Evangelische Jugend Weiden öffnet Türen

„Knockin´ on Heaven´s Door“

Der Kindergottesdienst aus Mantel mit seiner Tür

Ein Apfelbäumchen ziert die Tür von Kindern und Kindergottesdienstmitarbeitenden in Mantel - eine von über 80 Türen, die am 1. Juli in Weiden zu sehen sein werden.

Bild: Annette Punzmann

„Welche Türen müssen wir öffnen für eine zukunftsfähige Gesellschaft?“ hat sich die Evangelische Jugend im Dekanat Weiden  gefragt  – und ein außergewöhnliches Projekt gestartet.

Mit dem Anschlag der 95 Thesen an der Schlosskirche in Wittenberg hat Martin Luther neue Zugänge zur befreienden Botschaft des christlichen Glaubens eröffnet. Dieses zentrale Datum des Reformationsjubiläums hat die evangelische Jugend im Dekanat Weiden dazu inspiriert, danach zu fragen, was sich in unserer Gesellschaft bewegen und öffnen muss. So forderte sie zahlreiche Gruppen dazu auf, Türen zu gestalten für eine tolerante und zukunftsfähige Gesellschaft – im Idealfall 95. Am 1. Juli sollen alle diese Türen im Rahmen der bayernweiten  Kampagne der Evangelischen Jugend „Reformation reloaded“  im Max-Reger-Park in Weiden ausgestellt werden. 

Bayern-evangelisch.de sprach mit  Religionspädagogin Susanne Götte, Öffentlichkeitsreferentin im Dekanat Weiden und eine der Organisatorinnen  über das „Türen-Projekt“.

Frau Götte, die Evangelische Jugend im Dekanat Weiden schreibt zum Reformationsjubiläum keine Thesen, sie gestaltet Türen. Warum?

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Susanne Götte: Wir haben einen eher spielerischen Zugang zu dem Thema gesucht. Martin Luther hat mit seiner reformatorischen Entdeckung  vielen Menschen eine Tür zum Himmel geöffnet –  da passt „Knockin‘ on Heaven’s  door sehr gut. Wie damals beschäftigt uns die Frage: Welche Konsequenzen soll unser Glauben heute haben. Wie können wir heute glaubwürdig leben? Wo brauchen wir Reformen?  Die Reformation war auch eine kulturelle Bewegung: Luther schrieb Kirchenlieder, er gilt als der Erfinder der deutschen Sprache – dieses kulturelle Element haben wir mit der Aktion auch aufgegriffen. Da gibt es viele Anknüpfungspunkte.

Was ist für Sie der Charme dieser Idee? 

Susanne Götte: Von Anfang an haben wir gemerkt:  Das Thema Türen bringt sofort Gedanken in Bewegung. Dazu fällt einem gleich ganz viel ein: Neugier, Märchen mit Türen, neue Räume öffnen, Türen schließen,… Was ich schon gehört habe: Durch das Gestalten der Tür kommen die Menschen noch mehr miteinander ins Gespräch – das tut den Teams gut. 

Wer  ist auf die Idee gekommen?

Susanne Götte: Die Idee, etwas mit Türen zu machen, ist schon bei den ersten Überlegungen zum Jubiläumsjahr entstanden. Die Evangelische Jugend hat zugegriffen und Dekanatsjugendreferent Thomas Vitzthum, Bettina Hahn vom Evangelischen Bildungswerk und ich haben zusammen mit einigen Ehrenamtlichen den Gedanken noch weitergesponnen. Gemeinsam haben  wir Ideensammlungen entwickelt, wie man mit einer Gruppe ins Gespräch kommen kann und diese dann den teilnehmenden Gruppen zur Verfügung gestellt.

Sie veranstalten diese Aktion nicht alleine.

Susanne Götte: Von Anfang an war klar, dass es ein Kooperationsprojekt sein sollteSo sind beispielsweise neben dem Evangelischen Bildungswerk Weiden zwei Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen  mit im Boot: Das Netzwerk Inklusion Landkreis Tirschenreuth und Dr. Loew Sozialen Dienstleistungen aus Wernberg-Köblitz. Das finde ich ganz toll! Denn es war von Anfang an unser Ziel, mit der Aktion Menschen zu erreichen, die eben nicht jeden Sonntag im Gottesdienst sitzen. Wir wollten  ganz unterschiedliche Leute zusammenbringen und anregen, ins Gespräch zu kommen.  Wir haben von Anfang an den Kreis möglichst weit gezogen.

'Ein feste Burg', steht auf der Tür des Bezirksposaunenchors

Die 1. Tür überhaupt wurde Anfang des Jahres während der Bläserfreizeit des Bezirksposaunenchors gestaltet – im Rahmen einer Andacht. Es ist – wie könnte es anders sein – eine musikalische Tür geworden!

Bild: Richard Riedel

Was wollen Sie mit diesen Türen bewirken?

