Reformprozess

Synodalpräsidentin: „Die Reformation geht weiter“

Synodalpräsidentin Annkathrin Preidel

Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel

Bild: ELKB / Rost

Was bleibt vom Reformationsjubiläum 2017? Ein umfangreicher Reformprozess zur Zukunft der Landeskirche, betonte Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel bei einem Vortrag in Erlangen.

Sehr bald schon sei es klar gewesen, berichtete Preidel vor dem Frauentreff der Egidienkirche Erlangen-Eltersdorf,  „dass unsere Landeskirche das Jubiläumsjahr nicht nur als ein Jahr der großen Events feiern sollte, sondern dass wir 2017 auch inhaltliche Akzente setzen müssen, um die Stellschrauben für die Zukunft unserer Landeskirche zu justieren.“ Die Kirchenleitung  habe die Reformation wörtlich nehmen und nicht alles beim alten belassen wollen. Preidel: "Wir wollten die große Ernüchterung im Jahr 2018 nicht riskieren, zu erkennen, dass sich die säkulare Welt einfach weiterdreht und die Jahre nach 2017 einfach weitergezählt werden, ohne dass etwas geschehen wäre, was die nichtkirchliche und die kirchliche Welt in Begeisterungsstürme versetzt und geistlich, theolo­gisch und kirchengeschichtlich der Rede wert gewesen wäre!"

Zitat

Uns war bewusst, dass wir nur dann wirklich Kirche in die Zukunft führen, wenn wir uns von einer anspruchsvollen Idee der Reformation der Kirche leiten lassen. Als Christen und als Kirche sind wir diejenigen, die herausgerufen sind, um das Licht der Welt und das Salz der Erde zu sein."

Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel

Zwar könnten nicht die Christen, sondern nur Christus die Kirche erhalten und retten. Darum gelte es die Hoffnung auf Gottes kirchen-, welt- und menschenverändernde Kraft zu setzen. „Wir dürfen als Kirche getrost die Hände in den Schoß legen und hoffen, dass Christus in seiner Kirche und in seiner Welt neu zur Welt kommt.“ Auf der anderen Seite aber sei die Kirche in die Nachfolge Christi gerufen und müsse in seinem Geist ein lebendiges Zeichen des Evangeliums und der Güte der Schöpfung sein. „Gott ist und bleibt das Subjekt. Aber er ruft uns in seinen Dienst.“

Das bedeute für eine Kirche im Geist der Reformation zweierlei: Einerseits dürfe sie sich nicht damit zufriedengeben, alles beim Alten zu lassen und über die Köpfe ihrer Mitglieder hinwegzureden. Andererseits „muss sie sich damit zufriedengeben, dass sie aus der Gnade Gottes lebt und dass ihr diese Gnade genügen muss“. Die Kirche dürfe weder aufhören mit Gott zu rechnen noch damit, Licht der Welt zu sein, so die Synodalpräsidentin.

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Nach einer Zeit der Entwicklung von Zukunftsvisionen seien dann bei der Landessynode in Coburg Leitsätze  für den Reformprozess abgestimmt und „in großer Einmütigkeit“ beschlossen worden, „die Kirche Jesu Christi nicht in einer Haltung des Strukturkonservatismus, sondern des Kulturwandels weiterzuentwickeln". Dabei seien drei Überzeugungen leitend gewesen. Erstens: Die Kirche müsse vom biblischen Auftrag herkommen, zu den Menschen gehen und konsequenter in Räumen denken. Zweitens: Es brauche eine Gemeinsame Strategie, die auf allen Ebenen Kreativität freisetze. Und sie müsse drittens im Geist eines Evangeliums unterwegs sein, das nichts beim Alten belasse. „Erst wenn die Verlockung einer erneuerten Kirche größer ist als die Angst vor dem Verlust des Alten, öffnet sich Raum für Neues.“

Zitat

Weil der Ursprung der Kirche diese Quelle des lebendigen Wassers ist, kann die Kirche Jesu Christi keine erstarrte, in sich selbst verkrümmte Kirche sein. Von ihr müssen Ströme des lebendigen Wassers fließen.“

Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel

Gerade im System Kirche gehe die theologische Beschwörung des Neuen mit einem tiefsitzenden Wunsch nach der ewigen Wiederkehr des Gleichen einher. „Aber die vertraute institutionelle Form der Kirche ist nicht die einzig wahre Kirche. Es kann nicht das Ziel sein, sie um jeden Preis zu retten.“Es könne aber auch  nicht das Ziel sein, messbare Quoten kirchlicher Beteiligung zu maximieren. Das eigentliche Ziel sei ein Prozess der geistlichen Erneuerung. Die Verheißung der Offenbarung „Siehe ich mache alles neu“ dürfe von Seiten der Kirche nicht mit der Versicherung verwechselt werden, dass alles Alte bewahrenswert sei. „Denn nicht alles, was war und ist, war und ist gut. Alles hat seine Zeit. Diese Zeit kann irgendwann enden.“

Die Unzufriedenen wahrnehmen

Ein solcher Prozess stehe und falle mit Menschen, die Lust auf Veränderung haben - Lust, „mit der altvertrauten Kirche Feste des Nichtwiedererkennens zu feiern, auf denen sich zeigt, was Kirche sein könnte.“ Eine evangelische Kirche, die nicht mit der Rechtfertigung allein aus Gnade zufrieden sei, laufe Gefahr, ihrem Herrn und sich selbst untreu zu werden. „Eine Gefahr für die Kirche ist aber auch eine Kirche, die so mit sich selbst zufrieden ist, dass sie diejenigen nicht mehr wahrnimmt, die nicht mit ihr zufrieden sind weil sie die Hoffnung nicht aufgegeben haben, dass die Kirche zumindest einen Vorschein der Versöhnung und des Friedens Gottes widerspiegelt." Aber genau hier müsse "Profil und Konzentration" ansetzen. Die ELKB müsse eine Kirche werden, "die offen zur Menschheit hin ist".


23.11.2017 / ELKB