Ausstellung

Gedenken an den NS-Verfolgten Martin Gauger

Foto Martin Gauger 1936, Familienarchiv, Ausstellung „Seine Kirche aber schwieg“ des Berliner Antikriegsmuseums

Martin Gauger gilt als einziger bekannter Jurist, der sich 1934 gegen den Treueschwur auf Hitler entschied. Er stand von 1938 bis 1940 im Dienst der bayerischen Landeskirche.

Bild: ELKB

Synodalpräsidentin ehrt den vor 75 Jahren von den Nazis ermordeten Kirchenjuristen Martin Gauger in der KZ-Gedenkstätte Dachau. Ausstellungseröffnung in den sanierten Räumen der Versöhnungskirche. 

Zum 75. Todestag werden Synodalpräsidentin Dr. Annekathrin Preidel und Oberkirchenrat Dr. Martin Hauger vom Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Sonntag, 16. Oktober 2016, Martin Gaugers Widerstand. Sie laden ein zu einem Gedenkgottesdienst um 11 Uhr, in der Evangelischen Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Martin Gauger gehörte zu den ganz wenigen Juristen in Deutschland, die 1934 aus Gewissensgründen den Eid auf Hitler verweigerten und aus dem Staatsdienst entlassen wurden. Ab November 1938 war Gauger im Landeskirchenrat der bayerischen Landeskirche angestellt und zu weiterem Dienst in Berlin abgeordnet. Dort kam es zu Kontroversen über den Kurs des Lutherrats. 1940 weigerte sich Gauger, der Aufforderung zur Musterung und Einberufung zum Wehrdienst nachzukommen.Nach einem gescheiterten Suizidversuch versuchte er zunächst über Holland nach England zu fliehen, dann nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Holland weiter in die Schweiz. Auf dem Weg dorthin wurde er von einer Militärstreife aufgegriffen und angeschossen. Zunächst in Düsseldorf inhaftiert, wurde er 1941 ins KZ Buchenwald verlegt und von dort aus in die „Euthanasie“-Anstalt "Sonnenstein" bei Pirna.Am 15. April 1941 wurde Martin Gauger in der Gaskammer in Pirna ermordet

Mit dem Gedenkgottesdienst wird die Ausstellung „Seine Kirche aber schwieg“ des Berliner Antikriegsmuseums eröffnet, deren Texte für die Dachauer Präsentation im Blick auf die vielen internationalen Gäste der Gedenkstätte ins Englische übersetzt wurden. Die Ausstellung wird bis Ende Februar gezeigt: montags von 11 bis 13 Uhr, dienstags bis samstags von 10 bis 16 Uhr und sonntags von 12 bis 13 Uhr.

Gerhard Gauger, Neffe Martin Gaugers, wird ein Grußwort für die Familie sprechen, aus der sieben weitere Mitglieder ihr Kommen zugesagt haben. Dr. Heinz Hermann Niemöller (92), dessen Vater Martin Niemöller 1935 mit Martin Gauger in der BK-Leitung zusammenarbeitete und von 1941 bis 1945 Häftling im KZ Dachau war, kommt ebenfalls, wie auch Walter Joelsen (90), der wegen der jüdischen Herkunft seines Vaters in der NS-Zeit verfolgt wurde.

Nach dem Gottesdienst werden mit einem öffentlichen Empfang die sanierten Nebenräume der Versöhnungskirche wieder der Benutzung übergeben. Dabei spricht Johannes Striffler, der die Sanierung gemeinsam mit seinem Vater Professor Helmut Striffler, dem Architekten der Versöhnungskirche, bis zu dessen Tod 2015 geplant hatte.

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Seit der Einweihung der Versöhnungskirche 1967 ist deren Gesprächsraum für viele Gäste der Gedenkstätte ein geschützter Ort der Ruhe und des Nachdenkens. Auch als Veranstaltungs- und Ausstellungsraum wird er wegen seiner besonderen Atmosphäre geschätzt, in der kalten Jahreszeit dient er als „Winterkirche“. Nach langjähriger Planung konnte die Sanierung des Gesprächsraums, der Büros und der sanitären Anlagen im Sommer 2016 unter Leitung von Johannes Striffler umgesetzt werden. Nach fast 50 Jahren wurden mit Hilfe der EKD und durch öffentliche Zuschüsse die Räume und deren Beheizung in einen zeitgemäßen Zustand versetzt. Von den Gesamtkosten in Höhe von etwa 740.000 Euro trägt die EKD als Eigentümer der Versöhnungskirche den Großteil. Da das Gebäude unter Denkmalschutz steht und bei der Sanierung denkmalpflegerische und ökologische Gesichtspunkte berücksichtigt wurden, sind bisher aus öffentlichen Mitteln Zuschüsse in Höhe von 250.000 Euro zugesagt.


12.10.2016 / Björn Mensing