Vesperkirche

Neues kirchliches Pflänzchen im Freistaat

Vesperkirche

Zum zweiten Mal wird die Gustav-Adolf-Gedächtniskirche in Nürnberg eine Vesperkirche.

Bild: Versperkirche Nürnberg

Im Südwesten haben Vesperkirchen Tradition, in Bayern sind sie ein vergleichsweise neues Angebot der evangelischen Kirche. In Schweinfurt und in Nürnberg werden sie gut besucht.

In Baden-Württemberg haben evangelische Vesperkirchen eine lange Tradition. Im "Ländle" gibt es mehr als 30 solcher Angebote, meistens in größeren Städten, der regionale Schwerpunkt liegt traditionell eher in Württemberg. In Bayern sind Vesperkirchen ein vergleichsweise neues Angebot der evangelischen Kirche. Im Januar und Februar 2015 hat in Schweinfurt im Freistaat die erste offizielle Vesperkirche in Schweinfurt stattgefunden - als ein von der Landeskirche und bayerischer Diakonie ausgelobtes Pilotprojekt, um das sich die Gemeinden bewerben konnten. Den Zuschlag erhielt damals St. Johannis in Schweinfurt.

In Schweinfurt geht es seit drei Jahren - wie auch in Württemberg, wo es Vesperkirchen seit mehr als 20 Jahren gibt - um gemeinsames Essen und Begegnung. Dazu werden auch dieses Jahr vom 22. Januar bis 12. Februar in der Schweinfurter St. Johanniskirche Tische und Stühle aufgestellt. Während der Vesperkirchen im Januar und Februar ist zwischen 11.30 Uhr und 14.30 Uhr jeder eingeladen, in die Kirche zu kommen: zum Essen, zum Reden, auch mit Seelsorgern. Um 13 Uhr findet jeden Tag eine fünfminütige geistliche Besinnung statt. Damit es sich jeder leisten kann, gibt es Vorspeise, Hauptgericht sowie Kaffee und Kuchen für einen symbolischen Preis von 1,50 Euro.

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In Nürnberg hat es in der Gustav-Adolf-Gedächtniskirche 2016 zum ersten Mal eine Vesperkirche gegeben. Das Projekt in der Nürnberger Südstadt brachte 300 Ehrenamtliche auf die Beine, 500 Gäste kamen täglich in den mit Tischen vollgestellten Kirchenraum. Gut 30.000 Essenportionen wurden in sechs Wochen ausgegeben und 10.000 Liter Gratis-Kaffee. Friseurin, Sozialberatung, kostenlose Zeitung, kostenlose hochkarätige Konzerte und Theateraufführungen gehörten zum Rahmenprogramm. In diesem Jahr findet die Vesperkirche in Gustav-Adolf vom 15. Januar bis zum 26. Februar statt. Neben einer warme Mahlzeit für einen symbolischen Preis von einem Euro und warmen Getränke finden die Besucher auch ein vielfältiges kulturelles Angebot vor.

Im Schatten der großen Nürnberg Vesperkirche steht die Vesperkirche "MahlZeit" in Langwasser. Sie dauert acht Tage – vom 29. Januar bis 5. Februar 2017 –, täglich kommen etwa 100 Menschen vor allem aus dem Stadtteil. Neben leiblichem Wohl, Begegnungen und musikalischen Akzenten ergänzt jeweils ein Impuls für den Tag  das Angebot. 

Wenn die 2014 abgebrannte evangelisch-reformierte Marthakirche beim Nürnberger Hauptbahnhof wieder aufgebaut ist, soll auch hier eine Vesperkirche stattfinden, plant das Presbyterium. Auch in Würzburg gibt es seit November 2015 eine "Vesperkirche light", die vier Mal mittwochs in die Kirche St. Stephan zum Mittagessen eingeladen hatte; eine zweite Auflage hatte bereits im Juli dieses Jahres stattgefunden. Das Essen kostet dort 2,50 Euro.

Weitere offizielle Vesperkirchen gibt es in Bayern derzeit nicht, wohl aber vielerorts Überlegungen, auch eine einzurichten, oder auch ganz ähnliche Projekte wie kostenlose oder vergünstigte Mittagessen. Diese Angebote unterscheiden sich in der Regel vor allem dadurch von einer Vesperkirche, weil das gemeinsame Essen nicht im Kirchenraum, sondern meist in einem Gemeindezentrum stattfindet. Vesperkirchen bieten oft auch kulturelles Rahmenprogramm, ein soziales Beratungsangebot und geistliche Impulse.


12.01.2017 / epd/Jutta Olschewski und Daniel Staffen-Quandt