Versöhnungsgottesdienst in Kitzingen

"Wir brauchen einander"

Die Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin Gisela Bornowski und der katholische Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann überreichen einander die Neuübersetzungen der Lutherbibel und der Einheitsübersetzung.

Ein Zeichen der Hoffnung: Die Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin Gisela Bornowski und der katholische Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann überreichen einander die Neuübersetzungen der Lutherbibel und der Einheitsübersetzung.

Bild: Gerhard Kupfer

Auch in Kitzingen haben Christen einen ökumenischen Versöhnungsgottesdienst gefeiert. Unter dem Motto "Erinnerung heilen" sollte damit an den Beginn der Reformation vor 500 Jahren erinnert werden.

Katholische und evangelische Christen aus Unterfranken haben am Sonntag in der evangelischen Stadtkirche Kitzingen gemeinsam einen Versöhnungsgottesdienst gefeiert. Mit der ökumenischen Feier wollen die großen Kirchen anlässlich der Reformation vor 500 Jahren "Wunden heilen und gemeinsam in die Zukunft blicken", betonten die Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin Gisela Bornowski und der katholische Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann in ihrer Predigt.

Nach Ansicht von Regionalbischöfin Gisela Bornowski sind die beiden großen christlichen Kirchen aufeinander angewiesen: "Wir brauchen einander - auch in unserer Unterschiedlichkeit." Man könne einander ergänzen und "im unterschiedlichen Geschmack, den wir einbringen, dem Wein seine besondere Note geben", sagte sie mit Blick auf das Gleichnis vom Weinstock (Joh 15,1-5). In der säkularisierten Welt würden "die" Kirchen ohnehin "zusammen wahrgenommen", die meisten Menschen unterschieden nicht mehr zwischen evangelisch oder katholisch. Daher seien dogmatische Unterschiede "etwas für Insider", sagte Bornowski: "Die vielen anderen können nicht verstehen, was uns trennt."

Keine Gleichmacherei

Laut Bornowski braucht "unsere Welt und Gesellschaft" das einmütige Christus-Zeugnis mehr denn je. Das gemeinsame Bekenntnis, dass "vor Gott alle Menschen gleich sind, wertgeschätzt und geliebt - egal welche Hautfarbe sie haben oder welche Religion". Die katholische Kirche habe von den Evangelischen "die Liebe zum Wort Gottes" gelernt: "Und wir haben durch unsere katholischen Geschwister die Liebe zur Liturgie und zur Würde der gottesdienstlichen Feier neu entdeckt." Diese versöhnte Verschiedenheit habe "nichts mit Gleichmacherei zu tun", sagte sie. Es bedeute vielmehr, sich gegenseitig Anteil zu geben an der reichen eigenen Tradition und Anteil zu nehmen an der reichen anderen Tradition.

Der katholische Bischof Hofmann rief in seinem Predigtteil die evangelischen und katholischen Christen dazu auf, weiter aufeinander zuzugehen: "Respektieren wir uns gegenseitig, auch wenn wir noch unterschiedliche Sichtweisen im Blick auf die Kirche haben." Der in diesem Jahr aus Altersgründen vermutlich aus seinem Amt scheidende Bischof erinnerte daran, dass Jesus Christus der sei, "der uns verbindet und der - um im Bild des Weinstocks zu bleiben - uns ernährt und zum gemeinsamen Zeugnis befähigt". Rund 500 Jahre nach dem legendären Thesenanschlag Martin Luthers gelte es, in Dankbarkeit "nicht auf das Trennende, sondern auf das Gemeinsame" zu schauen, sagte er.

Der Gottesdienst in der evangelischen Stadtkirche Kitzingen stand unter dem Leitwort "Erinnerung heilen - Jesus Christus bezeugen". Die beiden großen Kirchen wollten mit dem gemeinsamen Gottesdienst im Jahr des 500. Reformationsgedenkens ein Zeichen setzen. An den Gottesdienst schloss sich eine Begegnung an.


13.03.2017 / Daniel Staffen-Quandt (epd)