Tag der Arbeit 2016

Arbeitswelt im Wandel

Demonstration Kitzingen fehrerübernahme afa

Kirchliche Vertreter engagieren sich für die Belange der Arbeitnehmer, wie hier in Kitzingen. Bei den Kundgebungen zum 1. Mai sprechen sie an vielen Orten.

Bild: afa

Solidarität und Selbstbestimmung sind kirchliche Anliegen, so Prof. Dr. Johannes Rehm (kda) in seinem Beitrag für kirche + arbeit. Im Überblick: Alle Mai-Kundgebungen mit kirchlichen Vertretern.

Vor uns liegt der 1. Mai. Bei den landauf landab stattfindenden Kundgebungen des DGB zum Tag der Arbeit ist es vielerorts bewährte Praxis, dass Kirchenvertreter Grußworte sprechen und sich an den Aktivitäten beteiligen. In diesem Jahr fällt der 1. Mai auf einen Sonntag, was es noch augenfälliger werden lässt, dass dieser weltliche Feiertag mannigfaltige kirchliche Bezüge aufweist.

Doch nicht nur bei dieser herausgehobenen Gelegenheit, sondern das ganze Jahr über wird zwischen Gewerkschaften und Kirchen eine intensive Zusammenarbeit gepflegt. Bei den Allianzen für den freien Sonntag, bei sozialen Foren und Netzwerken sowie aktuell bei Protestaktionen gegen die umstrittenen Freihandelsabkommen engagieren sich Gewerkschafter und Kirchenleute „Seit an Seit“. Häufig wird die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern durch die Mitarbeitenden des kda vertreten.

 

Veranstaltungen mit kirchlichen Vertretern am 1. Mai

Ingolstadt

 Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm predigt im Gottesdienst zum 1. Mai in Ingolstadt in St. Matthäus, Schrannenstraße 7, um 9.30 Uhr. Anschließend nimmt er bei der zentralen Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes am Paradeplatz ab 10.30 Uhr mit einem Wortbeitrag teil. Auch der Synodale und Vorsitzende des DGB Bayern, Matthias Jena, wird sprechen. Der kda und die evangelische Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (afa) haben einen Infostand.

Schweinfurt

 Der kda, die afa und die Kirchengemeinde Gustav-Adolf laden zu einem sozialpolitischen Gottesdienst am Sonntag, 1. Mai 2016, um 9 Uhr in die Gustav-Adolf-Kirche ein. Sie gestalten den Sonntagsgottesdienst zum Thema „Endlich SONNTAG“ am „Tag der Arbeit 2016“, es predigt Evi Pohl. Im Anschluss findet um 11 Uhr die Kundgebung des DGB mit Maifest am Georg-Wichtermann-Platz statt.

Wunsiedel/Selb

 Am 30. April ist die Bauwagenkirche in Selb zu sehen. Klaus Hubert uns Sozialsekeretär Gerhard Strunz werden informieren. Am 1. Mai reist Gerhard Strunz nach Wunsiedel, dort findet im Gasthof „Goldener Löwe“ um 10 Uhr die zentrale Veranstaltung statt.

München

 Die Bauwagenkirche reist nach Süden und ist am 1. Mai in München zu sehen. Stefan Helm, Pfarrer Peter Lysy sind die kirchlichen Ansprechpartner des kda und stehen ab 11 Uhr am Marienplatz an einem eigenen Stand für Gespräche zur Verfügung.

Nürnberg

 Bei der zentralen Kundgebung in Nürnberg, ab 11 Uhr auf dem Kornmarkt, betreuen Dorothea Kroll-Günzel und Pfarrerin Dr. Sabine Behrendt den Infostand des kda.

Rothenburg o.T.

 In Rothenburg ob der Tauber findet um 10 Uhr die Kundgebung auf dem Grünen Markt statt. Norbert Feulner vom kda spricht ein Grußwort.

Ansbach

 Ein Grußwort spricht auch der Leiter des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (kda), Prof. Dr. Johannes Rehm auf der Kundgebung in Ansbach auf dem Martin-Luther-Platz, Beginn ist um 10 Uhr.

