a.D. Dr. Johannes Friedrich Veranstalter: Stadt Ansbach und Initiativkreis zur „Woche der Brüderlichkeit in Ansbach“

Mittwoch, 14. März, haus Eckstein, Nürnberg, 19.30 Uhr
Vortrag: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“
Zur Aktualität des dialogischen Denkens Martin Bubers Wir nehmen den 140. Geburtstag von Martin Buber zum Anlass, um uns die Grundgedanken von „Ich und Du“ zu vergegenwärtigen und auf unseren Alltag hin zu bedenken. Warum soll alles wirkliche Leben Begegnung sein? Was führt dazu, dass wir uns diesem Leben verschließen? Gibt es Möglichkeiten, ein Leben in Begegnung zu eröffnen? Buber sagt, er zeige etwas an der Wirklichkeit, das zu wenig gesehen worden ist. Was ist das? Welche Konsequenzen hat dieses Denken für die eigene Lebensgestaltung, den Umgang mit Anderen/Anderem und für das interreligiöse Gespräch? Referent: Dr. Wolfgang Krone.

Donnerstag, 15. März, Gotische Halle im Stadthaus Ansbach, 19.30 Uhr
Die Vielfalt des Judentums
Judentum ist nicht gleich Judentum. Orthodoxe, konservative oder liberale Gemeinden existieren in manchen Städten nebeneinander. Der Abend möchte die Vielfalt des Judentums aufzeigen und die Unterscheidungsmerkmale benennen. Referentin: Prof. Dr. Susanne Talabardon.

Freitag, 16. März und Samstag, 17. März, Synagoge „Or Chajim“, Bamberg, 18 Uhr/10 Uhr
G’ttesdienst in der Synagoge
Einladung an alle Interessierten zur Mitfeier des Schabbateingangs mit Kurzansprache des Rabbiners bzw. des Kantors

Beim Festakt zur bundesweiten Eröffnung am 11. März wird der Musiker Peter Maffay mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnet. Peter Maffay wird für sein entschiedenes Eintreten gegen antisemitische und rassistische Tendenzen in Politik, Gesellschaft und Kultur geehrt. 

Informationen zum Thema Buber-Rosenzweig-Medaille

Buber-Rosenzweig-Medaille

Seit 1968 verleiht der Koordinierungsrat der christlich-jüdischen Gesellschaften während der Eröffnungsfeier zur »Woche der Brüderlichkeit« die Buber-Rosenzweig-Medaille. Ausgezeichnet werden Personen oder Initiativen, die sich insbesondere um die Verständigung zwischen Christen und Juden verdient gemacht haben. Die Medaille wird in Erinnerung an die jüdischen Philosophen Martin Buber (1878-1965) und Franz Rosenzweig (1886-1929) verliehen.

Er habe im Dialog der Kulturen und Religionen mit unbequemen Fragen bequem gewordene Antworten erschüttert und damit wichtige Anstöße gegeben, hieß es in der Begründung des Koordinierungsrats der Gesellschaften. Maffay trete als Musiker mit großem sozialem Engagement und mit Einsatz für Versöhnung auf.

Über die Eröffnungsfeier am 11. März berichtet das ZDF am gleichen Tag um 23.35 Uhr in einer 45-minütigen Zusammenfassung.


05.03.2018 / WdB