Unterfränkischer Kirchentag

Unterwegs zum Miteinander

Etwa 1800 Menschen strömten zum unterfränkischen Kirchentag.

Etwa 1800 Menschen strömten zum unterfränkischen Kirchentag.

Bild: elkb

Die Wetteraussichten waren nicht die besten für diesen Sonntag - trotzdem hatten sich rund 1.800 Menschen auf den Weg nach Castell zum 8. Evangelischen Unterfränkischen Kirchentag gemacht.

Pünktlich zum Gottesdienstbeginn brach die Sonne durch die Wolkendecke. Dekan Günther Klöss-Schuster war sichtlich froh, als er den 8. Unterfränkischen Kirchentag im Schlossgarten Castell (Kreis Kitzingen) am Sonntag kurz nach 10 Uhr eröffnete - unter freiem Himmel. "Wer hätte das gestern Morgen um 10 Uhr gedacht", rief er den rund 1.600 Festgottesdienstbesuchern zu und fügte ein nicht so ernst gemeintes "Wir wussten es!" hinzu. Zur Sicherheit hatten die Organisatoren zwar ein Festzelt auf einer benachbarten Wiese aufgebaut, das jedoch stand den Kirchentag über leer.

In seiner Predigt bezeichnete der bayerische evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm die Vielfalt in der Kirche als einen "faszinierenden Aspekt". In der Kirche kämen ganz unterschiedliche Menschen zusammen, die sich "sonst vielleicht nie begegnen oder miteinander reden würden", wenn es nicht die Kirche als Bindeglied gäbe. Bedford-Strohm, der auch Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist, forderte die Christen dazu auf, sich trotz möglicher unterschiedlicher Ansichten nicht gegenseitig das Christsein abzusprechen.

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Die einen kritisierten jene, die angeblich dem Zeitgeist huldigten und etwa gleichgeschlechtliche Liebe in der Kirche guthießen. Andere kritisierten wiederum, dass manche Kirchenglieder angeblich nur ihren konservativen Weltbildern hinterherhängen. Diesen "Richtgeist" gelte es zu überwinden, sagte Bedford-Strohm und fragte: "Wenn wir Christen es nicht schaffen, barmherziger miteinander umzugehen, wer dann?" Die Welt brauche dieses Zeugnis - gerade angesichts des oft schon vergifteten politischen Dialogs. Christen müssten sich gegen diese "Atmosphäre des Hasses" stemmen.

Dass der Landesbischof Großveranstaltungen wie Kirchentage zu lieben scheint, konnte man am Sonntag wieder einmal beobachten. Bedford-Strohm zieht sich nach dem Gottesdienst nicht zu einem ruhigen Mittagessen in ein Hinterzimmer zurück, er badet regelrecht in der Menge. Er schaut sich die Stände auf dem Markt der Möglichkeiten an, informiert sich, er signiert Bücher, hört zu, schüttelt Hände - immer ein Lächeln auf den Lippen. Während einige um ihn herum drängeln, den Zeitplan einzuhalten, will Bedford-Strohm sein Ohr am Puls der Volkskirche haben.

Bei der Aktuellen Stunde nach dem Mittagessen brach Bedford-Strohm erneut eine Lanze für die kirchliche Flüchtlingsarbeit: "Wir müssen ausstrahlen, wovon wir sprechen." Das dürfe aber nicht bedeuten, dass man Kritikern der Flüchtlingspolitik automatisch den Hut des Rechtsradikalismus? aufsetze. "Die rote Linie dabei ist für mich Hetze", sagte der EKD-Ratschef. Flüchtlingshilfe dürfe auch nicht als Missionsstrategie missbraucht werden: "Christen helfen Menschen in Not, weil sie Menschen sind, nicht weil sie potenzielle neue Christen sind."

Landesbischof: "Nicht wegschauen!"

Bedford-Strohm betonte, wie wichtig die politische Dimension seines Amtes sei, auch wenn er dafür regelmäßig kritisiert werde. "Man kann bei den Krisen auf der Welt nicht wegschauen und sich hinterher wundern, wenn viele Menschen als Flüchtlinge zu uns kommen", sagte der Theologe. Er müsse sich deshalb auch immer wieder öffentlich gegen eine pauschale Islam-Kritik positionieren. Für die überwiegend friedliche Mehrheit der Muslime weltweit sei es schlimm, mit Extremisten und Terroristen auf eine Stufe gestellt zu werden. "Hier müssen wir differenzieren."

Am Nachmittag standen drei Podien auf dem Programm, die das Kirchentagsmotto "Unterwegs zum Miteinander, miteinander unterwegs" in verschiedenen Facetten beleuchteten: Miteinander der Kulturen, Miteinander der Religionen und Miteinander der Generationen. Neben dem Programm für die Erwachsenen war der Nachwuchs zu einem Kinderkirchentag eingeladen. Auf einer benachbarten Wiese feierten rund 200 Kinder und Eltern gemeinsam Gottesdienst und machten sich anschließend an einer großen Spielstraße auf zu einer Reise rund um die Welt.


20.06.2016 / Staffen-Quandt/epd