Susanne Götte: Uns war wirklich wichtig, dass da nicht nur bunte Türen abgeliefert werden, sondern diese Türen sollen auch eine Message haben. Zum Beispiel hat der Kirchenvorstand Wernberg-Köblitz seine Tür mit der Botschaft „Steh für deine Werte ein“ verbunden. Das ist eine Tür, die man öffnen kann und dahinter sieht man einen Spiegel. Damit wird die Frage „Wer soll für deine Werte eintreten?“ kreativ beantwortet. Auf eine andere Tür habe Kinder und Mitarbeitende der Kindergottesdienstgruppe in Mantel ein großes Apfelbäumchen gemalt – und auf die Rückseite die sinkenden Zahlen. Die Tür hat eine klare Botschaft: Wir machen weiter! Oder die Konfis aus Weiden: Sie haben in ihre Tür Fernrohre integriert, die Weitblick ermöglichen sollen.

Welche Gruppen haben denn Türen angemeldet?

Susanne Götte: Ich finde es toll, dass Kirchenvorstände mitmachen – das hätte ich so nicht erwartet. Die Klinikseelsorge ist dabei, der Katholische Frauenbund hat sich auch nicht abschrecken lassen,  bei der evangelischen Aktion mitzumachen. Daneben zwei oder drei Posaunenchöre, Schüler mit ihrem Kunstlehrer, Kindergottesdienstteams mit Kindern, Konfirmandengruppen, Flüchtlingsinitiativen, Gruppen von Menschen mit Behinderung – das sind ja auch unsere Kooperationspartner - bis hin zu einzelnen Familien, die auch Lust hatten, gemeinsam etwas zu gestalten.

Gibt es eine Tür, die Sie besonders fasziniert?

Susanne Götte: Das ist schwer zu sagen, weil die Ideen zum Teil so unterschiedlich sind. Es ist ja auch kein Wettbewerb – das widerspricht unserer Zielsetzung. Ich habe erst fünf oder sechs Türen gesehen und bin selbst sehr gespannt!. Da sind internationale Türen oder eine Himmelsleiter, die der Kirchenvorstand von St. Michael in Weiden gestaltet hat.

Schaffen Sie die 95 Türen?

Susanne Götte: Schauen wir mal: Momentan sind 70 Türen angemeldet. Dazu kommen noch die Türen, die direkt am 1. Juli entstehen.

Kann man noch mitmachen?

Susanne Götte: Während des Aktionstags am 1. Juli werden noch zehn bis zwölf weitere Türen unter der Anleitung einer Kunstlehrerin mit Graffiti gestaltet. Vor der Ausstellung sollen die teilnehmenden Gruppen bei uns einen  Türensteckbrief abgeben, in dem die Beteiligten und das Motto der Tür festgehalten sind. Dazu ein paar  Zeilen, was der Gruppe an ihrer Tür wichtig ist. Eine Werkstatt von Menschen mit Behinderung baut extra Ständer, mit denen die Türen dann im Stadtpark aufgestellt werden.

Die Tür des Cafés Farbenfroh zeigt Gesichter aller Hautfarben.

Das Café Farbenfroh in Weiden hat seinem Namen alle Ehre gemacht! Im Rahmen des wöchentlichen offenen Cafébetriebes für Menschen aus verschiedenen Ländern wurde eine Tür der Toleranz gestaltet.

Bild: Christina Bülling

Was ist für den 1. und 2. Juli geplant?

Susanne Götte: Das wird ein richtiges Jugendfestival. Es spielen Bands aus der Weidener Szene, es gibt verschiedene Aktionen im Park, eine Reformations-Rallye, Menschenkicker, Slacklines, Hüpfburg, Graffiti-Türen gestalten und anderes.

 Selbstverständlich beteiligen wir uns an der bayernweite Aktion der Evangelischen Jugend „Reformation Reloaded“. Am  1.7.  um 17.17 Uhr läuten auch in Weiden die Glocken, um an den Thesenanschlag vor 500 Jahren zu erinnern.  Dort werden auch der Dekan und der Oberbürgermeister, der auch Schirmherr unserer Aktion ist, Grußworte sprechen. Am Sonntagvormittag feiern wir mit der Weidener Kirchengemeinde St. Michael einen Familiengottesdienst. Und noch während der  Serenade der Stadt Weiden um 16 Uhr können die Türen im Max-Reger-Park besichtigt werden.

Was geschieht denn danach mit den Türen?

Susanne Götte: Das entscheidet jede Gruppe selbst. Manche Türen werden noch einmal ausgestellt – wie die Türen aus dem Landkreis Tirschenreuth. Eine Kirchengemeinde bezieht ihre Tür ins Gemeindefest mit ein, andere stellen die Tür im Kirchengarten aus.

Also wenn man alle Türen sehen will, muss man am 1. oder 2. Juli nach Weiden kommen?

Susanne Götte: Ja, das ist eine einmalige Ausstellung. Am Samstag, den 1. Juli um 13.00 Uhr geht es los. Es lohnt sich!

Zur Person

Susanne Götte, Bild: © privat

Susanne Götte

Die Religionspädagogin  ist Öffentlichkeitsreferentin im Dekanat Weiden und Mitinitiatorin des Projektes "Knockin' on Heaven's Door".


19.06.2017 / ELKB