Predigten zu Weihnachten

"Fürchtet euch nicht!"

Predigten zu Weihnachten

Die Friedensbotschaft währt noch weiter, wenn Weihnachten vorüber ist.

Bild: iStock_hk13114

Der Gewalt zum Trotz der frohen Botschaft vertrauen - dazu riefen Landesbischof sowie Regionalbischöfinnen und -bischöfe in ihren diesjährigen Weihnachtspredigten auf. Hier können Sie sie nachlesen.

Die jüngsten Ereignisse auf dem Berliner Christkindelmarkt beschäftigten auch Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und die Regionalbischöfinnen und -bischöfe in ihren Weihnachtspredigten.

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Gerade der sinnbildliche Ort einer harmonischen Vorweihnachtszeit sei Ziel eines fürchterlichen Anschlags geworden, beklagte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in seiner Predigt im Weihnachtsgottesdienst in der Münchner Matthäuskirche, der auch im Bayerischen Fernsehen übertragen wurde. "Das Fest der Liebe wurde zum Ziel einer Tat, die aus dem Hass geboren war." Diese Ereignisse der vergangenen Woche hätten schmerzlich deutlich gemacht: "Weihnachten trifft mitten ins Leben und Weihnachten kommt mitten aus dem Leben." Denn Weihnachten drücke das Leid und die Bedrohtheit des Lebens nicht weg. "Wir feiern an Weihnachten die Geburt eines verletzlichen kleinen Kindes, an einem Ort, an dem man nie eine Geburt vermuten würde, eine karge Höhle oder ein zugiger Stall", so der Landesbischof.

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Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm

Heinrich Bedford-Strohm,© (c) ELKB / Poep

Bild: (c) ELKB / Poep

"Das ist die weihnachtliche Botschaft: Deine Zukunft ist kein dunkles Loch. Dein Gott hat dich nicht verlassen. Er ist da!...Und wir antworten heute: Ja, wir haben das Heil unseres Gottes gesehen! Wir haben es gesehen in einem kleinen Kind in all seiner Verletzlichkeit. Wir haben das Heil gesehen in dem Menschen, in dem Gott einer von uns geworden ist und uns nie mehr allein lässt. Wir haben das Heil gesehen in ihm, der sogar den Tod, das äußerste Dunkel, selbst erfahren hat und wieder auferstanden ist ins Licht und uns alle dorthin mitnimmt. Wir haben das Heil erfahren, denn die Dunkelheit ist besiegt. Nichts kann uns mehr trennen von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn!"

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Regionalbischöfin Dorothea Greiner

Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner,© Heike Rost

Bild: Heike Rost

In der Aussage, dass Gott das Kleine und Schwache erwähle und achte, liege weltumstürzende Kraft, predigte Regionalbischöfin Dorothea Greiner am ersten Weihnachtsfeiertag in der Bayreuther Stadtkirche. Und der Weg hin zum Kleinen gehe tiefer: "Gott erwählt ja nicht nur das Kleine. Er ist so groß, dass er selbst klein sein kann. Er kommt zu uns in einem kleinen Kind" In das Lob „Gott ist groß“ könnten Christen zusammen mit Muslimen einstimmen. "Doch wir Christen sagen auch: Gott selbst wurde klein. Er wurde ein kleines Kind, um uns unverkennbar vor Augen zu führen, worin seine Größe besteht: In seiner Liebe."

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Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern

Elisabeth Hann von Weyhern, Regionalbischöfin im Kirchenkreis Nürnberg,© (c) ELKB / Poep

Bild: (c) ELKB / Poep

Bethlehem zeige, so predigte Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern, dass die Rettung der Welt aus einer Ecke komme, der niemand irgendetwas zugetraut hätte. "Damit ist die Hoffnung in der Welt: Auch wenn die Großen und Mächtige sich an den Problemen der Welt die Zähne ausbeißen, ist nicht alles verloren. Frieden kann entstehen, wo niemand es für möglich gehalten hat." Mit Weihnachten habe Gott die Welt, "die unter politisch und religiös motivierter Gewalt das Fürchten gelernt hat", in die Krippe hineingeholt. Dies sei auch eine Zumutung, bedeute es doch, dass sich an der Krippe nicht nur Gleichgesinnte träfen. "Das ist nicht bequem. Da muss man in den Dialog gehen und wenn es sein muss, auch in die Auseinandersetzung." Beides brauche es für den Frieden in der Gesellschaft dringender denn je.

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Regionalbischof Michael Grabow

Regionalbischof Michael Grabow,© Kirchenkreis Augsburg

Bild: Kirchenkreis Augsburg

Die Predigt von Regionalbischof Michael Grabow am Heiligen Abend stand im Zeichen der bevorstehenden Evakuierung der Augsburger Innenstadt. "Es ist ein wenig wie die Herbergssuche in Bethlehem." Dennoch sei es um vieles komfortabler und sicherer "als für all die Menschen, die so lange verzweifelt auf ihre Evakuierung und Rettung aus Aleppo gewartet haben." Die Heilige Nacht erinnere „alle Jahre wieder“ an Vorstellungen von einem gelingenden Leben - und an all das, was misslungen sei. "Unsere Welt ächzt doch mehr denn je unter der Last von Not und Zukunftsängsten. Wie dringend brauchen wir da Menschlichkeit, Wärme und Nähe. ... Wie dringend sehnt sich unsere Welt nach Gerechtigkeit und Frieden. Das sind doch die Voraussetzungen dafür, dass Zusammenleben gelingt."

