Philippinen

Weltgebetstag 2017: "Was ist denn fair?"

Frauen in einer Nähfabrik auf den Philippinen.

Frauen auf den Philippinen landen überproportional häufig in unsicheren, gefährlichen und schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen ohne jegliche soziale Absicherung.

Bild: Urban Missionaries

„Was ist denn fair?“ Direkt und unvermittelt trifft diese Frage der Frauen von den Philippinen. Sie lädt ein zum Weltgebetstag 2017 – und zum Nachdenken über Gerechtigkeit. 

Die 7.107 Inseln der Philippinen liegen im Pazifischen Ozean. Ihre tropischen Urwälder und bizarren Korallenriffe beherbergen artenreiche Ökosysteme. Tauchreviere und weite Sandstrände begeistern jedes Jahr Millionen Urlauber. Die Folgen des Klimawandels treffen die Philippinen aufgrund ihrer geographische Lage besonders hart: Mit Taifunen, Vulkanausbrüchen und Erdbeben gehören sie zu den Ländern, die am stärksten von Naturkatastrophen betroffen sind.

Die gesamte Inselgruppe zeichnet sich durch eine Vielfalt an Völkern, Kulturen und Sprachen aus. Trotz ihres Reichtums an natürlichen Ressourcen und Bodenschätzen prägt eine krasse soziale Ungleichheit die Philippinen. Die meisten der rund 100 Millionen Einwohner profitieren nicht vom wirtschaftlichen Wachstum. Auf dem Land haben wenige Großgrundbesitzer das Sagen, während die Masse der Kleinbauern kein eigenes Land besitzt. Die Wurzeln dieser Ungleichheit gehen zurück bis in die 330jährige spanische Kolonialzeit. Wer sich heute für Menschenrechte, Umweltschutz, Landreformen oder die Rechte der indigenen Bevölkerung engagiert, lebt oft gefährlich.

Zitat

Christlicher Glaube, Gebet und Handeln für eine gerechte Welt gehören beim Weltgebetstag untrennbar zusammen. 

Ulrike Göken-Huismann vom Deutschen Komitee des Welrtgebetstags

Die Philippinen sind das Schwerpunktland des Weltgebetstags 2017. Immer am ersten Freitag im März laden Frauen in mehr als 170 Ländern zu Gottesdiensten ein. Frauen unterschiedlicher Konfessionen bereiten den Gottesdienst gemeinsam vor. Im Geist des gemeinsamen Gebets und der geschwisterlichen Einheit in Jesus Christus wird miteinander gebetet und füreinander eingetreten. In Deutschland wurden die ersten Gottesdienste 1949 auf Initiative von Dr. Antonie Nopitsch, Gründerin und erste Leiterin des Bayerischen Mütterdienstes der Evangelisch-Lutherischen Kirche, heute FrauenWerk Stein e.V. in der bayerischen Landeskirche, gefeiert. Die Fachstelle Frauenarbeit koordiniert die Arbeit in Bayern und wirbt auch für Unterstützung der Arbeit in den Schwerpunktländern. Der Weltgebetstag unterstützt in den Philippinen ein knappes Dutzend ganz unterschiedlicher Partnerorganisationen, wir stellen zwei Projekte vor.

 

Projekt: Die Rechte indigener Frauen

Fischerinnen und Bäuerinnen in der Küstenregion von Lanao del Norte (Mindanao)

Erfahrungsaustausch von Fischerinnen und Bäuerinnen in der Küstenregion von Lanao del Norte (Mindanao)

Bild: MTWRC

Gewaltsame Konflikte haben viele Jahre lang das Zusammenleben der „Tri-People-Frauen“ auf Mindanao geprägt. Die Bezeichnung „Tri-people“ steht für christliche Siedlerinnen, muslimische Bangsamoro und indigene Lumad. Alle drei Gruppen leiden unter fortschreitender Verarmung und Bedrohung ihrer Lebensgrundlagen durch Klimawandel, Landraub, Bergbau und Agrarkonzerne. Doch durch ihre traditionelle Lebens- und Wirtschaftsweise, den fehlenden Zugang zu Infrastruktur und alternativen Einkommensmöglichkeiten sind die indigenen Frauen ganz besonders betroffen.
Selbstorganisation und Selbsthilfe

Die indigenen Frauen sind kaum organisiert und können auch in der Lokalpolitik ihren Anliegen kein Gehör verschaffen. Genau hier liegt ein Ansatzpunkt der Partnerorganisation des Weltgebetstags, MTWRC („Mindanao Tri-People-Women Resource Center“).

MTWRC unterstützt kleine Frauengruppen. In diesen lernen Frauen, ihre Bedürfnisse zu formulieren und diese dann an die Führungspersönlichkeiten in ihrem Umfeld heranzutragen. Außerdem fördert MTWRC die Vernetzung und den Austausch der Gruppen untereinander.

