Ausstellung in Dachau

Vorbild für eine glaubwürdige Kirche

 Synodalpräsidentin bei Ausstellung 'Seine Kirche aber schwieg' (Martin Gauger)

Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel bei der Ausstellungseröffnung "Seine Kirche aber schwieg" zum 75. Todestag von Martin Gauger.

Bild: Mensing

"Wir brauchen Vorbilder wie Martin Gauger": Bei der Ausstellungseröffnung in der Dachauer Versöhnungskirche würdigte Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel den Kirchenjuristen Martin Gauger.

Zur Wiedereröffnung ihres sanierten Veranstaltungsraums zeigt die Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau ab Sonntag eine Ausstellung über den Kirchenjuristen und Kriegsdienstverweigerer Martin Gauger. Gauger stand in Opposition zum NS-Regime und wurde 1941 von den Nazis in den Gaskammern einer "Euthanasie-Anstalt" in Pirna ermordet. Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel sprach für die Synode ein Grußwort.

Zitat

Wir brauchen Vorbilder wie Martin Gauger – Menschen, die sich nicht aus der Affäre ziehen, Menschen, die uns mit ihrer Geradlinigkeit Orientierung geben. 

Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel

Mit der Erinnerung an Martin Gauger können wir heute „nichts mehr gut machen“, so die Synodalpräsidentin. „Aber wir können mit unseren Worten, Gesten und Gedächtnisritualen dafür sorgen, dass das Unheilvolle nicht vergessen wird und uns diejenigen gegenwärtig bleiben, die das Unrecht beim Namen nannten“. Sie seien für uns „Vorbilder für eine glaubwürdige Kirche“, so Preidel. Heilung sei nur „auf dem Weg des erinnernden Durcharbeitens möglich“, sagte Preidel. „Heilung wird nicht möglich, wenn sich der Nebel der Gleichgültigkeit und der Geschichtsvergessenheit über die Dinge legt.“

Mehr zum Thema

Mit dem Gedenkgottesdienst wurde die Ausstellung „Seine Kirche aber schwieg“ des Berliner Antikriegsmuseums eröffnet, deren Texte für die Dachauer Präsentation im Blick auf die vielen internationalen Gäste der Gedenkstätte ins Englische übersetzt wurden. Die Ausstellung, die Joachim Schmidt von der Friedensbibliothek konzipierte und kuratierte, wird bis Ende Februar gezeigt: montags von 11 bis 13 Uhr, dienstags bis samstags von 10 bis 16 Uhr und sonntags von 12 bis 13 Uhr.

Mitglieder der Familie Gauger

Familienmitglieder aus drei Generationen trafen sich im Innenhof der Versöhnungskirche, hier im Bild mit Gedenkstättenpfarrer Dr. Björn Mensing (links).

Bild: Mensing

Mit etwa 120 Gästen war die Versöhnungskirche bis auf den letzten Platz besetzt - darunter 20 Mitglieder der Familie Gauger aus drei Generationen. Pfarrer Björn Mensing, Landeskirchlicher Beauftragter für evangelische Gedenkstättenarbeit Evangelische Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau (im Bild links) konnte sich nicht nur über die Vielzahl an Gästen sondern auch über die gelungene Sanierung des Gesprächsraum der Versöhnungskirche freuen.

Denn zugleich feierte man mit dem Gottesdienst die Wiedereröffnung der Winterkirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte. Die Sanierung der Räume in der evangelischen Versöhnungskirche für 740.000 Euro kommt rechtzeitig: Nächstes Jahr feiert die Versöhnungskirche ihren 50. Geburtstag. 1967 wurde sie auf Initiative überlebender KZ-Häftlinge gebaut. Sie war die erste Kirche in direkter Trägerschaft der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Mittlerweile sind zwei weitere Kirchen der EKD unterstellt: die Christuskirche in Rom und die Schlosskirche Wittenberg. 


17.10.2016 / epd/ELKB