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Regionalbischof Hans-Martin Weiss

Regionalbischof Hans-Martin Weiss,© Kirchenkreis Regensburg

Bild: Kirchenkreis Regensburg

Auch Regionalbischof Hans-Martin Weiss dachte in seiner Weihnachtspredigt an den Anschlag in Berlin. Die Aussage "Christ der Retter ist da!" ginge danach vielen nicht mehr so leicht von den Lippen. "War da der Retter? Ich denke, wir sollten vorsichtig sein, den Menschen vorschnell einfache Antworten zu geben." Die Weihnachtsgeschichte könne in schweren Zeiten einen Trost schenken, "der nicht vorschnell daher kommt". Denn nach dem schönen Anfang sei die Weihnachtsgeschichte erst einmal schlecht ausgegangen und habe am Kreuz geendet. "Und dieses Kreuz ist für uns Christen bis heute das Symbol für die Welt, in der wir leben, für das Schicksal so vieler Menschen, die unter Gewalt und Hoffnungslosigkeit leiden. Nur dieser leidende Gott kann uns erretten und wird uns erretten."

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Regionalbischöfin Gisela Bornowski

Regionalbischöfin Gisela Bornowski,© (c) Kirchenkreis Ansbach-Würzburg

Bild: (c) Kirchenkreis Ansbach-Würzburg

Vom Licht, das in die Finsternis gekommen ist, sprach Regionalbischöfin Gisela Bornowski am zweiten Weihnachtsfeiertag. Wo Licht sei, gebe es auch Finsternis - das habe man in Berlin erfahren müssen. "Aber das Licht unseres Glaubens, unserer Hoffnung und unserer Liebe ist stärker." Durch Jesus Christus scheine göttliches Licht in die Dunkelheit der Welt. "Im Vertrauen auf ihn und sein Licht dürfen wir erfahren: Angst wird weniger und neuer Lebensmut ist zu spüren." Wer Jesus vertraue, ließe sich anstecken von seinem Licht. "Dieses Licht lässt uns zusammenstehen und zusammenhalten. Die Mächte der Finsternis können es nicht auslöschen. Sie können uns nicht unsere Menschlichkeit, unser Mitgefühl, unsere Hilfsbereitschaft nehmen. Sie können und dürfen uns nicht vergiften mit ihrem Hass."

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"Was hat Weihnachten zu tun in der Welt, in der einer mit einem Lastwagen in einen Weihnachtsmarkt brettert und Menschen zu Tode fährt. Wo kommt Weihnachten vor unter all den furchtbaren Nachrichten aus den nahen und fernen Krisen- und Kriegsgebieten?" fragte Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern in der Nürnberger Sebalduskirche. In diesen unruhigen Zeiten sei die Sehnsucht, die weihnachtliche Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit möge hineinwirken in diese Welt, besonders groß. Und Regionalbischof Hans-Matin Weiss wollte in Regensburg wissen, wo "Christ, der Retter" vor der Kaiser- Wilhelm Gedächtniskirche in Berlin gewesen sei.

Sie habe angesichts der Ereignisse lange niemandem "fröhliche Weihnachten" wünschen können, erzählte Regionalbischöfin Dorothea Greiner in der Bayreuther Stadtkirche. Doch dann habe sich die Freude durchgesetzt. "Wir kommen zu Weihnachten an der Freude nicht vorbei. Unsere christliche Freude ist ja auch eine, die gerade im Leid und in der Trauer am stärksten ihre Kraft zeigt."

Bedford-Strohm: Auf welche Botschaften hören wir?

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm benannte klar die dunklen Nachrichten des vergangenen Jahres: "Die schrecklichen Bilder aus Aleppo. Islamistische Fanatiker, die Worte wie „Menschenwürde“ oder „Mitgefühl“ nicht kennen. Rechtsradikale Ideologen, die – genau wie die Islamisten – eine menschliche Kälte ausstrahlen, die einen frösteln lässt." Aber auch Meldungen von Kinder- und Altersarmut in Deutschland sowie "eine gesellschaftliche Situation, in der Nervosität und Gereiztheit herrschen und in der die Grundmaßstäbe des menschlichen Umgangs miteinander ins Wanken zu geraten scheinen", stimmten ihn bedenklich.

Fast trotzig setzte Bedford-Strohm den Hiobsbotschaften die frohe Botschaft entgegen. "Die Frage ist, welche Geschichten mein Leben bestimmen sollen. Wir müssen uns entscheiden: Auf was höre ich? Lasse ich die freudigen Boten in mein Herz? Öffne ich meine Seele der frohen Botschaft? Oder lasse ich mich übermannen von den Hiobsbotschaften?" Jeden Tag müsse dies neu entschieden werden. Was die Zukunft bringe, könne man nicht erkennen. "Aber: Vertrauen, das können wir! Weil wir aus Vertrauensgeschichten leben. Weil die Hoffnungsgeschichten zum Teil unserer eigenen Geschichte werden."


26.12.2016 / ELKB