Versöhnungsgottesdienst in Bamberg

"Unsere Aufgabe ist die Vergebung"

Regionalbischöfin Dorothea Greiner und Domvikar Georg Kestel beim gemeinsamen Versöhnungsgottesdienst in Bamberg

Eine Kerze für jede Selbstverpflichtung: Regionalbischöfin Dorothea Greiner und Domvikar Georg Kestel beim gemeinsamen Versöhnungsgottesdienst in Bamberg

Bild: Thein

Evangelische und katholische Christen haben am Dienstagabend bei einem ökumenischen Buß- und Versöhnungsgottesdienst in Bamberg das Ziel einer "Einheit in versöhnter Verschiedenheit" bekräftigt.

Dabei betonten die Bayreuther Regionalbischöfin Dorothea Greiner und der Bamberger Domvikar Georg Kestel die bereits erreichten Gemeinsamkeiten der christlichen Konfessionen und ermutigten zu weiteren Schritten in der Ökumene. Dazu wurden im Gottesdienst sechs "Selbstverpflichtungen" feierlich verlesen. Darin wird unter anderem zu möglichst zahlreichen Formen von Zusammenarbeit und Dialog aufgerufen und "alles zu unterlassen, was Anlass zu neuen Zerwürfnissen zwischen den Kirchen gibt". Auch konfessionsverbindenden Ehen sollen "alle Hilfestellungen" geleistet werden, um deren ökumenische Grundhaltungen in den Kirchen fruchtbar werden zu lassen.

"Einander von Herzen vergeben"

Auf dem Weg zu einer versöhnten Einheit spiele die gegenseitige Vergebung von konfessionellen Urteilen und Vorurteilen eine entscheidende Rolle, betonte Regionalbischöfin Greiner. "Heute sagen wir: Bruder, Schwester der anderen Konfession, wir wollen einander nichts mehr nachtragen, sondern einander von Herzen vergeben." Dies sei notwendig sowohl im Blick auf die Vergangenheit wie auf die Gegenwart: "Vergebung ist heute unsere Aufgabe, damit wir gerne in die Kirche der anderen Konfession gehen, damit wir die Gefühle der anderen Konfession kennen, mitfühlen oder wenigstens zu verstehen suchen", sagte Greiner.

Nur um Vergebung für etwas zu bitten, was man persönlich mit verursacht habe, sei eine "unchristliche Ideologie", merkte die Regionalbischöfin an. Katholiken und Lutheraner suchen nach ihren Worten in den letzten 50 Jahren bewusst die Gemeinschaft. "Unser Weg zu sichtbarer Kirchengemeinschaft soll eine unüberhörbare Botschaft sein von der Liebe Gottes, die uns untereinander verbindet, damit die Welt an Christus glaube."

Eine lange, leidvolle Geschichte der Trennung

In seiner Ansprache erinnerte Domvikar Georg Kestel an eine "lange, wechselvolle, nicht zuletzt oft leidvolle Geschichte von Konfrontation und Trennung" der christlichen Kirchen. Inzwischen gebe es aber auch eine umfangreiche Geschichte der wechselseitigen Annäherung, des Wiederentdeckens der gemeinsamen Glaubensgrundlage. Dies stärke die Hoffnung auf "einen fruchtbaren, Mut machenden und zukunftsgerichteten Prozess der Heilung unserer Erinnerungen an die Vergangenheit". Die bereits erreichten Erfolge in der Ökumene gelte es auch nach dem Reformationsgedenkjahr weiterzuführen.

Unter dem Leitwort "Heilung der Erinnerung" finden in diesen Tagen bundesweit zahlreiche ökumenische Versöhnungsgottesdienste statt. Den Auftakt machte eine zentrale Feier am 11. März mit dem EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm und dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Reinhard Marx in Hildesheim. Anlass ist das 500. Reformationsjubiläum in Erinnerung an Martin Luthers Thesenanschlag im Jahr 1517.


23.03.2017 / epd