Trauerfeier für Trutz Rendtorff

Abschied von einem "scharfsinnigen Geist"

Trutz Rendtorff

An Heiligabend ist der bekannte Theologe Trutz Rendtorff im Alter von 85 Jahren verstorben. Nun wurde der hochangesehene Wissenschaftler im Beisein von zahlreichen Weggefährten beigesetzt.

Bild: Dekanat der Evangelisch-Theologischen Fakultät an der LMU München

Bei einer Trauerfeier haben am Dienstag Weggefährten Abschied von dem Theologen Trutz Rendtorff genommen.

Die Regionalbischöfin und Ständige Vertreterin des Landesbischofs, Susanne Breit-Keßler, würdigte Rendtorff in ihrer Ansprache in der Münchner Apostelkirche als "rundum gebildeten Intellektuellen", "scharfsinnigen Geist" und "hochangesehenen Wissenschaftler". Der international renommierte evangelische Theologe war an Heilig Abend nach längerer schwerer Krankheit im Alter von 85 Jahren in München gestorben.

Zitat

Trutz Rendtorff hat entscheidende Impulse für grundlegende Positionen der EKD im kirchlich-gesellschaftlichen Diskurs gegeben. Die evangelische Kirche gewann durch ihn an Demokratiefähigkeit, die es immer wieder neu zu erringen und zu bewahren gilt... Nicht wenige sehnen sich ängstlich nach einer Orientierung, die genau genommen sich einer totalen, uninformierten, bildungslosen Autorität annähert. Demgegenüber gilt es das Rendtorffsche Postulat der verantworteten Freiheit hochzuhalten."

Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler

Man müsse Rendtorff rühmen, "wie sehr er bemüht war, seiner Kirche auf die Sprünge zu helfen", sagte Breit-Keßler weiter. Die bayerische Landeskirche und die Evangelische Kirche in Deutschland hätten Rendtorff viel zu verdanken. Der Sozialethiker habe sich für ein offenes Christentum und einen Protestantismus als "Institution der Freiheit" eingesetzt. Außerdem habe die Kirche durch ihn an Demokratiefähigkeit gewonnen.

Rendtorff gehörte jahrzehntelang zu den einflussreichsten Stimmen der evangelischen Kirche. Von 1968 bis 1999 lehrte der aus Schwerin stammende Theologe in München Systematische Theologie. Als führender Sozialethiker prägte er lange das Verhältnis von Kirche und Staat und beschrieb ethische Grundpositionen der Kirche. So brachte er zum Beispiel die Friedensdenkschrift (1981), die Demokratiedenkschrift (1985) und die Wirtschaftsdenkschrift (1991) mit auf den Weg.

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Rendtorff wurde in eine Theologenfamilie hineingeboren. Sein Urgroßvater war Sekretär von Johann Hinrich Wichern, dem Begründer des evangelischen Sozialwesens in Deutschland. Sein Vater Heinrich war Landesbischof von Mecklenburg und stand der "Bekennenden Kirche" nahe. Weil Rendtorff überzeugt war, dass Glaube niemals Privatsache sein dürfe, trat er immer für die öffentliche Verantwortung der Kirche ein. Als erster protestantischer Theologe wurde er 1993 in den Senat der Max-Planck-Gesellschaft berufen.

Im Anschluss an die Trauerfeier wurde Rendtorff auf dem Sollner Waldfriedhof beigesetzt.


11.01.2017 / epd