Synodaltagung in Coburg

Experimente der Veränderung wagen

Feierliche Eröffnung der Landessynodaltagung in St. Moriz Coburg. Ein Beitrag von Axel Mölkner-Kappl.

Bei strahlendem Sonnenschein wurde die Frühjahrstagung in der Morizkirche in Coburg eröffnet. Synodalpräsidentin Preidel stellte „Ecclesia semper reformanda“ ins Zentrum ihrer Eröffnungsansprache.

Traditionell beginnt die Landessynode mit einem Gottesdienst. Denn darin unterscheidet sich eine Synode von einem Parlament: Die demokratisch von allen 13.000 bayerischen Kirchenvorstehern gewählten Synodalen wissen, dass nicht sie die oberste Instanz der Kirche sind, sondern Gott. Sie bitten um den Segen für die Entscheidungen und Beratungen. Der kammermusikalisch anspruchsvoll gestaltete Gottesdienst fand in der Kirche St. Moriz in Coburg statt. Die älteste Stadtkirche Coburgs hat eine traditionsreiche Geschichte: Hier hat Martin Luther an Ostern 1530 gepredigt. 

In ihrer Predigt verglich Pfarrerin Kathrin Oxen vom Institut für Predigtkultur der EKD die ungewisse Situation Martin Luthers auf der Veste Coburg 1530 mit der Situation der Christen heute, die danach fragen, wie es mit der Kirche wird. Sie berichtete von der Lutherstadt Wittenberg, in der „christlich“ die Ausnahme ist. “Wie soll es weitergehen? Wir denken in diesem Jahr verstärkt an Martin Luther. An die Reformation, die er angestoßen hat. Und wir spüren trotz aller Bemühungen um zeitgemäße Interpretation dieses Ereignisses: Es ist lange her. Es ist viel Zeit vergangen."

 

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"Die Gestalt der Kirche hat sich verändert", sagte die Predigerin. "Sie hatte immer etwas mit den herrschenden Verhältnissen zu tun. 500 Jahre nach der Reformation verändert sie sich weiter. Und es geht uns wie Martin Luther damals auf der Veste Coburg. Er konnte auch nicht in die Zukunft sehen.“ Dennoch gebe es keinen Grund zur Angst. Christen seien immer wenige gewesen. „Wo die vielen sind, wo die Macht ist - oder nennen wir es Einfluss oder eine wichtige Rolle in der Gesellschaft - wo Geld und Besitz sind, da gehören die, die mit Jesus gehen, eigentlich nicht hin. Auch nicht nach oben … sondern nach unten, mitten in die Welt.“

Die Beratungen im Plenum im Kongresshaus Rosengarten starteten am Montag, 27. März, um 9 Uhr mit der Eröffnungsansprache der Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel. Preidel schlug den Bogen von der Reformation 1517 bis in das Jahr 2067: „Die Zukunft wird nur dann die Zukunft der Kirche sein, wenn sich die Kirche der reformatorischen Ideen und der kritischen Geister besinnt, die sie immer wieder inspirieren.“ Dabei dürfe die Kirche nicht an ihrer eigenen bleiernen Schwere und Behäbigkeit untergehen, sondern müsse immer wieder neu zum Ort der Inspiration und zu einem Stein des Anstoßes werden, der Kreise ziehe, so Preidel. „Als Kirche leben wir in der Kraft des Heiligen Geistes. Wir müssen den Wind der Veränderung unserer Welt nicht fürchten, weil Gott selbst der große Weltveränderer ist. Wir sollten daher nicht den Fehler machen, uns einzuigeln, sondern als Kirche des Geistes und des frischen Windes selbst Experimente der Veränderung wagen.“

Das Bekenntnis zur Herkunft und das Bekenntnis zur Zukunft schließen sich nach Preidels Worten nicht aus. „Ecclesia semper reformanda“: Was könnte es für die Volkskirche der Zukunft heißen, eine Kirche zu sein, die sich immer aufs Neue reformiert? Dieser Frage werden die Synodalen im Schwerpunktthema „Profil und Konzentration“ nachgehen. Und auch der zweite Höhepunkt der Tagung richte sich auf „das Wesentliche“: Die Synode wird die Änderung der Kirchenverfassung diskutieren, mit der die Barmer Theologische Erklärung bleibend in den Grundartikel der Kirchenverfassung geschrieben wird. Preidel: „Dass wir uns vom Grundartikel unserer Kirchenverfassung bleibend an die Barmer Theologische Erklärung erinnern lassen wollen, ist für mich ebenfalls ein Zeichen von Profil und ein Zeichen der Konzentration unserer Kirche auf das Wesentliche.“

„Wir dürfen als Weltchristenheit nicht ausruhen, sondern müssen die befreiende Kraft des Evangeliums unter neuen sozialen, kulturellen, religiösen und politischen Umständen immer wieder aufs Neue zur Geltung bringen“, forderte die Synodalpräsidentin in ihrer Eröffnungsansprache. "Wir dürfen nicht ausruhen, sondern haben das Erbe der Reformation in der globalen Welt weiterzugeben. Im Auftrag Jesu Christi müssen wir Verantwortung für die Eine Welt übernehmen und diese Eine Welt in Frieden, Solidarität, Gerechtigkeit und Fairness neu gestalten. Wir dürfen uns nicht lähmen lassen von den Unkenrufen derer, die um ihre Bequemlichkeit und ihren Wohlstand fürchten. Wir müssen die Grenzen überwinden, die wir heute angesichts der Allgegenwart der Ökonomisierung des Lebens und der Ressourcen dieser Erde erleben. Wir müssen den Rahmen sprengen und Schwellen überschreiten – so wie es Katharina von Bora in der Freiheit eines Christenmenschen getan hat!“


27.03.2017 / ELKB