Christusbruderschaft Selbitz

Zu Gott finden und Kraft tanken

Ein Audio-Porträt von Schwester Birgit-Marie Henniger. Chrisoph Lefherz, Evangelische Funkagentur.

Schwester Birgit-Marie Henniger wurde am Sonntag als neue Priorin der Christusbruderschaft Selbitz in ihr Amt eingeführt. Ein epd-Gespräch über die Aufgaben und die Herausforderungen der Communität.

Führungswechsel in der evangelischen Communität Christusbruderschaft in Selbitz: Schwester Birgit-Marie Henniger ist am Sonntag in einem Gottesdienst in ihr Amt als neue Priorin der Gemeinschaft eingeführt worden. Die Ordensschwester, die zuvor elf Jahre lang das Gästehaus der Communität leitete, ist Nachfolgerin von Schwester Anna-Maria aus der Wiesche. In einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst beschreibt Henniger ihre Aufgaben als Priorin und die Herausforderungen der Communität für die Zukunft.

epd: Ende April übernehmen Sie das Amt der Priorin. Was hat Sie dazu bewogen, sich als Priorin zur Wahl zu stellen?

Henniger: Die Frage kann ich so eigentlich gar nicht beantworten, denn die Kandidaten werden von den Schwestern vorgeschlagen. Alle Schwestern, die über 20 Prozent der Stimmen einer Vorschlagsliste erhalten, werden gefragt, ob sie sich zur Wahl stellen. Die Frage war für mich weniger, will ich oder will ich nicht, weil ich ja in der Profess versprochen habe, zu Verfügung zu stehen, wo mich Gott braucht. Ich habe gemerkt, dass ich aufgrund meines Gelübdes nicht Nein sagen kann und gehofft, dass es Gott so lenken wird, dass es gut für mich und die Gemeinschaft ist.

epd: Wie sind Sie früher auf die Christusbruderschaft Selbitz aufmerksam geworden?

Henniger: Das kam zum einen durch die regionale Nähe und zum anderen haben mich die Weite und die Klarheit des Ordens angesprochen. In der Communität ist jeder willkommen, egal, mit welchem Hintergrund und welcher Frömmigkeitsrichtung. Das hat mich angezogen.

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epd: Wann und aus welchem Grund sind Sie dann in die Communität eingetreten?

Henniger: Ich wurde in Münchberg geboren und hatte schon im Alter von 17 Jahren die ersten Kontakte nach Selbitz. Ich war damals auf der Suche und habe mich gefragt, was Gott für mein Leben will. Auch beruflich hatte ich einen Such-Weg mit mehreren Stationen: Ich habe eine Bibelschule besucht, ein paar Semester Grundschullehramt studiert, eine Banklehre absolviert und ein Fachwirtstudium angeschlossen. Durch ein Erlebnis wurde mir schließlich klar, dass mich Gott in eine Lebensform ruft, die ganz auf ihn hin ausgerichtet ist. In der Christusbruderschaft habe ich einen Ort gefunden, an dem ich mit meinem Beruf, mit meinem ganzen Menschen für Gott da sein kann. Ich finde, dass die Lebensform mit den Gebetszeiten, dem gemeinsamen Leben, aber auch mit dem Auftrag nach außen hin gut zu mir passt.

epd: Was waren bislang Ihre Aufgaben in der Communität?

Henniger: Im Postulat und im Noviziat habe ich verschiedene Arbeitsbereiche durchlaufen. Aufgrund meines Berufes als Bankfachwirtin war ich sechs Jahre in der Verwaltung und in der Buchhaltung tätig und habe dann bis jetzt elf Jahre lang das Gästehaus geleitet. Mir hat die Aufgabe sehr entsprochen, deshalb fällt mir der Abschied auch nicht leicht. Ich war für 30 Mitarbeiter zuständig, habe mich um die Organisation und Logistik gekümmert, Seminare geleitet und Menschen seelsorgerlich begleitet. So konnte ich helfen, einen Raum zu bereiten, dass Menschen zu sich und zu Gott finden und Kraft tanken können.

epd: Wodurch ist der Alltag in der Communität geprägt?

Henniger: Der Alltag in der Communität ist zunächst einmal geprägt durch das gemeinsame Leben, die Gebetszeiten um 6.15 Uhr, 11 Uhr und 17.30 Uhr sowie durch die Komplet und Gottesdienste. Ansonsten sind wir Schwestern in den unterschiedlichsten Arbeitsbereichen tätig, zum Beispiel in der Verwaltung, im Garten, in der Küche, in der Schneiderei oder aber im Gästehaus oder in unserem Pflegeheim. Manche Schwestern gehen auch außerhalb des Ordens einem Beruf nach, vor allem in den Stadtkonventen in München, Augsburg, Wittenberg, Leipzig und Bayreuth. Zudem engagiert sich unser Orden viel in Netzwerken und pflegt gute Beziehungen zu anderen evangelischen, katholischen und orthodoxen Klöstern. So sind viele Schwestern auch oft unterwegs.

epd: Wo werden Sie als Priorin ihre Schwerpunkte setzen und worin sehen Sie die Herausforderung für die Zukunft?

Henniger: Mir ist es ganz wichtig, erst einmal zu hören und die Gemeinschaft aus Sicht der Priorin zu erleben. Ich übernehme ja eine gut aufgestellte und geordnete Gemeinschaft, die ich nun weiterführen darf. Viele Strukturen sind vorhanden und haben sich bewährt. Gleichzeitig hat sich aber auch die Altersstruktur in der Communität verändert, so dass wir schauen müssen, wir uns gut ordnen können. Die Ressourcen haben sich verändert und wir werden manche Fragen anders stellen müssen, aber die Grundfrage bleibt die gleiche: Was ist unser Auftrag als Ordensgemeinschaft unter den heutigen politischen und gesellschaftlichen Bedingungen? Dazu gehört auch, dass alle Schwestern ihren Gaben entsprechend eingesetzt werden und auch die älteren Schwestern die Berufung ihrem Alter gemäß leben können. Natürlich blicken wir auch nach vorne und überlegen, wie wir nach außen ausstrahlen können, um vielleicht auch wieder andere Menschen für diese Lebensform zu begeistern.

"Tag des offenen Klosters" in der Communität Christusbruderschaft am 6. Mai 2017. "Praise the Lord" heißt es plötzlich - und ein paar Schwestern beginnen das Tanzen; und die Besucher feiern mit!

epd: Welche Rolle spielt Ihre Ordensgemeinschaft innerhalb der evangelischen Kirche?

Henniger: Wir verstehen uns als Glied der evangelisch-lutherischen Kirche und sind dennoch eigenständig. Wir wollen eine gute Ergänzung und für unsere Landeskirche ein gutes Gegenüber sein. Vielleicht können bei uns auch Menschen einen Raum finden, die bisher noch kaum Kontakt zur Kirche hatten. Einen wichtigen Dienst für unsere Kirche sehe ich auch in der Stärkung von Multiplikatoren, von Pfarrerinnen und Pfarrern und anderen hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, zum Beispiel durch das Programm "Atem holen" oder die Ausbildung in Geistlicher Begleitung. Zudem erweitern wir das kirchliche Angebot um speziell klösterliche Angebote im Bereich der Spiritualität, der geistlichen Begleitung und der Exerzitienarbeit.

epd: Vielen Dank für das Gespräch!


30.04.2018 / epd/efa