Jugendliche aus Tansania in Augsburg

Den Alltag mit anderen Augen sehen

Die tansanischen Gäste mit ihren Augsburger Gastgebern an einem Marktstand

Heidelbeeren probieren muss sein für die tansanischen Gäste der Evangelischen Jugend Augsburg – (v.li. Tim, Gloria, Michael, Dekanin Doris Sperber Hartmann, Oni, Stelle, Johannes, Neema)

Bild: Evang.-Luth. Dekanat Augsburg

In diesen Tagen feiert das Dekanat Augsburg das 40-jährige Bestehen seiner Tansaniapartnerschaft. Pünktlich dazu sind acht Jugendliche aus der Partnerdiözese bei der Evangelischen Jugend zu Gast.

„Dankeschön“ sagen Neema, Stella und Gloria aus dem ostafrikanischen Tansania und genießen mit einem breiten Grinsen ihre bayerischen Butterbrezen. Ein paar deutsche Wörter haben die Mädchen schon gelernt. Sie sind Teil einer achtköpfigen Delegation aus Tansania, die derzeit im Rahmen einer Jugendbegegnungsmaßnahme Augsburg besucht. Drei Wochen verbringen sie gemeinsam mit deutschen Jugendlichen im Alter von 18 bis 28 Jahren. Eingeladen dazu hat die Evangelische Jugend Augsburg.

„Tuwe pamoja, tuwe baraka! Lasst uns einander Segen sein!“  Unter diesem Motto hat das Dekanat Augsburg am vergangenen Sonntag in der St. Anna Kirche das vierzigjährige Bestehen der offiziellen Partnerschaft mit der Südzentraldiözese Tansania gefeiert. In der Jugendbegegnung wird dies ganz konkret: Auf dem Programm stehen Freizeitaktivitäten aber auch Diskussionen und Seminararbeit. Die Verständigung funktioniert auf Englisch oder Kisuaheli. Das gegenseitige Interesse an Kultur, Geschichte, den persönlichen Lebensumständen und der Religion ist groß.

Ähnliche Traditionen 

Dekanin Doris Sperber-Hartmann führt die Gruppe durch das Museum „Lutherstiege“ und ist beeindruckt vom Wissen der tansanischen Gäste: „Sie haben sich hervorragend vorbereitet und wissen viel über Martin Luther und die Reformation.“ Dass die Traditionen ähnlich sind, beweist Pfarrer Mataeo Sanga, der ein Lutherlied seiner tansanischen Gemeinde anstimmt.

Aber auch Unbekanntes entdecken die Gäste. Besonders beeindruckt sind sie vom Neuschnee im Kleinwalsertal, den hohen Häuser in Augsburg und dem nachhaltigen Mülltrennungssystem.

Die Deutschen sind vor allem vom sozialen Miteinander begeistert. „Obwohl wir uns erst kurz kennen, habe ich hier besondere Freunde gefunden. Im Gegensatz zu uns können sie auch richtig gut zuhören“, stellt Tim fest. Michael hat Gemeinsamkeiten mit Chesco gefunden: „Familie ist für uns beide sehr wichtig. Deshalb sind wir schnell miteinander ins Gespräch gekommen. Wir haben uns über unsere Beziehungen zu unseren Eltern und Großeltern ausgetauscht. Das war sehr, sehr persönlich und ganz schön emotional.“

Den Alltag mit anderen Augen sehen 

Und eine weitere Erfahrung hat Michael gemacht: „Es ist voll cool mit den Tansaner unterwegs zu sein, denn man sieht den Alltag in Augsburg plötzlich mit ganz anderen Augen – da wird eine Rolltreppe auf einmal zu was ganz Besonderem“.

Die Partnerschaft des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Augsburg mit den Gemeinden Tandala und Ludewa hat eine lange Tradition. Die ersten Kontakte entstanden 1965. Während zunächst eher die einseitige Hilfe für die tansanischen Gemeinden im Vordergrund stand, entwickelte sich die Partnerschaft über die Jahre zu einem Miteinander, von dem beide Seiten profitieren und „Asante Sana - Dankeschön“ sagen können. Heute gestalten die Partner ihre Projekte gemeinsam. Hilfe zur Selbsthilfe steht dabei im Vordergrund. Gemeinsame Themen sind Ökologie, Flüchtlingsarbeit und Spiritualität.


22.08.2016 / Irmgard Hoffmann/elkb