El Salvador

Traumazentrum eröffnet

Münchens Stadtdekanin Barbara Kittelberger spricht bei der Ordination von 14 Pfarrerinnen und Pfarrern in San Salvador.

Stadtdekanin Barbara Kittelberger und Christiane Frey, Vorsitzende des El Salvador Ausschuss in München, überbringen die Grüße des Dekanats.

Bild: Frey

Während eines Partnerschaftsbesuches bei der lutherischen Kirche in El Salvator hat Münchens Stadtdekanin Barbara Kittelberger ein neues Traumazentrum in San Salvador eingeweiht.

Dort sollen Opfer von Gewalt und gescheiterte Flüchtlinge begleitet werden und PfarrerInnen und Ehrenamtliche fortgebildet werden. Das Dekanat München pflegt seit 1992 enge Beziehungen zur Lutherischen Kirche von El Salvador.

Gerade in El Salvador, einem Land, in dem die vielfältigen Traumata des Bürgerkriegs von 1980 – 1992  (Folter, Verschleppung, Mord an Familienangehörigen) in der Nachkriegszeit nur unzureichend aufgearbeitet wurden, sei  eine solche Traumaarbeit dringend notwendig, berichtet der Referent im Kirchenkreis München, Diakon Dietmar Frey, der im Dekanat München für die Notfallseelsorge zuständig ist und das Projekt von Anfang an begleitet hat.

Die Reise in Bildern

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Schon 2012 hatte das Dekanat München mit der Partnerkirche ein Abkommen geschlossen, in dem das Dekanat seine Unterstützung der Traumaarbeit in El Salvador zusagte: Innerhalb von zwei Jahren hatte die Stiftung Wings of Hope als Partnerorganisation eine Gruppe von PfarrerInnen und Sozialpädagogen in Traumaarbeit ausgebildet. Eine weitere Ausbildung für den lutherischen Kirchenbund der mittelamerikanischen Kirchen (CILCA) folgte.

Frey berichtet, dass Mitarbeiter der Ausbildungsgruppe bei dem letzten Vulkanausbruch in Guatemala Ende 2018, bei dem zahlreiche Menschen ums Leben kamen bereits als Experten in der Kathastrophenhilfe eingesetzt wurden und bei der Betreuung der Betroffenen in den Krisengebieten halfen.

Rasch  war die Notwendigkeit erkannt worden, die Ausbildung kontinuierlich fortzusetzen, um einen spezielle Fachdienst für Menschen anbieten zu können, die unter posttraumatischen Stress leiden. "Ziel ist, die begonnene Arbeit zu verstetigen und eine Anlaufstelle für Betroffene zu schaffen", so Diakon Dietmar Frey.

Vielfältige Gewalterfahrungen

Denn die Zahl der Menschen, die in El Salvador unter Gewalt leiden ist nach wie vor sehr hoch. Mangel an Bildungsmöglichkeiten und Perspektivlosigkeit bereitet den Boden für organisierte Kriminalität. Gangs verübten im Durchschnitt 10 – 20 Tötungen pro Tag, was El Salvador zu einem der gewalttätigsten Ländern der Welt mache. Dazu gehörte innerfamiliäre Gewalt gegen Frauen, Kinder und Jugendliche zum Alltag vieler Gemeindemitglieder in El Salvador. “Die Pastoren und Pastorinnen, auch die LaienleiterInnen sind gefordert um den betroffenen Familien Hilfe leisten zu können.“

Eine weitere Zielgruppe seien die zurückgekehrten Flüchtlinge, Menschen, die auf der der Suche nach sozialer Sicherheit abgewandert seien und auf der Flucht in die USA aufgegriffen und nach Hause geschickt wurden. Sie hätten auf ihrer Flucht durch Guatemala, Mexiko und in den Vereinigten Staaten von Amerika vielfältige Menschenrechtsverletzungen erfahren. Ein Arbeitsbeschaffungsprogramm mit Kleinkrediten und die traumatologiesche Begleitung der Betroffen ständen hier im Vordergrund, berichtet Frey. Der Dekanatsbezirk München werde in den nächsten Jahren ein Seelsorgeprogramm und die traumatologische Begleitung der Migranten in El Salvador fördern.

Das Traumazentrum wurde aus Mitteln des Dekanats München, der Landeskirche, der Stiftung Wings of Hope und des kirchlichen Parrtnerschaftszentrums Mission Eine Welt (Neuendettelsau) finanziert.


14.08.2019 / ELKB