Ob es um Frauenrechte, Umwelt- und Klimaschutz, nachhaltige Landwirtschaft oder gesunde Ernährung geht: So wird Wissen geteilt und vermehrt! Darüber hinaus erlernen die Frauen Techniken und Methoden zur Weiterverarbeitung ihrer Anbauprodukte. Die getrockneten Früchte, Tees und Salben können sie dann auf den Märkten verkaufen.
Männer tragen die Veränderungen mit

Wenn sich etwas an der Lebens- und Wirtschaftsweise der indigenen Gemeinschaften verändert, muss das letztlich von allen getragen werden. Deshalb bezieht MTWRC bewusst auch Jungen und Männer in die Bildungs- und Bewusstseinsarbeit ein. Das hilft den vielen engagierten Frauen, denen die Arbeit in den Gruppen und der Erfolg beim Verkauf ihrer Erzeugnisse ungeahntes neues Selbstbewusstsein verliehen haben.

Mit der Unterstützung ihrer Männer, Brüder und Väter finden sie auch den Mut, von den Behörden ihre Rechte als Frauen und als Teil der indigenen Gemeinschaft einzufordern und sich gegen Bevormundung und Übervorteilung durch Funktionäre oder korrupte Beamte aufzulehnen.

Projekt: Arbeiterinnen wehren sich

Titel 'A Glimpse of the Philippine Situation', Künstlerin Rowena 'Apol' Laxamana-Sta.Rosa, Weltgebetstag 2017

Einen kleinen, aber sehr anschaulichen Einblick in das Leben auf den Philippinen gibt das Bild mit dem Titel "A Glimpse of the Philippine Situation" der Künstlerin Rowena "Apol" Laxamana-Sta.Rosa.

Bild: WGT – Deutsches Komitee e.V.

Ein weiteres Projekt, das vom Weltgebetstg 2017 unterstützt wird, beschäftigt sich mit der Befähigung philippinischer Arbeiterinnen durch Stärkung und Weiterentwicklung der Kayumanggi-Frauengruppen. Trotz konstant hohen Wirtschaftswachstums in den vergangenen Jahren ist die Schere zwischen Arm und Reich in den Philippinen weiter auseinander gegangen. Im Wettlauf um globale Wettbewerbsfähigkeit setzt auch die neue Regierung unter Präsident Duterte auf eine neo-liberale Wirtschaftspolitik. Bereits unter seinem Vorgänger Aquino wurde der Arbeitsmarkt de-reguliert. In Folge erodierten die Arbeits- und Sozialstandards, so dass die abhängig Beschäftigten in Wirtschaft und Industrie massiv unter Lohndumping, unsicheren Vertragsverhältnissen und einem Anstieg von Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung leiden.

Durch die geringen Löhne und die hohen Lebenskosten in der Stadt sind gerade in Manila und anderen Metropolen des Landes in der Regel auch die Frauen gezwungen, neben Haushalt und Kindererziehung Geld zu verdienen. Sie landen überproportional häufig in unsicheren, gefährlichen und schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen ohne jegliche soziale Absicherung. Wer in einer solchen Anstellung aufbegehrt oder auch nur während der Arbeit mit anderen spricht, findet sich umgehend auf der Straße, bzw. ersetzt durch eine andere verzweifelt Arbeitssuchende wieder.

Informationen zum Thema Weltgebetstag

Weltgebetstag

Der Weltgebetstag (WGT) ist die größte Frauenbewegung der Welt, entstanden 1887 in den Vereinigten Staaten. Unter dem Motto: „Informiert beten – betend handeln“ laden Frauen in über 170 Ländern am ersten Freitag im März in die Gottesdienste zum Weltgebetstag ein. Jedes Jahr gibt es ein neues Schwerpunktthema und -land. Frauen unterschiedlicher Konfessionen bereiten den Gottesdienst gemeinsam vor - im Herkunftsland und weltweit in den Gemeinden vor Ort. Der WGT lädt dazu ein, die Lebenssituationen von Frauen in anderen Ländern kennen- und verstehen zu lernen und über Konfessionen, nationale Grenzen und kulturelle Unterschiede hinweg Wege zueinander zu finden.

Termin 2017: Freitag, 3. März

www.weltgebetstag.de

Doch es gibt eine wachsende Zahl von Frauen, die diese Rahmenbedingungen nicht länger hinnehmen wollen und sich organisieren – zum Beispiel in der Basisorganisation Kayumanggi. In drei Stadtvierteln im Großraum Manila hat sie sich als Stimme der Arbeitnehmerinnen gebildet. Ihre Mitglieder organisieren Kundgebungen gegen Kurzzeit-Verträge und Lohndumping, sprechen bei Behörden bei Verstößen gegen geltendes Arbeitsrecht vor und bringen Missstände aus den Betrieben an die Öffentlichkeit.

Engagement und Professionalität sind gefragt

Um auf Dauer Verbesserungen für die Arbeitnehmerinnen zu erringen, braucht Kayumanggi aber nicht nur viel Engagement und einem langen Atem. Ebenfalls gefragt sind gute fachliche Kenntnisse der Gesetzgebung und der Führung von zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie effektive Lobbyarbeit an den richtigen Stellen. Denn die Interessen der Frauen wollen professionell vertreten werden. Hierbei unterstützt sie die Partnerorganisation des Weltgebetstags, Urban Missionaries, mit passgenauen Trainings in Frauen- und Arbeitsrechten, im Management von Organisationen sowie in der Vernetzung mit anderen Akteuren und der Bildung effizienter Netzwerke.


01.03.2017 / Weltgebetstag/ELKB