Simultankirche des Jahres

Zwei Gotteshäuser mit gemeinsamer Geschichte

St. Ägidius in Thumsenreuth

Eine der beiden Simultankirchen des Jahres 2018: St. Ägidius in Thumsenreuth

Bild: Stefan Gruber

Für 2018 wurden erstmals zwei Kirchen als "Simultankirchen des Jahres" ausgewählt: St. Leonhard in Krummennaab und St. Ägidius in Thumsenreut im Dekanat Weiden in der Oberpfalz.

Bereits seit Jahrhunderten gibt es zwischen den beiden Kirchen vielfältige Beziehungen.  Die Gründung der Pfarreien war von der christlichen „Urpfarrei" in Windischeschenbach ausgegangen. Im Jahr 1663 wurde das Simultaneum im damaligen Amt Parkstein-Weiden eingeführt. 1930 wurde es in Krummennaab, 1935 in Thumsenreuth aufgelöst. Die katholischen Gemeinden erhielten eine Ablöse und bauten sich jeweils ein neues Gotteshaus am Ort.

St. Leonhard in Krummennaab

St. Leonhard in Krummennaab

St. Leonhard in Krummennaab

Bild: Stefan Gruber

Die Kirche wurde um das Jahr 1440 auf Veranlassung von Kaspar Trautenberger zu Reuth errichtet und „Unserer Lieben Frau" geweiht. Ein großer Dorfbrand zerstörte 1731 auch die Kirche. Für den Wiederaufbau verwendete man die erhalten gebliebenen Mauern, gotischen Pfeiler und Spitzbogenfenster. Der barocke Hochaltar, flankiert von Joachim und Anna (Eltern der Gottesmutter Maria), kam zu dieser Zeit in die Kirche. 1757 wurde an der Westfassade ein Turm aus Granitquadern errichtet.

Die endgültige Auflösung des Simultaneums kam 1930 zustande. Einen, dem heiligen Leonhard geweihten, barocken Seitenaltar entfernte man in diesem Zusammenhang aus der Kirche. Die katholische Pfarrei baute sich eine eigene Pfarrkirche am Ort. In St. Leonhard wurden weitere katholische Elemente wie der Tabernakel entfernt.

St. Ägidius in Thumsenreuth

St. Ägidius in Thumsenreuth

Details in St. Ägidius in Thumsenreuth

Bild: Stefan Gruber

Das heutige Aussehen der Kirche wurde vor allem im 17. und 18. Jahrhundert geprägt. Aus dieser Zeit stammt der Gemäldezyklus zu Geschichten aus Bibel an der Decke des Langhauses. An der Brüstung der Empore ist das Ehewappen der Familie derer von Lindenfels-Trautenberg zu finden. Die Familie von Lindenfels ist seit 1661 eng mit dem Gotteshaus verbunden, ließ 1715 den Turm, die Sakristei, die Adelslogen und den Chor neu erbauen. Sie stiftete auch den Altar und einen kostbaren Abendmahlskelch. Bis ins 20. Jahrhundert hinein hatte sie das Patronat für St. Ägidien inne.

Ab 1678 teilten sich die Evangelischen in Thumsenreuth und Krummennaab einen Pfarrer. In der Kirche befindet sich der Grabstein des evangelischen Pfarrers Thomas Laubmann, der ab 1649 bis zum Tod 1686 für Thumsenreuth und ab 1678 auch für Krummennaab als Seelsorger tätig war. Im Jahr 1935 wurde das Simultaneum in Thumsenreuth aufgelöst. Die katholische Gemeinde kaufte ein Grundstück am Südostausgang des Dorfes und baute eine eigene Kirche.

Informationen zum Thema Simultankirchen

Simultankirchen

Simultankirchen werden aufgrund eines Beschlusses der Obrigkeit seit Jahrhunderten von mehreren christlichen Konfessionen gemeinsam genutzt. Sie gehen zurück auf die Zeit, als Staat und Kirche noch nicht getrennt waren. Meist teilen sich die Konfessionen einen Raum und feiern zu unterschiedlichen Zeiten Gottesdienst. In anderen Fällen sind Räume innerhalb einer Kirche voneinander abgegrenzt, etwa durch Trennwände. Bundesweit bestehen noch 64 Simultankirchen in neun Bundesländern, die meisten in Rheinland-Pfalz und Bayern. Allein in der Oberpfalz gibt es noch neun Simultankirchen. Die bekanntesten internationalen Beispiele sind die Geburtskirche in Bethlehem und die Grabeskirche in Jerusalem, die von orthodoxen und katholischen Christen gemeinsam genutzt werden.

Der Verein

Der Förderverein Simultankirchen in der Oberpfalz e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der es sich zum Ziel gesetzt hat, die 50 ehemaligen und bestehenden Simultankirchen zu erhalten. Gegründet wurde er im Januar 2013. der Verein ist ein Zusammenschluss von Einzelpersonen, Kirchengemeinden und Kommunen. Sie wollen das Erbe der Simultankirchen in der Oberpfalz lebendig halten. Das erste wichtige Projekt ist der Simultankirchen-Radweg, dessen Eröffnung am 8. Mai 2015 in Sulzbach-Rosenberg und Illschwang gefeiert worden ist.


28.02.2018 / Förderverein Simultankirchen in der Oberpfalz e.V.