Und nicht zuletzt kommt unseren Ehrenamtlichen der Aktionsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen dabei eine wichtige Scharnierfunktion zwischen Kirche und säkularer Arbeitswelt zu. Bei all den genannten Aktivitäten handelt es sich nicht um das „Privatvergnügen“ einiger Engagierter, sondern sie geschehen im kirchlichen Auftrag und bilden ein sozialethisches Anliegen christlichen Glaubens ab. Dies bringt die jüngste Denkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland „Solidarität und Selbstbestimmung im Wandel der Arbeitswelt“ in wünschenswerter Deutlichkeit zur Sprache und stärkt damit allen ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitenden in diesem kirchlichen Arbeitsfeld den Rücken.

Gerade für die evangelische Kirche ist der Beruf in der Alltagswelt von jeher der Ort unserer Glaubenspraxis, denn dass „der Mensch von Gott beauftragt ist, in der Schöpfung zu arbeiten, sie zu gestalten und zu bewahren und dies in Kooperation mit anderen zu tun, ist grundlegende christliche Überzeugung“ (Denkschrift, Seite 9).

 

Denkschriften sind keine unfehlbaren Lehräußerungen im katholischen Sinn, aber sie bilden einen „stellvertretenden Konsens“ in unserer Kirche ab. Diese Denkschrift wurde nötig durch den aktuell stattfindenden Prozess eines weitreichenden Wandels der Arbeitswelt. In diesem gilt es „zu berücksichtigen, dass unsere Arbeits- und Wirtschaftsordnung insgesamt so umgestaltet werden muss, dass sie nachhaltig, das heißt sozial, ökologisch und ökonomisch ist und so der Verantwortung für die Welt gerecht wird“(Denkschrift, Seite 14). Verhängnisvolle Fehlentwicklungen in unserer Marktwirtschaft wie überbordende Kapitalanhäufungen sowie entwürdigende, weil ausbeuterische Beschäftigungsverhältnisse einschließlich von Gesundheitsgefährdungen werden als nicht hinnehmbar gebrandmarkt.

Die Verfasser der Denkschrift plädieren für eine Machtbegrenzung: „In der Bibel sind solche Gesetze, die Arbeiter vor Übergriffen und Ausbeutung schützen oder ökonomische Mechanismen wie Wucherpreise, -zinsen oder dauerhafte Abhängigkeit durch Schuldknechtschaft begrenzen, aus dem Glauben an den befreienden Gott niedergelegt. Sie prägen unsere jüdisch-christliche Kultur mit ihren spezifischen Vorstellungen von Freiheit, Gerechtigkeit, Verantwortung vor Gott.

Unter Berufung auf Gott selbst, der über aller innerweltlichen Macht steht, werden weltliche Machtkonstellationen relativiert und geregelt, Konfliktmechanismen und Formen des Rechts etabliert.“ (Denkschrift Seite 16) Vor diesem Hintergrund wird eine kirchliche Wahrnehmung von Arbeitswelt immer kritisch ausfallen. Sie wird sich aber auch nicht in Kritik erschöpfen, sondern eine Perspektive der Hoffnung aus Glauben aufzeigen: „In biblischer Perspektive ist das Zielbild eine Gesellschaft, in der Menschen miteinander unter Gottes Segen leben und arbeiten, es ist eine Gesellschaft ohne unterwürfiges Ducken und Streben, ohne Demütigung in entwürdigender Unterordnung.“ (Denkschrift, Seite 94f.) Diese Perspektive immer neu einzubringen und zu konkretisieren, bildet auch künftig einen zentralen kirchlichen Auftrag.

Zur Person

Dr. Johannes Rehm, Bild: © ELKB

Prof. Dr. Johannes Rehm

Prof. Dr. Johannes Rehm ist Leiter des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (kda) und Mitglied der Landessynode der ELKB. Der kda hält Kontakt zu Organisationen und Verbänden in Arbeit, Wirtschaft und sozialer Sicherung. Er berät und unterstützt Gemeinden, Dekanate und gesamtkirchliche Dienste bei der Auseinandersetzung mit Arbeits- und Wirtschaftsfragen sowie bei sozialen Fragen. Sonntagsschutz sowie gerechte Löhne und Arbeitsbedingungen sind nur drei der zahlreichen Themen des kda. 


27.04.2016 / ELKB