75 Jahre Weiße Rose

"Und ihr Geist lebt trotzdem weiter"

Mahnmal der Geschwister Scholl und für die Weiße Rose, vor der Ludwig-Maximilians-Universität, München.

Mahnmal der Geschwister Scholl und für die Weiße Rose, vor der Ludwig-Maximilians-Universität, München.

Bild: Amrei-Marie(Own work) via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0

An die Gefangennahme und Ermordung von Mitgliedern der Weißen Rose vor 75 Jahren erinnern die Kirchen in München mit einem ökumenischen Gedenkgottesdienst.

Am 18. Februar 1943 wurden Sophie und Hans Scholl im Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) verhaftet. Sie hatten von den Galerien des Lichthofes Flugblätter abgeworfen, in denen sie zum Widerstand gegen das NS-Regime aufriefen. Auch Willi Graf wurde an diesem Tag festgenommen, wenige Tage später Christoph Probst, Alexander Schmorell und Professor Kurt Huber. In den nächsten Tagen und Monaten wurden sie von der NS-Justiz ermordet, Anfang 1945 auch noch Hans Leipelt aus der Münchner Nachfolgegruppe der Weißen Rose.

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Zum 75. Jahrestag der ersten Verhaftungen erinnern am Sonntag, 18. Februar, 17 Uhr, nur etwa hundert Meter vom Verhaftungsort der Geschwister Scholl entfernt, in der Universitätskirche St. Ludwig die Evangelische Studierendengemeinde, die Katholische Hochschulgemeinde und die Orthodoxe Seelsorge an der LMU, die Erzdiözese München und Freising, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern, das Münchner Sophie-Scholl-Gymnasium und die Evangelische Jugend München mit einem ökumenischen Gedenkgottesdienst und einem Zeitzeugengespräch an die Zivilcourage der Weißen Rose.

Szenische Lesung aus Briefen und Tagebüchern

Angehörige von Mitgliedern der Weißen Rose haben ihre Teilnahme in Aussicht gestellt: Jörg Hartnagel, Sohn von Elisabeth Hartnagel-Scholl, die nach dem Krieg Fritz Hartnagel, Sophie Scholls Verlobten, heiratete und heute als einzige von den Geschwistern Scholl noch lebt und in wenigen Tagen in einem Seniorenzentrum in Stuttgart im Kreis der Familie ihren 98. Geburtstag feiern wird. Alexa Busch, Nichte von Alexander Schmorell. Christoph Probst, Enkelsohn von Christoph Probst. Esther Sepp, Enkeltochter von Kurt Huber. Regina Degkwitz, Studienfreundin von Willi Graf.

Im Mittelpunkt des Gottesdienstes steht die Szenische Lesung aus Briefen und Tagebuchaufzeichnungen der studentischen Mitglieder der Weißen Rose. Es lesen Schülerinnen und Studierende. Die liturgische Gestaltung liegt bei Weihbischof Bernhard Haßlberger, Stadtdekanin Barbara Kittelberger, Erzpriester Apostolos Malamoussis und Studierenden der LMU.

Beheimatung in unterschiedlichen Kirchen

Hans und Sophie Scholl sowie Hans Leipelt waren evangelisch, Willi Graf und Kurt Huber katholisch, Alexander Schmorell orthodox und Christoph Probst wuchs bekenntnislos auf und ließ sich kurz vor der Hinrichtung vom katholischen Gefängnisseelsorger taufen. Die Beheimatung in unterschiedlichen Kirchen erlebten sie – und dies war keineswegs selbstverständlich in der damaligen Zeit - nicht als eine trennende Grenze. Gerade in der konkreten Herausforderung der NS-Diktatur erkannten Sie das verbindend Größere, die Notwendigkeit eines neuen gemeinsamen Aufbruchs.

Gegen 18.15 Uhr beginnt im Anschluss an den Gottesdienst im Pfarrsaal neben der Kirche ein Zeitzeugengespräch mit Eva Hönigschmid. Das Gespräch moderiert  Dr. Björn Mensing, Pfarrer und Historiker an der Evangelischen Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau. Die Zeitzeugin wurde am 6. Februar 1920 in Kvasice in der Tschechoslowakei geboren. 1939 kam die junge Frau zum Studium nach München, wo sie beim Universitätssport Fechten Alexander Schmorell und Christoph Probst kennenlernte. Bald nach ihrer Heirat 1940 brach sie das Studium ab, als das erste Kind unterwegs war. Mit Mann und später zwei Kindern lebte sie in Prag. Mit Alexander Schmorell blieb sie bis Anfang 1943 in Kontakt. Heute lebt Eva Hönigschmid im Landkreis Dachau, wo sie vor wenigen Tagen ihren 98. Geburtstag feierte.

Weiteres Programm

Eine studentische Gedenkfeier am Gedenkort für die Weiße Rose in der JVA Stadelheim (22. Februar, 15.15 Uhr - unbedingt anmelden!), ein Orgelkonzert mit Textlesung im Lichthof der LMU (22. Februar, 18 Uhr), ein Workshoptag "Widerstehen lernen" der Evangelischen Jugend (24. Februar), eine Tagung der Evangelischen Akademie Tutzing ( 75 Jahre Weiße Rose - was bleibt?, 8. - 10. Juni)  sowie diverse Buchvorstellungen und Vorträge sind das ganze Jahr hindurch geplant. Auch ein orthodoxer Gottesdienst anlässlich des Todestags on Alexander Schmorell (12. Juli) und eine Ökumenische Andacht zum 75. Todestag von Professor Kurt Huber (13. Juli) sind vorgesehen. Weitere INformationen finden sich auf der Veranstaltungswebseite.


07.02.2018 / ELKB